Der "Ultimatron-Bug" - Oder: Warum eine 200Ah-Batterie nur 100Ah Kapazität zu haben angibt...

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    EDIT: Wer nach der Lösung dieses Problems sucht, gehe bitte sofort hierhin:


    Der "Ultimatron-Bug" - Oder: Wie eine 100Ah-Batterie 200Ah speichert...

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    Die Ultimatron-LiFePO4-Batterien lassen sich ja mittels Smartfon-App auslesen und zeigen viele aktuelle Parameter an: Spannung, fließender Lade- oder Entladestrom, Ladezustand, Zellenspannungen, Zyklenzahl und noch vieles mehr. Auch die Nennkapazität der Batterie wird von der App angezeigt und der Ladezustand in % und in Rest-Ah. Aber dann der Hammer: Da zeigt mir die App doch glatt einige 200Ah-Ultimatrons als 100Ah an! Wasndas?? Es handelt sich aber unzweifelhaft um die dicken 200Ah-Batterien. Auch eine Kapazitätsmessung stellt glasklar fest, dass 200Ah gespeichert werden. Nur die App meldet hartnäckig 100Ah. Eine Batterie wird sogar als "110Ah" gemeldet, obwohl es diese Größe bei Ultimatron gar nicht gibt. OK, jetzt fliegen bei den Liontron-Leuten natürlich die Korken ob dieses dümmlichen Fehlers und die hauen sich genüsslich auf die Schenkel.


    Der Hit war dann aber, dass die 200Ah-Type alias 100Ah nach Randvollladung und Entnahme von 50Ah eine Restkapazität von - mir stand der Mund offen - nur noch 50Ah ausgibt. Irgendwie ja auch logisch: 100 - 50 = 50! 8o Und nachdem 100Ah entladen waren, betrug die angezeigte Restkapazität doch tatsächlich nur noch 0Ah. Bei 12,9V Klemmenspannung! Die Entladung läuft - natürlich - lustig weiter, bis das BMS die Batterie dann nach entnommenen 204Ah abschaltete. Die Anzeige stand die ganze Zeit natürlich stur bei 0Ah Restkapazität. Computer sind eben doch dumm.


    Der Ultimatron-Vertrieb in Frankreich meldete dann auf Nachfrage, dass der peinliche Fehler aber gar nicht in den Batterie steckt, sondern in der App! Das war nun doch überraschend für einen alten Elektroniker wie mich, denn ich fürchtete schon, die frisch angelieferten Batterien müssten wieder zurück zum Hersteller, damit der sie alle aufsägt und das BMS neu flasht. Aber neenee, der Hersteller korrigiert einfach die Ultimatron Smartfon-App und schon passt wieder alles. Moderne Zeiten sind das.


    Fast wie bei Tesla. :D


    Grüße, Tom


  • Nach meiner Reklamation wegen dieses Fehlers erhielt ich heute Nachricht von Ultimatron France. Sie schickten die QR-Codes für eine neue Smartfon-App, mit der sich das Problem lösen lassen soll. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur einige 200Ah-Ultimatrons das Problem aufweisen, eine zu geringe Kapazität anzugeben, sondern auch manche 150Ah-Batterien. Nur die 100Ah-Batterien sind davon nicht betroffen.


    Vorab: Ja, das Problem wurde damit gelöst, aber Vorsicht: Die App hat es in sich, denn man schreibt damit in den Flash-Speicher der Batterie! Da der Hersteller das nach meinem Gefühl nicht ausdrücklich genug deutlich gemacht hat, hier mein kurzer Bericht über die Korrektur des "Ultimatron-Bugs".


    Bericht:


    Vorgehensweise:

    1. Die alte "Ultimatron-France"-App deinstallieren.
    2. Die neue App mit dem passenden QR-Code downloaden:

    3. Die neue App installieren und starten.
    4. Jetzt die Batterie im Auswahlmenü suchen. Jede Ultimatron-Batterie weist sich durch eine individuelle "MAC"-Adresse aus, die im Auswahl-Menü angezeigt wird.



      Unter normalen Umständen, wenn sich nur eine Ultimatron-Batterie im Bluetooth-Empfangsbereich befindet, ist das kein Problem, weil dann nur diese eine Batterie angezeigt wird. Wenn sich aber mehrere Ultimatron-Batterien im Bluetooth-Empfangsbereich befinden, werden die natürlich alle wild durcheinander angezeigt (im Batterie-Lager ist das manchmal kein Spaß...=O). Da die MAC-Adresse blöderweise auf den Batterien nicht aufgedruckt ist, kann man in solchen Fällen nur durch wegschleppen der einzelnen Batterie aus dem Funknebel der anderen Batterien (mindestens 20m) sicher gehen, auch wirklich die richtige erwischt zu haben. Diese Batterie wird dann in der App ausgewählt und überprüft, ob es sich wirklich um eine mit einer fehlerhaften Ah-Anzeige handelt. Falls ja, geht man ins "Schalttafel"-Menü:



    5. Um Zugang zur Schreibfunktion zu erhalten, drückt man oben im Menü für drei bis fünf Sekunden auf das rot umrandete Wort "Schalttafel". Es öffnet sich
    6. das Fenster der Schreibfunktion ("set up"). Dort wird nun die Ausführung der Batterie (im Beispiel handelt es sich um eine 12V/200A-Batterie), ein Bindestrich und die Seriennummer der Batterie eingetragen und zwar exakt in diesem zehnstelligen Format:



      Ausführung und Seriennummer der Batterie findet man oben links auf dem Deckelrand der Batterie. Aber bitte NICHT "12V200-xxxx" eintragen, sondern nur Spannung und Kapazität ohne Einheiten, also z.B. "12200-xxxx", wenn es sich bei Ihrer Batterie um eine 12V/200Ah-Batterie handelt. Die 150Ah-Batterie wird dementsprechend mit "12150-xxxx" eingetragen. Die "xxxx" stehen für die vier letzten Stellen der Seriennummer, wie sie auf dem Deckel als die letzten vier Stellen der Einprägung abgelesen werden kann. Im Beispiel also: "12200-0085". Geben Sie an dieser Stelle aber bitte NICHT die Zeichenfolge ein, die hier auf meiner Seite steht, sondern natürlich die, die auf Ihrer Batterie steht!

      Alles klar? OK. Dann zum absenden die Schaltfläche "Modify" betätigen.

      Ich erwähne das alles deshalb so pedantisch genau, weil der Hersteller schreibt, man könne diese Funktion nur genau ein Mal durchführen, danach nicht mehr. Offenbar wird hier etwas in den Flash-Speicher der Batterie geschrieben, was danach nicht mehr zu korrigieren ist. Also bitte genau aufpassen, dass man auch verstanden hat, was da rein geschrieben werden soll und bitte doppelt kontrollieren. Der Hersteller lehnt im Fall eines Fehlers die Garantie ab, auch wenn ich der Meinung bin, dass das rechtlich nicht möglich ist, weil es sich ja um die Behebung eines Mangels handelt, den der Herstellers zu verantworten und daher auch zu beheben hat. Da sollte er also froh sein, wenn die Kunden ihm die Kosten des Rücktransports ersparen, um den Fehler in Eigenregie zu beheben.

      Aber sei's drum, mit etwas Vorsicht wird man es sicher leicht und unfallfrei schaffen, die richtige Ausführung und die Seriennummer in die Batterie zu flashen.
    7. Nach dieser Modifikation wird die Ultimatron-App beendet und neu gestartet.
      Sie werden feststellen, dass sich die Batterie nun einerseits nicht mehr mit der Zeichenkette "Ultimatron BMS" meldet, sondern mit der Zeichenkette, die Sie ihr soeben einprogrammiert haben, also z.B. mit "12200-0035", wie unten. Ferner werden Sie feststellen, dass die Kapazität nun korrekt angezeigt wird und alles so funktioniert, wie es soll.


    Damit wäre die "Reparatur" dann erledigt. Sie können die neue App als normale Bedienung weiterbenutzen, oder auch die alte App wieder installieren, die Batterie wird sich ab sofort in jedem Fall korrekt anmelden.


    Soviel zum Beheben des "Ultimatron-Bugs". Von mir (http://www.microcharge.de/22-lifepo4-batterien) gelieferte Batterien werden grundsätzlich vor der Auslieferung entsprechend überprüft und, falls erforderlich, programmiert, so dass sich meine Kunden mit diesem Problem nicht herumschlagen müssen. Es erschien mir nur wichtig Betroffene darauf hinzuweisen, dass hier nicht nur eine neue App zur Behebung eines Anzeigefehlers installiert, sondern tatsächlich die fehlerhafte Programmierung der Batterie korrigiert werden muss.


    Abschließend der Hinweis: Für eventuelle Fehler bei der Programmierung von Batterien nach dieser Anleitung übernehme ich keine Haftung.


    Grüße, Tom


    Edit: Bitte nicht versuchen, auf diese Weise aus einer 100Ah- eine 200Ah-Batterie machen zu wollen. Das funktioniert natürlich nicht. 8o

  • 12150-0117


    Setzt sich zusammen aus:

    1. Der Spannung in ganzen Volt ohne Kommastelle und Einheit (12),
    2. dahinter die Kapazität (150),
    3. dann einen Bindestrich (-)
    4. und zuletzt die letzten vier Ziffern der Seriennummer (0117). Zusammen also in Deinem Fall 12150-0117.

    Grüße, Tom

  • Das bedeutet theoretisch, dass das BMS 35 mal registriert hat, dass die Temperatur beim Laden unter +3°C lag und deshalb die Ladung unterbunden hat. Allerdings stehen da meiner Erfahrung nach zuweilen schon bei fabrikneuen Batterien unsinnig hohe Werte drin! Du hast sie ja sicher auch noch keine 35 mal geladen und mit der Temperatur kann das dieser Tage ja auch erst recht nicht stimmen. :doing:


    Ganz allgemein muss ich sagen, dass sogar ich als Händler mit 20jähriger Batterie-Erfahrung von der Fehleranfälligkeit des Gesamt-Funktionskomplexes LiFePO4-BMS/Bluetooth/Smartfon-Apps ziemlich geschockt bin. Und zwar betrifft das ALLE Hersteller gleichermaßen, mit deren Batterien, BMS und Smartfon-Apps ich bisher zu tun hatte: Immer wenn irgendwelche Art von Software im Spiel ist, wachsen Menge und Intensität des erforderlichem Supports enorm! Die ganze daran hängende Computertechnik, so simpel sie auch aus der Entfernung aussehen mag, ist offenbar mit extrem heißer Nadel gestrickt und an dem ganzen Durcheinander tragen nicht zuletzt die oft unverständlichen bis sinnlosen App-Übersetzungen aus dem Chinesischen einen gehörigen Anteil. Hierzu kommen dann noch die üblichen Inkompatibilitäten zwischen den verschiedenen Systembestandteilen (Smartfon...) und Fehler bei Konstruktion, Herstellung und Programmierung von BMS und Apps, die vermutlich durch den immer weiter zunehmenden Zeitdruck bei den Herstellern versaubeutelt werden. :motz: Am Ende trifft es immer den Kunden, der mit völlig unerwarteten Problemen nach dem Kauf der nicht gerade billigen LiFePO4-Batterien konfrontiert wird.


    Da kann man nur hoffen und harren, dass bald endlich mal wieder echte Konstruktion und Produktion in Deutschland die Qualität auf das Niveau heben, welches man für sein sauer Verdientes mit Fug und Recht erwarten kann.


    Grüße, Tom

  • Die App hinter dem QR-Code-Link hat sich geändert, das ist des Rätsels Lösung. Die neue App will in der Tat ein Passwort sehen.


    Mir liegen drei Hilfedateien vor, die Ultimatron jeweils zu den 100, 150 und 200Ah-Batterien herausgegeben hat. Am besten man geht bei Problemen mit der Kapazitätsangabe der Smartfon-App nach deren Anweisungen vor.


    100AH-APP monitoring data calibration instructions.pdf


    150AH-APP monitoring data calibration instructions.pdf


    200AH-APP monitoring data calibration instructions.pdf


    Hier noch mal der Download-Link für die Ultimatron-Apps:



    Grüße, Tom

  • Inzwischen ist mir noch eine weitere Arbeitsanweisung zugeflogen, für die Fälle, in denen die App oben nicht passt oder die damit nicht repariert werden können, soll die folgende Hilfedatei verwendet werden:


    150AH-APP monitoring data calibration instructions V2.pdf


    Diese Hilfedatei scheint sich dem Dateinamen nach zwar ausschließlich auf die 150Ah-Variante zu beziehen, gilt aber natürlich ebenso für die 100Ah und die 200Ah-Ausführungen, wenn man die Kapazität entsprechend der Batterie anpasst. Unterschied zur ein Posting höher beschriebenen Hilfedateien liegt darin, dass die zugehörigen Apps mit Ausführung und Seriennummer der Batterie arbeiten, ähnlich wie schon am 29. April, also ganz oben beschrieben. Da heißt es jetzt wie folgt:


    "Please enter '12150-0066' in the device name box, then click 'Modify'."


    Nochmal zur Präzisierung: Die Ziffernfolge "12150-0066" bedeutet

    1. Der Spannung in ganzen Volt ohne Kommastelle und Einheit (12),
    2. dahinter die Kapazität in Ah, wieder ohne Einheit (150),
    3. dann einen Bindestrich (-)
    4. und zuletzt die letzten vier Ziffern der Seriennummer (0066).

    Für eine 12V-Batterie mit 200Ah, wo die letzten vier Ziffern der Seriennummer 1234 lauten wird also zum Beispiel 12200-1234 eingegeben.


    Die Seriennummern stehen auf der Batterie-Rückseite auf dem Deckelrand oben links.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom

    Mal ne Frage von einem Newbe. Woher bekomme ich die Werte Charge bzw Entladung wenn die Batterie nicht geladen oder Entladen wird. Oder verstehe ich das Falsch?

    Grüsse

    Herbert


    PS Super Forum mit vielen hilfreichen Informationen

  • Falls 150AH-APP monitoring data calibration instructions V2.pdf gemeint ist: Hier handelt es sich um die Eingabe der mit einem externen Messgerät ermittelten Lade- und Entladeströme, um in der App eventuell falsch angezeigte Ströme zu korrigieren. Die korrekte Messung der Ströme ist gleichermaßen wichtig für die korrekte Arbeit der Lade- und Entladestrombegrenzung (um Überlastung aber auch verfrühte Abschaltung zu verhindern), sowie der Ermittlung des korrekten Ladezustands (es handelt sich dabei um eine so genannte saldierende Messung, die Lade- und Entladeströme werden gemessen und in ihrer zeitlichen Wirkung dem Ladezustand hinzugefügt oder von ihm abgezogen). Darum sollte die App Lade- wie auch Entladeströme möglichst genau anzeigen.



    Mann legt also einen Ladestrom an, misst ihn mit einem geeigneten Messgerät und gibt den vom Messgerät abgelesenen Wert in Milliampere in der Maske ein (es müssen auch nicht unbedingt 25A sein, wie im Bild gezeigt. 3,28A gehen genauso, wie 142,8A.). Dasselbe macht man mit dem Entladestrom, der fließt, wenn man einen Verbraucher aus der Batterie speist. Die Messströme sollten mindestens 2A betragen, da der Mess-Shunt im BMS unterhalb dieses Stromwertes nicht korrekt anzeigt.


    Normalerweise braucht man aber die Strommessung nicht zu kalibrieren. Ich hatte dazu jedenfalls noch nie eine Notwendigkeit erkennen können. Drum hatte ich wohl die Frage zunächst auch nicht verstanden.


    Grüße, Tom

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