NiMH-Zellen in Laptop-Akkupack durch Li-Ion-Zellen ersetzen?

  • Hallo liebes Forum,


    ich bin nach etwas Internetrecherche auf dieses Forum gestoßen und sehr angetan von der hier versammelten Kompetenz. Da ich aktuell nicht weiterkomme und auch hier keine Lösung zu meinem Problem finden konnte, hab ich mich mal angemeldet und möchte folgende Frage loswerden:


    Ich habe hier einen alten Werkstattrechner aus den 90er Jahren, den ich gerne wieder nutzen würde. Leider sind die Akkus platt und ohne diese funktioniert er nicht.


    Es handelt sich einmal um einen Pufferakku mit 10,8V und einen Hauptakku mit 12V. Beides NiMH. Siehe Fotos. Hier sieht man auch, dass der Pufferakku schon mal neue Zellen bekommen hat, da er original auch ein schwarzes Gehäuse hat (Bezeichnung DR15S).


    Jetzt bin ich am überlegen, was ich am besten machen soll. Mir sind folgende Optionen eingefallen:


    - für viel Geld Nachbau-Akkus kaufen (NiMH)

    - selbst neue NiMH-Zellen in die vorhandenen Gehäuse einbauen

    - selbst neue Li-Ion-Zellen&BMS in die vorhandenen Gehäuse einbauen

    - neue Zellen (NiMH oder Li-Ion) in die vorhandenen Gehäuse einbauen lassen


    Wäre es möglich oder sinnvoll, die vorhandenen NiMH-Zellen durch Li-Ion-Zellen und ein BMS zu ersetzen bzw. wäre das überhaupt möglich? Soweit ich weiss, verfügen diese Akkus auch über ein BMS, das via SM-Bus mit dem Ladegerät kommuniziert. Würde das dann überhaupt noch funktionieren?


    Ich selbst habe noch keine Erfahrungen mit dem bauen von Akkus. Ich kann aber mit einem Lötkolben umgehen und habe nur eine linke Hand ;)


    Diverses Werkzeug ist zwar vorhanden, aber z.B. kein Punktschweißgerät - das könnte ich mir aber zulegen, wer weiß, wann man das nochmal benötigt.


    Was würdet Ihr mir raten?


    Viele Grüße


    Conny

  • Es gibt mehrere Probleme bei einer Umrüstung:

    1. NiMH-Akkuzellen haben eine Nennspannung von 1,24V. Die von Dir verwendeten Zellenpackspannungen von 10,8V und 12V weisen auf eine Verwendung von 1,2V als Nennspannungswert hin, was recht verbreitet ist: Das wären für Akkupacks mit 9 Zellen 10,8V und bei 10 Zellen 12V. Diese Nennspannungswerte sollte man in etwa treffen, wenn man Akkuzellen anderer Technologie verwendet.


    Lithium-Ionen-Akkuzellen besitzen eine Nennspannung von etwa 3,6V. Man käme mit 3 LiIon-Zellen also auf eine Nennspannung von etwa 10,8V, was für den Pufferakku sehr schön passen würde. Beim Hauptakku wird es aber schwierig, denn der nächsthöhere Spannungswert mit 4 Stück LiIon-Akkus wäre 14,4V.


    Die dritte mögliche Zellentechnik wäre LiFePO4, auch LFP genannt, dort beträgt die Nennspannung 3,2V. Da die Spannung eines dreizelligen LiFePO4-Akkupacks nur 9,6V beträgt, sind drei Zellen wohl zu wenig. Vier LiFePO4-Zellen ergeben 12,8V, was wiederum etwas viel wäre.


    2. Man müsste zusätzlich prüfen, ob der Spannungsbereich bei den beiden genannten Lithium-Technologien innerhalb des Entladezyklus zwischen voll und leer im für das Gerät zulässigen Bereich liegt.


    NiMH-Akkuzellen dürfen bis auf 1V entladen werden und bis auf 1,5V aufgeladen werden, was für neunzellige NiMH-Akkupacks 9V bis 13,5V ergibt (Pufferakku). Bei den 10 Zellen des Hauptakkus kommt man auf 10V bis 15V. Diese beiden Spannungfenster sind die Bereiche, die man mit Ersatz-Akkutechnologien wenigstens ansatzweise treffen sollte, damit überhaupt ein störungsfreier Betrieb möglich ist.


    LiIon-Akkuzellen dürfen bis auf 3V entladen und bis auf 4,2V aufgeladen werden. Das würde für einen dreizelligen Li-Ion-Akkupack einen Spannungsbereich zwischen 9V und 12,6V ergeben und für vierzellige einen Bereich zwischen 12V und 16,8V.


    LiFePO4-Akkuzellen dürfen bis auf 2,2V entladen und bis auf 3,65V aufgeladen werden. Das ergibt für vierzellige LiFePO4-Akkupacks ein Spannungsfenster zwischen 8,8V und 14,6V, was zumindest für den Pufferakku recht gut passen würde. Ein fünfzelliger LiFePO4-Akkupack hätte aber ein Spannungsfenster zwischen 11V und 18,25V, was vermutlich zu hoch wäre.


    3. Die Ladeelektronik: Das wird vermutlich schwierig, weil die Spannungen nur beim Pufferakku gut passen.


    Ergebnis der Überlegungen:


    Man benötigt auf jeden Fall einigen "Mut zur Lücke", um einen Umbau von NiMH auf LiIon- bzw. LiFePO4-Technologie zu versuchen. Die Entscheidung, ob man es versucht, dürfte am ehesten von der Lust am Ausprobieren und der Akzeptanz eines möglicherweise zerstörten Laptops abhängen. Für Bastler sicher ein durchaus lohnender Bereich, bevor man das Gerät wegschmeißt. Wird das Gerät dagegen sicher und zuverlässig funktionierend benötigt, wird man vermutlich eher auf die originalen NiMH-Akkus vertrauen, welche problemlos funktionieren werden. Nur leider sind nicht mehr viele gute erhältlich, weil diese Technik, zumindest bei den als Gerätezellen üblicherweise verwendeten Sub-C-Rundzellen, kaum noch hergestellt wird. Deshalb ist zu erwarten, dass man überwiegend längst abgelaufene Ladeware angedreht bekommt, an der man nicht lange Freude haben wird. Toll wäre es, wenn man die bekannten weißen und best beleumdeten ENELOOP-Akkuzellen der Haushaltsbatteriegrößen AA (Mignon) oder AAA (Mikro) unterbringen könnte, denn die werden noch immer in hervorragender Qualität zu sehr günstigen Preisen angeboten und würden sicher problemlos für 5 bis 8 Jahre Dienst tun. Man muss sie nur im Akkupack unterbringen können.


    Die von mir bisher von 12zelligen 14,4V NiMH-Akkupacks auf vierzellige LIon-Akkupacks mit BMS umgebauten Elektrowerkzeuge waren da deutlich einfacher im Umbau, da die Spannungsbereich hier deutlich unkritischer sind: Ob ein Elektromotor mit etwas mehr oder etwas weniger Spannung gespeist wird, ist nicht so wichtig. Bei empfindlicher Elektronik sieht das aber oft anders aus.


    Problematisch wäre bei Deinem Laptop auf jeden Fall die Verwendung der bisherigen Ladeelektronik. Das kann funktionieren, aber wirklich daran glauben tue ich nicht. Bei meinen Elektrowerkezeugen war aber auch das kein Problem, denn die Ladegeräte für die Akkupacks arbeiten mit den vierzelligen LiIon-Akkupacks ebenso wie mit solchen aus NiMH-Zellen. :)


    Ich hoffe, meine Überlegungen helfen Dir bei der Entscheidung weiter.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Das hilft mir wirklich sehr weiter und ich habe einiges gelernt.


    Also diese Diagnosecomputer sind sehr selten und schwer zu bekommen. Deshalb ist er mir eindeutig zu schade, um durch Experimente einen Defekt zu riskieren. Daher lasse ich die Finger von dem Versuch eines Akku-Upgrades, auch wenn mich das schon reizen würde.


    Ich werde also bei NiMH-Zellen bleiben.


    Ich bin Dir auch sehr dankbar für den Hinweis zur Qualität dieser Sub-C-Zellen. Da ich bisher ebenfalls nur gute Erfahrungen mit Eneloop AA-Zellen gemacht habe, werde ich auf diese zurückgreifen. Die sind zwar etwas etwas länger, aber das ist zum Glück nur ein kleines Problem dank der Bauweise des Gerätes. Im schlimmsten Fall schaut der Pufferakku ca. 15mm aus dem Gehäuse. Damit könnte ich leben bzw. einfach im 3D-Drucker eine Abdeckung anfertigen. Da die Zellen aber quer ungefähr genau so lang sind, wie 3 nebeneinanderliegende, könnte es funktionieren, wenn sie nebeneinander liegen. Wenn für den Hauptakku nur 10 Zellen benötigt werden, sehe ich da auch kein Problem, das Gehäuse sollte groß genug sein. Das muss ich dann mal öffnen und reinschauen.

    Jetzt habe ich gelesen, dass man Li-Ion-Zellen möglichst nicht löten soll wegen der Hitzeeinbringung, aber NiMH-Zellen sollen da nicht so empfindlich sein. Könnte ich diese AA-Akkus also auch zusammenlöten?


    Viele Grüße


    Conny

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