10 Monate altes Daly-BMS 200A will nicht mehr

  • Hallo Tom,


    habe bei Dir ungefähr im August letzten Jahres den LiFePO-Bausatz mit 314Ah erworben, mit 200A-Daly-BMS (s. Foto), des Weiteren einen aktiven Balancer.


    Hat bisher alles brav hervorragend seinen Dienst getan, heute plötzlich: Leistungsausgang vom BMS tot, gemessen ca. 0,6V. Vor dem BMS liegen 13,4V an, auch die blaue LED vom aktiven Balancer leuchtet. Hatte bei einem früher bei Dir erworbenen Bausatz mal noch eines von den älteren Daly-BMS, da ist das schon mal passiert, dass sie den Dienst verweigert haben - da war dann kurz das bekannte Brücken von zwei bestimmten Pins am BMS eine Abhilfe. Die neuen BMS sollten das ja eigentlich nicht mehr haben... hast Du eine Idee, was ich hier ausprobieren könnte?


    Lieben Dank schon mal!


    VG. Robert

  • Als erstes immer den BMS-Status über Bluetooth auslesen, dann weiß man mehr. Manchmal liegt es einfach daran, dass man versehentlich (oder jemand anders) den Entladeschalter ausgeschaltet hat. Oder eine Zelle hat den Entladeschluss erreicht und dann schaltet das BMS selbst die Entladung ab. Vielleicht stimmt aber auch etwas mit dem Temperatursensor nicht. Dann zeigt das BMS eine Temperatur von -40°C an und dann ist natürlich auch alles abgeschaltet. Also mal nachschauen, was das BMS für einen Status anzeigt.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    erstmal danke für die schnelle Reaktion. Habe das direkt probiert. Zuerst hat die App noch den Bluetooth-Dongel gefunden, hat aber überhaupt keine Werte angezeigt (weder SOC, noch irgendwas Anderes). Und danach konnte ich mich gar nicht mehr per Bluetooth mit dem BMS verbinden... habe den Taster an dem BT-Modul auch mehrfach gedrückt.

  • Dann als erstes ausprobieren, ob der schwarze Stecker am Bluetooth-Transceiver vielleicht einen Wackelkontakt hat. Dazu den Stecker mehrfach herausziehen und wieder einstecken. Meistens funktioniert der Transceiver dann wieder.


    Wenn das nicht hilft, auch mal das Smartfon neu starten. Oft steckt hier ein Fehler im Bluetooth-System und nach einem Neustart des Smartfons funktioniert es wieder. Übrigens darf das BMS im Smartfon nicht "gekoppelt" werden, sondern nur über die Smart BMS App kontaktiert. Versucht man das BMS zu koppeln, funktioniert die App nicht mehr.


    Wenn auch der vorherige Tipp nicht hilft, am besten das ganze BMS neu starten. Dazu den Balancerstecker kurz aus- und dann wieder einstecken. Damit wird ein Kaltstart ausgelöst.


    Wenn gar nichts hilft, könnte das BMS defekt sein. Dann am besten das BMS mit Zubehör (insbesondere auch mit dem Balancer-Kabel) zur Überprüfung an mich einschicken. Bitte auch einen Zettel mit lesbarer Rücksendeanschrift, eine Rechnungskopie, sowie eine Fehlerbeschreibung beilegen. Damit kann ich arbeiten und werde es dann schnellstens überprüfen.


    Grüße, Tom

  • Danke für die Tipps - habe ich alles ausprobiert. BT-Transceiver mehrfach an- und abgeklemmt ohne Erfolg. Habe zwei Handies (Android und IPhone), beide neu gestartet, kein Connect möglich - die sind via BT auch nicht mit dem BMS gekoppelt.

    Balancer-Stecker ausgesteckt, 10 Sekunden gewartet, wieder eingesteckt, auch keine Besserung.

    Wenn das BMS am Ladestrom hängt, blinkt die grüne Status-LED wie gewohnt (glaube im 10s Takt oder so ähnlich). Sobald der Ladestrom abgeklemmt wird, fällt die Spannung am BMS-Ausgang nach kurzer Zeit ins Bodenlose. Vor dem BMS gemessen immer noch ca. 13,6V.


    Was mir noch einfällt: bei dem Bausatz war ja noch ein Kabel mit USB-Anschluss dran. Könnte man damit eventuell noch irgendwas versuchen?


    Grüße, Robert

  • Mit dem UART/USB-Adapterkabel kann man die Verbindung zu einem Windows-PC herstellen. Hierfür die zugehörige Daly-Software aus dem Webshop herunterladen, installieren und die Verbindung zwischen BMS und Windows-PC herstellen (das BMS benötigt dabei genauso Strom aus der Batterie über den Balancer-Anschluss wie beim Zugriff über Bluetooth).


    Möglicherweise lässt sich das BMS ja so noch ansprechen. -|-


    Grüße, Tom

  • Software habe ich mir heruntergeladen, wollte jetzt das Adapterkabel an das BMS an UART2 anschließen (an UART1 hängt das BT-Device) - jedoch hat mein Kabel lediglich 3 Pins, die Buchse am BMS sieht aber aus als ob sie deutlich mehr Pins hätte... habe ich da vielleicht das falsche Kabel (ggfs. vom Vorgänger-BMS)?

  • Okay, das richtige Kabel hat gepasst - hatte auf die Schnelle tatsächlich zuerst noch das vom alten "großen" 200A-BMS aus meiner früheren Bestellung bei Dir gefunden, da war der Stecker auch schmaler. Leider bekomme ich auch mit dem richtigen Kabel gar keine Werte angezeigt...


    Habe nochmal das Balancer-Kabel abgezogen (Ladegerät vorher abgeschaltet) und nach 10 sec. wieder aufgesteckt, die LED vom BMS blinkt einmal grün auf, die Spannung (Out am BMS) sinkt innerhalb von Sekunden.


    Meine Frage: ist es wirklich notwendig, das Balancer-Kabel zum Test mitzuliefern? So könnte ich das BMS demontieren, ohne dass ich den Akku ausbauen und komplett zerlegen müsste... und das ist ECHT viel Arbeit... nur so ne Frage ;-)

    Ich vermute, Du möchtest ausschließen, dass das Balancer-Kabel einen Bruch oder eine Scheuerstelle durch unsachgemäße Verlegung o.ä. hat?

  • Nein, wirklich nötig ist das nicht, denn überprüfen kann ich das BMS natürlich auch ohne dieses Kabel. Allerdings ist ein BMS ein Gerät, welches zur korrekten Funktion eine bestimmte Infrastruktur vorfinden muss und die fehlt ja, wenn Batterie und Balancerkabel beim Test nicht vorliegen. Da dieses Kabel, wie auch die Akkuzellen mit Zellenverbindern und Kabelschuhen aber überdurchschnittlich oft die Ursache von BMS-Fehlfunktionen sind, ist es sinnvoll, wenigstens das Balancerkabel zusammen mit dem BMS zur Überprüfung einzuschicken, da sich in vielen Fällen der Fehler ohne dieses Kabel nicht reproduzieren lässt.


    Letztlich ist es natürlich deine Entscheidung, was du alles zur Prüfung zurückschickst.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    Deine Überlegungen verstehe ich vollkommen. Daher habe ich das Balancerkabel abgezogen und explizit die Spannungen zwischen den einzelnen Anschlüssen durchgemessen, und sie entsprechen den anzunehmenden Werten - sprich, die Zellen an sich scheinen in Ordnung zu sein, und die Kabel scheinen keinen Bruch oder falschen Kontakt zu haben (letzteres hätte ich sowieso vermutet, da ordentlich verlegt und mit Kabelschutz versehen). Da die Spannungsmessung allerdings nicht unter Last erfolgte, bleibt natürlich ein gewisses Restrisiko, welches ich in Anbetracht des Ausbau-Aufwandes vom Balancer-Kabel und der Batterie aber in Kauf nehmen würde. Letzten Endes ist für mich natürlich klar, dass ich die Kosten für Rückversand sowie Deine Aufwände übernehmen werde, sollte es wirklich nicht am BMS liegen. Und die Versandkosten wären vermutlich ungleich höher, würde ich die gesamte Batterie zur Prüfung verschicken. Also auf jeden Fall schon mal vielen Dank für Deine wertvolle Unterstützung bei der Fehlersuche!

  • So, die Rücksendung des defekten BMS habe ich heute erhalten. Der Anschluss an den PC bestätigte dann auch den Fehler:


    Bild 1: Grob falsche Spannungsanzeigen von Zelle 3 und 4.


    Ich habe das BMS dann zerlegt und unter der Vergussmasse die Ursache des Fehlers gefunden:


    Bild 2: Korrosionserscheinungen unter der Balancerkabel-Steckerbuchse


    So sieht es aus, wenn Feuchtigkeit unter die Vergussmasse der Leiterplatte gerät und dort über längere Zeit "arbeitet".


    Noch deutlicher erkennt man das Problem, wenn man die abgezogene Vergussmasse von unten betrachtet:


    Bild 3: Leiterplattenseite der Vergussmasse im Bereich der Balancerkabel-Steckerbuchse


    Auf Bild 3 erkennt man oben die grün/bläulichen Korrosionsspuren an den Pins 4 und 5 der Balancerkabel-Steckerbuchse (Pin 4 ist der Anschluss von Zelle 3 und Pin 5 der von Zelle 4). Das ist Grünspan, also korrodiertes Kupfer. Die Feuchtigkeit ist unter der Vergussmasse noch weiter gekrochen, bis sie den Analog/Digitalwandler erreicht hat, wo sich ebenfalls diese grünlichen Korrosionsspuren wiederfinden. Das hat dann zu genau dem Fehler mit der falschen Anzeige der Zellenspannungen geführt.


    Fazit:


    Die Dinger vertragen kein Wasser! -|-


    Das war schon bei der Vergussmasse der älteren Daly Classic-BMS so und ich hatte eigentlich gehofft, dass sich dieses Problem bei den New-HKMS-BMS entschärft hätte. Aber wie man sieht, ist es nach wie vor aktuell: Die Vergussmasse geht erkennbar keine ausreichend innige Verbindung mit der Leiterplatte ein, so dass Wasser - kurioserweise immer ausgehend von unterhalb des Balancersteckers - unter die Vergussmasse kriecht und dort dann zu Korrosion führt. Bei Süßwasser dauert es etwa ein Jahr nach Wasserzutritt, bei Salzwasser geht es noch viel schneller.


    Ich habe Daly kontaktiert, um zu klären, ob der Hersteller Feuchtigkeitsschäden wie diesen als Garantiefall anerkennt. Wenn ich entsprechende Antwort erhalten habe, werde ich das hier schreiben.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    erstmal danke, dass Du Dir das so schnell angesehen hast - aber Deine Diagnose erschreckt mich tatsächlich! Das BMS ist NIE mit Wasser in Kontakt gekommen, im Gegenteil, die Räumlichkeit wird sogar permanent auf die relative Luftfeuchtigkeit überwacht. Bei Höchstwerten erreicht sie max. 50%, meist deutlich darunter. Wie soll das Wasser da rein gekommen sein? Bin gerade total ratlos...zumal die Korrosion ja dafür spricht, dass das schon länger so gewesen sein muss...

  • Wie die Feuchtigkeit im Einzelfall unter die Vergussmasse geraten ist, kann ich ohne Kenntnis der Örtlichkeit natürlich nicht beurteilen. Aber wenn ich Grünspan sehe, dann ist ein Feuchtigkeitszutritt ja zumindest zu vermuten. Es kann auch an säurehaltiger Luft liegen, aber da wäre ich erst recht nicht in der Lage, der Hergang genau zu erklären. Auf jeden Fall ärgerlich, wenn so gründlich vergossene Elektroniken dann u.U. sogar WEGEN des Vergusses erst Schaden nehmen, denn wenn erst mal "korrosiv wirkende Substanzen" unter die Vergussmasse geraten sind, verschwinden die nie wieder.


    Das Problem ist schon länger bekannt und einige ehemalige Verwender von Daly-BMS sind inzwischen auch entnervt zu (deutlich preisgünstigeren) offenen BMS gewechselt. Bei offenen JK-BMS habe ich z.B. gute Erfahrungen damit gemacht, die Leiterplatte zuerst sorgfältig zu entfetten und danach beidseitig mehrschichtig mit hochwertigem Sprühdosen-Schutzlack zu versiegeln. Danach sind sie zumindest an Land durchaus länger gegen hohe Luftfeuchtigkeit resistent. Vergossene BMS kann man so aber leider nicht nachbehandeln, außer man macht sich die Mühe, sie komplett zu zerlegen und die Vergussmasse zu entfernen. Dabei ist das Beschädigungsrisiko aber erheblich, weshalb ich eher nicht dazu rate.


    Grüße, Tom


    Btw: Vor ein paar Jahren hatte ich mal den Fall, wo ein ausgefallener Wechselrichter erhebliche Korrosionsspuren an der Leiterplatte aufwies, die dann zum Ausfall geführt haben. Der Eigentümer schwor Stein und Bein, dass da wo das Gerät stünde, nie und nimmer Wasser an das Gerät kommen konnte und der Hergang deshalb vollkommen mysteriös war. Ich hatte den Schaden seinerzeit auf Kulanz selbst gerichtet.


    Neulich hatte ich anderweitig mal wieder Kontakt zu dem Kunden und er erzählte beiläufig, zwischenzeitlich herausgefunden zu haben, wie das Wasser wohl in den Wechselrichter geraten sei: Mieter des Bauwerks, in dem der Wechselrichter montiert ist, hätten hin und wieder mal einen Wasserkocher oben drauf gestellt... :rolleyes:


    Das ist schlicht der ganz alltägliche Wahnsinn im Leben eines Händlers für DIY-Elektronik. :D

  • Wie die Feuchtigkeit im Einzelfall unter die Vergussmasse geraten ist, kann ich ohne Kenntnis der Örtlichkeit natürlich nicht beurteilen. Aber wenn ich Grünspan sehe, dann ist ein Feuchtigkeitszutritt ja zumindest zu vermuten. Es kann auch an säurehaltiger Luft liegen, aber da wäre ich erst recht nicht in der Lage, der Hergang genau zu erklären.

    Das ist ja das Verrückte - säurehaltige Luft ist komplett auszuschließen, und wie gesagt, die Luftfeuchte wird überwacht. Zumal das BMS ja noch keine 10 Monate alt ist, Rechnungsdatum ist der 28.8.25... und nein, ein Wasserkocher hat auch niemals drauf gestanden ^^ das Teil wurde direkt nach Erhalt verbaut und hat seitdem ohne Probleme seinen Dienst verrichtet.


    Ähnliche Stories, wie Du sie beschreibst, sind mir auch bekannt - bin selbst gelernter Elektrotechniker, Fachrichtung Mikroprozessor-Technik. Ist allerdings schon lange her, zu meiner Zeit war die MOSFET-Technologie noch gar nicht erfunden. Leider mittlerweile aus dem Beruf raus und in die IT gewechselt. Aber das Grundwissen ist natürlich geblieben, und erst recht das Wissen, dass sich Wasser und Elektronik nicht vertragen ;)


    Allerdings würde ich natürlich niemals Deine Kompetenzen in Frage stellen, bloß nicht falsch verstehen. Im Gegenteil, Dein fachmännisches Wissen hat sich z.B. gerade in Wohnmobil-Kreisen schon richtig rumgesprochen.


    Bin gespannt, was Daly dazu sagt. Sollte es zu einer Ablehnung kommen, wäre ich allerdings tatsächlich dazu geneigt, einen anderen BMS-Hersteller zu wählen. Denn so ein Defekt darf in einem normalen Milieu nicht auftreten, das ist schlichtweg Murks.

  • So, die Nachricht von Daly ist eingetroffen:

    Daly ist also bereit, den Schaden zu ersetzen und ich schicke Dir deshalb ein neues BMS.

    Ich habe meinem Kontakt bei Daly noch ausführlich geschildert, dass diese durchaus öfter auftretenden und dann (nicht nur) bei mir als Reklamationen auflaufenden Wasserschäden insgesamt erhebliche finanzielle Schäden verursachen, die deutlich über die Kosten von ein paar BMS hinausgehen und deshalb angeregt, auf diese - aus meiner Sicht - unsinnige Werbung mit der Wasserdichtheit zu verzichten, oder eben die BMS so herzustellen, dass sie zumindest die deutsche zweijährige Garantiezeit überstehen. So langsam steht's mir nämlich bis zum Rand mit diesem Mist. Besonders wenn die Vergussmasse auch noch anlasslos, einfach so mit den Jahren, wie Butterkeks zerbröselt.


    Bild 1: Nach Entfernen der BMS-Kühlkörper sieht die Vergussmasse nicht selten so aus. Wasserschutz = Null


    Grüße, Tom


    Edit: Werbung von der Daly-Webseite:


  • Wenn der Schaden immer an der selben Stelle auftritt, könnte ich mir auch einen Herstellungsfehler vorstellen: dass die Reinigung der bestückten Platine nicht oder nicht korrekt durchgeführt wurde, bevor sie vergossen wurde und Rückstände insbesondere aus dem Lötprozess eingeschlossen wurden die mit der Zeit aggressiv reagieren. Dazu reicht ggf. bloße Luftfeuchtigkeit die eindringen kann, wo die Vergussmasse wegen der Rückstände keine Verbindung zur Platine hat.

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