Welche Ladespannung besser für AGM

  • Hallo,


    ich tüftele immer noch mit der 2. Batterie für meinen VW Amarok rum.

    Leider besitzt der Wagen eine dieser unsäglichen intelligenten Lichtmaschinen und Batteriemanagementsystem….

    Dieses tut auch wofür es gemacht wurde, beim Fahren Spannung von 13,8 V, geht dann nach einiger Zeit bis auf 12,9 V runter, beim Rollenlassen oder Bremsen geht die Spannung auf 14,6 V hoch.

    Aktuell ist die 2. Batterie noch nicht verbaut. Starterbatterie ist eine Varta AGM 92Ah, 4 Jahre alt. Habe letztens mal einen Batterietest in der Werkstatt machen lassen, dieser hat ergeben Ladung: 73% Zustand: 88%. (Keine Ahnung wie aussagekräftig diese Tests sind?….) Ich befürchte die 73% Ladung sind dem BMS ausreichend.


    Nun habe ich in einem Forum gelesen, dass man den Stecker vom BMS-Sensor am Batterieminuspol abziehen kann und dann schöne 14,6 V dauerhaft anstehen.


    Nunja das habe ich einfach mal getestet, Ergebis: Erstmal keine Fehlermeldung oder Kontrolllampe. Spannungsverhältnisse jedoch nicht wie erwartet: Dauerhaft jetzt 13,7V, auch nach längerer Fahrtstrecke wenn davor mit Stecker schon auf 13 V runter gegangen. Beim Rollen oder Bremsen jetzt aber kein Anstieg auf 14,6 V mehr. Also durchgehend 13,7 V.


    Jetzt meine Amateurfragen:


    - Wie wird Starterbatterie voller geladen? Dauerhaft 13,7 V oder 12,9 V und zwischendurch immer mal wieder kurz 14,6 V ?


    - Wie wird die Zweitbatterie voller geladen?

    Dauerhaft 13,7 V oder 12,9 V und zwischendurch immer mal wieder kurz 14,6 V ? Hier würde ich ja vermuten Variante 1 da wenn BMS meint Starterbatterie ist mit ihren 73% genügend voll und auf 12,9 V runterregelt, mit dieser Spannung die Zweitbatterie ja nicht mehr geladen werden kann oder?


    - Kann ich mit den 13,7 V die Batterien überhaupt in einem realistischen Fahr-Zeitraum in der Praxis einigermaßen voll laden?


    Zweitbatterie würde auch eine AGM mit 95AH werden…


    LG Lennart ( der einfach nur seine Kompressorkühlbox mal zwei Tage betreiben möchte ohne zwischenzeitliche Ladung der Batterien… ;()

  • Moin, ich kenne den Amarok nicht, aber beim Ranger lässt sich das BMS auf eine 2.Batterie konfigurieren und lädt dann beide mit Ziel 100%.

    Standard ist Ziel 75% mit ähnlichem Verhalten wie von Dir oben beschrieben.

    Vielleicht hilft Dir der freundliche VAG-Mann mit einer Auskunft weiter.

  • Guten Morgen,


    erstmal vielen Dank für deinen Hinweis!

    Habe gerade mit zwei Vertragswerkstätten telefoniert, beide sagten dass ich dafür einen Ladebooster einbauen muss…. :rolleyes:

    Man könnte das nicht programmieren, dass die LiMa einfach vernünftig lädt. Da scheint Ford es einem deutlich leichter zu machen!

    Ladebooster sprengt aktuell den finanziellen und zeitlichen Rahmen für den Urlaub.

    Von daher muss ich jetzt das Bestmögliche draus machen.

    Somit wäre es super eine Expertenmeinung zu den beiden Varianten s.o. zu hören.

    :)


    LG Lennart

  • Moin, vielleicht fragst Du mal im Amarokforum oder bei pickuptrucks.de nach.

    Da tummeln sich bestimmt Leute, die sich mit den Besonderheiten des Amarock bzgl. der Elektrik auskennen.

    Ich kann da leider nicht weiterhelfen.

    Gruß Bernd

  • Moin,

    jo bin ich schon aktiv, vermutlich ist es nicht so einfach zu lösen wie ich gehofft hatte….


    Dennoch jetzt erstmal vorübergehend: Was meinen die Akku-Experten, wie werden die Batterien voller? Die Variante 13,7V dauerhaft oder 12,9V die meiste Zeit und im Schubbetrieb mal 14,7V ?


    Ich weiß dass es so nicht optimal ist, aber die Möglichkeiten bestehen aktuell…. :wacko:


    Danke euch!


    LG Lennart

  • Die Frage kann ich leicht beantworten. Naja, etwas ausholen muss ich schon. Also ist mal wieder meine gute alte Bleiakku-Ladepredigt fällig...


    Entgegen weit verbreiteter Aussagen, haben die unterschiedlichen Bleibatterietypen auf Bleibasis wie

    • Starter- oder Solarbatterien mit flüssigem Elektrolyten
    • AGM-Batterien ("Absorbed Glass Mat" = mit in Glasvlies aufgesogenem Elektrolyten)
    • Gel-Batterien (mit durch Kieselgur eingedicktem Elektrolyten)
    • Rundzellen (= AGM-Zellen in Zylinderform)

    gar keinen unterschiedlichen Bedarf an Ladespannungen!


    Wie jetzt? Was erzählt der Onkel da für einen Mupps?? Wo doch jedes Ladegerät entsprechende Umschaltmöglichkeiten für Batterien mit flüssigen Elektrolyten, für AGM- und für Gel-Batterien bietet!


    Es stimmt trotzdem: Ob der Elektrolyt nun flüssig vorliegt, flüssig, aber im Glasvlies aufgesogen, oder flüssig, aber mit Kieselgur eingedickt - alle drei Grundtypen sind dennoch Bleibatterien, weshalb für sie auch alle weitgehend dieselben Ladeansprüche gelten. Zwar gibt es - ganz vereinzelt - Sondertypen (z.B. auf Blei/Zinn-Basis oder mit deutlich veränderter Elektrolytkonzentration), aber wenn Bleilegierung und Elektrolytkonzentration wenigstens so einigermaßen der Norm entspricht, tut es die Ladespannung auch. Da kiekste wa... ? :P


    ABER!


    Alle Arten von Bleibatterien benötigen zuweilen unterschiedliche Ladespannungen bei unterschiedlichen Verwendungsarten.


    Da gibt es z.B. Bleibatterien, die immer im Wechsel voll aufgeladen und dann wieder weit entladen werden. Diese Art der Verwendung nennt sich "zyklisch". Bei zyklischer Verwendung neigen Bleibatterien schnell zur Sulfatierung (Sulfatierung erkläre ich an dieser Stelle nicht, das würde zu weit führen). Um der Sulfatierung entgegen zu wirken, benötigt man zwingend eine Ladespannung im oberen Bereich des zulässigen Spannungsbereichs. Meist zwischen 14,5 und 15V für ssechszellige 12V-Batterien.


    Andererseits gibt es Batterien, die müssen fast gar nichts tun, sondern einfach nur auf den nächsten Stromausfall warten und dann einspringen, z.B. Batterien für Alarmanlagen oder für USVs. Diese Batterien vertragen aufgrund der langanhaltenden Dauer-Erhaltensladung nur eine sehr geringe Ladespannung am unteren Ende des erlaubten Ladespannungsbereichs. Meist zwischen 13,4 und 13,6V für sechszellige 12V-Batterien. Andernfalls käme es bei diesen Batterien sehr schnell zur Gitterkorrosion (auch hier würde die Erklärung von Gitterkorrosion zu weit führen).


    Die meisten Batterien werden mal so und mal so verwendet, da ist es dann nicht ohne weiteres möglich, einen optimierten Ladespannungsbereich auszuwählen und deshalb verwendet man hier einen Kompromiss aus den beiden genannten Bereichen, z.B. zwischen 13,7 und 14,5V.


    Für die Batterie in Deinem Fahrzeug gilt, dass sie wegen des im Fahrzeug enthaltenen BMS eine Art von Rekuperation ermöglichen soll. Beim Bremsen wird die Lichtmaschine auf maximale Leitung hochgejagt und die Batterie muss den Strom dann schlucken wie er kommt. Das ist natürlich für ihre Lebensdauer totaler Mist und kann auch nur dann einigermaßen funktionieren, wenn sie nicht voll geladen ist! Hier muss man also, obwohl es für Bleibatterien gar nicht gesund ist, die Batterie dauerhaft unter 100% Ladezustand halten. Logisch, dass diese dann im Betrieb schnell den dauerhaft ungeladenen Teil ihrer Aktivmaterialien sulfatiert. Um bei Bleibatterien, die ja nicht schnellladefähig sind, aber überhaupt eine möglichst hohe Ladestromannahme zu ermöglichen, kommt man nicht darum herum, zugleich eine möglichst hohe Ladespannung anzuwenden! Da wird dann also mit 14,7 bis über 15V "starkgeladen".


    Und jetzt kommst Du und fragst, bei welcher Spannung eine Bleibatterien voller wird. Und meine Antwort lautet:


    Am vollsten wird eine Bleibatterie, wenn man ihr bei mittlerer Ladespannung (13,8 bis 14,4) möglichst lange Zeit zur Aufladung gibt. Denn Bleibatteriezellen arbeiten prinzipbedingt viel mit Osmose. Und um osmotische Konzentrationsgefälle zwischen Elektroden und Elektrolyt auszugleichen braucht es Zeit.


    Womit man allerdings beim nächsten Problem angekommen ist, denn: Heute verwenden wir zumeist automatisch abschaltende Ladegeräte, die (aus Haftungsgründen) eine chronische Sucht zur verfrühten Abschaltung haben. Was soll der Batteriefreak da machen, wenn das Ladegerät ihm "Voll" signalisiert und die Ladung beendet, obwohl die (zumeist ansulfatierte) Batterie vielleicht noch viel mehr Ladung hätte aufnehmen können?


    Grüße, Tom

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!