Wie hoch darf die Ladespannung bei 95 Ah AGM PKW Batterie bei richtigem nachladen sein bzw. was ist optimal ?

  • Hallo liebe Gemeinde :)

    Hoffe ihr seit alle gesund und es geht Euch gut.

    Habe eine Frage zum richtigen nachladen unserer AGM 95 AH im PKW. Ein Datum des Alters konnte ich nicht wirklich finden.
    Sie zeigt morgens zwischen 12,2 und 12,4 Volt im angeschlossen Zustand an. Bei Zündung geht sie dann auch kurz auf 12.0.
    Startet aber schnell und ohne Murren.

    Habe sie trotzdem ausgebaut und ans kleine elektronisch gesteuerte Ladegerät angeklemmt, auch für AGM geeignet.
    Erstmal für 12 Std. mit 1 Ampere geladen. Dann wieder ca. 24 Std. stehen lassen und dann mit 3,8 Amperer laden lassen.
    Bei normal 3,8 ist sie dann irgendwann wieder von ca. 14,8V, in Erhaltungsladung 12,1 gelandet.

    Dann habe ich sie mal zum testen auf Wintermodus gestellt.
    Da ist sie bis 15,2- 15,3 V gegangen und nicht mehr runter in die EHL gegangen.
    Dan habe ich bsie wieder abgestellt.

    (Dank Eurer Hilfe habe ich damals meine alte 100 AH Varta Säure Batterie, mit einem alten starken Absaar Batterie Ladegerät mit ca. 8 Ampere Ladesprom, wieder in einen guten Leistungsbereich erweckt Danke Euch :) )

    Habe gelesen man sollte 14,8 V Ladestrom nicht übersteigen.

    Was ist gut, ideal, oder falsch für die AGM ???

    Vielen dank und Euch einen schönen Abend :)

  • Hallo,


    als erstes: Es gibt keine feste optimale Ladespannung für Bleiakkus, ganz gleich, um was für einen Bleiakku es sich auch immer handeln mag. Ja, ich weiß, alle Welt sagt etwas anderes. Auch alle Anleitungen von Ladegeräten sagen etwas anderes. Besonders verbreitet ist die Ansicht, dass AGM-(Blei)Akkus eine andere Ladespannung bräuchten als alle anderen Bleiakkus, meist wird eine höhere angegeben.


    :!:  Das ist jedoch falsch! :!:<- (Klick)


    Klingt ziemlich arrogant. Ja, ich weiß. Aber wie schon Luther 1521 sagte: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders."


    Wer dem Link gefolgt ist, hat gelernt, warum es keine feste optimale Ladespannung für Bleiakkus geben kann: Auf der Seite einer niedrigen Ladespannung droht Sulfatierung, die man nicht haben will. Auf der anderen Seite, nämlich der einer hohen Ladespannung, droht Gitterkorrosion und Elektrolytverlust, beides will man auch nicht haben. Also müsste die optimale Ladespannung doch logischerweise in der Mitte zwischen beiden Extremen liegen. Im Prinzip wäre das so, wenn da nicht die Betriebsbedingungen des Akkus wären, welche von sich aus gewisse Bedürfnisse des Bleiakkus erzeugen, die je nach Art dieser Betriebsbedingungen eben eher in die eine oder in die andere Richtung gehen und so manchmal höhere und manchmal niedrigere Ladespannungen erforderlich machen.


    Herrjeh, warum muss denn alles immer so kompliziert sein? -|-


    Muss es aber gar nicht: Denn wer es einfach haben will, der bietet seinen (AGM-) Bleiakkus einfach eine mittlere Ladespannung als Kompromiss an: 2,35V pro Zelle (bei sechszelligen Bleibatterien mit 12V Nennspannung also 14,1V) sind ein durchaus brauchbarer Ladespannungswert, bei dem bei durchschnittlichen Betriebsbedingungen kein Bleiakku schnell kaputtgehen wird. Was übrigens für alle Bleiakkus gilt, egal ob nun mit flüssiger Säure, mit in Glasvlies gebundener Säure (AGM), oder mit durch Gel gebundener Säure. Das liegt daran, weil alle Bleiakkus unteren weitestgehend denselben Problemen leiden: Sulfatierung auf der einen und Gitterkorrosion auf der anderen Seite.


    Aber hier wurde ja nach der optimalen Ladespannung gefragt!


    Also ist es notwendig, sich zunächst über die Betriebsbedingungen des Bleiakkus klar zu werden, dessen optimale Ladespannung man ermitteln möchte. Dazu kurz eine Erklärung der beiden unerwünschten Vorgänge Sulfatierung und Gitterkorrosion:


    Sulfatierung:


    Unter Sulfatierung versteht man die Bildung übergroßer Bleisulfat-Kristalle, die ein ungünstiges Verhältnis zwischen Volumen und Oberfläche aufweisen und daher elektrochemisch erheblich weniger reaktiv sind als feine Kristalle geringer Abmessungen. In fortgeschrittenem Stadium verlieren übergroße Bleisulfatkristalle ihre Ladungsfähigkeit nahezu vollständig, so dass sie nur noch mit sehr stark überhöhter Spannung aufladbar sind.


    Gezüchteter Riesen-Kaliumaluminiumsulfatkristall (<- Klick)


    Sulfatierung benötigt Zeit. Aber Zeit zum Wachsen haben die feinen Sulfatkristalle in einem Bleiakku mehr als genug, wenn sie nach einer Entladung nicht immer wieder in kurzen Zeitabständen durch Aufladung in ihre Ausgangsstoffe Blei und Schwefel zurückverwandelt werden. Aus diesem Grunde ist es wichtig, Bleiakkus möglichst ständig voll(!) geladen zu halten, denn nur wenn kein Bleisulfat enthalten ist, kann sich auch keine Sulfatierung entwickeln.


    Wenn Bleiakkus vorwiegend zyklisch benutzt werden, also wenn tiefe Entlade/Ladezyklen gefahren werden (Elektrofahrzeug, Wohnmobil, Solarbatterien...), steigt die Neigung zur Sulfatierung stark an, der mit einer möglichst hohen Ladespannung entgegengewirkt werden soll (2,45 - 2,6V pro Zelle, also 14,7 - 15,6V bei einer 12V-Batterie).


    Gitterkorrosion


    Korrosion ist allgemein bekannt als zerstörerischer Vorgang bei Metallen. Auch beim Bleiakkus finden innerliche Korrosionsvorgänge statt und zwar um so stärker, je höhere Spannungen an der positiven Gitterplatte herrschen.


    Korrosionsfolgen an einem positiven Bleiableitgitter


    Die Pastierung aus Bleidioxid verliert den elektrischen Kontakt zum Gitter und fällt ab einem gewissen Stadium sogar aus diesem heraus. Auch können sich tote Bereiche innerhalb solcher Gitterplatten bilden, wenn die Haupt-Stromableiter durch Korrosion unterbrochen werden und elektrisch nicht mehr verbundene "Inseln" entstehen.


    Wenn Bleiakkus also langanhaltend geladen werden (Erhaltensladung), kommt es bevorzugt zu Gitterkorrosion. Deshalb muss die Ladespannung bei langanhaltender Ladung stark vermindert werden, um diesem unerwünschten Effekt entgegen zu wirken. Man lädt unter solchen Bedingungen mit nur 2,25V pro Zelle, bzw. 13,5V bei einer sechszelligen 12V-Batterie. Auch das gilt für sämtliche Bleiakkus, egal ob mit flüssigem, mit in Glasvlies (AGM) , oder mit Gel gebundenem Elektrolyten gleichermaßen.


    Fazit:


    Eine optimale, besonders für für AGM-Batterien geeignete Ladespannung gibt es nicht! Stets müssen die Betriebsbedingungen berücksichtigt werden, aber dann gilt das geschriebene für sämtliche Bleiakkus gleichermaßen.


    Hierdurch werden die in der Ladespannung umschaltbaren Ladegeräte zum Glück nicht komplett sinnlos, denn man kann die verschiedenen Modi Wet/AGM/Gel/Calcium durchaus sinnvoll verwenden, wenn man sich vorher über die Betriebsbedingungen des zu ladenden Akkus klar geworden ist:


    • Die Elektrolyt-Technologie (Wet/AGM/Gel) spielt bei der Ladespannung keine Rolle.
    • Stark zyklisch beanspruchte Akkus benötigen eine hohe Ladespannung (> 14,6V), um Sulfatierung zurückzuführen.
    • Nur gering oder gar nicht zyklisch beanspruchte Akkus, die lange und oft am Lader hängen, benötigen eine niedrige Ladespannung (< 13,9V) um Gitterkorrosion zu vermeiden.
    • Im Mischbereich zwischen den genannten Extremen, oder wenn die Betriebsbedingungen ständig wechseln, fährt man einen Kompromiss mit einer mittleren Ladespannung (14 - 14,5V).

    Grüße, Tom

  • Hallo Tom

    Vielen Dank für Deine schnelle und sehr detailierte Antwort.

    Ich dachte eine AGM wäre was ganz anderes.
    okay, dann weiss ich erstmal bescheid.

    Ich melde mich später nochmal detailierter.

    LG immer wieder aus NRW

  • 13,5 Volt Erhaltungsladespannung finde ich immer noch etwas zu viel des Guten, nach meinen langjährigen Erfahrungen reichen 13,4 Volt völlig, für 6 zellige Bleiakkus! Dabei fließen noch mehreren Tagen in der Garage, durchschnittlich 0,7 Promille der Nennkapazität, als Ladestrom.



    Die natürliche Selbstentladung an einigermaßen intakten Starterbatterien, liegt auch bei höheren Umgebungstemperaturen, noch deutlich unter diesem Wert.

  • Wichtig ist, dass man den Zusammenhang zwischen Sulfatierung einerseits und Gitterkorrosion andererseits versteht: Man könnte mit der Spannung natürlich noch tiefer gehen, um Korrosion immer weiter zu vermindern, nur beginnt eben irgendwann wieder der Sulfatierungsbereich, wenn Bereiche der positiven Platten nicht mehr dauerhaft voll geladen bleiben.



    Zwischen den beiden Bereichen befindet sich ein schmaler Streifen: Der optimale Bereich. Den will man treffen, um von den negativen Effekten jeweils nur ein Minimum zu berühren. Leider ist der optimale Bereich nicht 100%ig genau festzulegen, da er stark von der Elektrolytkonzentration, Verteilung der Elektrolytkonzentration (Säureschichtung), Temperatur und noch ein paar weiteren Besonderheiten des jeweiligen Akkus abhängt, die man kaum je genau kennen und mit in die Überlegung einbeziehen kann.


    Weshalb man es in der Praxis bei der Kenntnis dieser Zusammenhänge belässt und so ungefähr Dreizehneinhalb Volt einstellt. ;)


    Grüße, Tom

  • Hallo, habe mich hier mal angemeldet, da der Tom die Problematik Starterbatterie, die es seit der Einführung der neuen Blei-Calzium-Batterie gibt, recht gut erkannt hat, was selten zu finden ist.


    Die Ladespannung für eine AGM-Batterie darf 14,8 V nicht überschreiten. Die Ladezeit ist unbegrenzt. Zu dieser Problematik habe ich mal eine Grafik erstellt: http://wiki.w311.info/images/3…rbatterien_Ladegrafik.jpg

    Rainer.

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