Ultimatron vs. Liontron: Wo liegen die Unterschiede?

  • Hallo Tom,


    darf ich Dich mit einer Frage belästigen?


    Ich hielt Ultimatron beim ersten Kontakt für eine Liontron in Blau. Dem ist aber bei genauerer Betrachtung offensichtlich nicht so.


    Was die Elektrik und Elektronik angeht bin ich da leider nicht so fit wie Du. Deshalb bin ich einfach mal so unverschämt direkt zu fragen.


    Wo liegen den die gravierenden Unterschiede bei den beiden Marken?


    Garantie: 3 Jahre zu 5 Jahre (Liontron)

    Ultimatron nur von 100Ah aufwärts lieferbar

    Liontron ist als „Arctic“-version lieferbar

    Hast Du schon Erfahrungen mit dem Service durch den Hersteller Ultimatron?

    Bei Liontron 100Ah hatte ich das schon mal dass sich das BMS „aufgehängt“ hatte und der Akku keine Ladung mehr annahm. Das scheint sich aber nach einiger Zeit ohne Last/Ladung resettet zu haben.

    Liontron konnte nichts feststellen und jetzt funzt er auch wieder normal.


    Bei Liontron könnte man das BMS z.B. auch einzeln austauschen. Geht das bei den Franzosen auch?


    Ich würde aus Gewichtsgründen gerne die AGM unserer Ami-Wohnkabinen gegen Lithium tauschen. Wobei mit 100Ah Lithium schon „mit Kanonen auf Spatzen“ schießen ist.


    Vielleicht hast Du ein paar kurze Antworten für mich die Deine Zeit nicht zu sehr stehlen.


    Mit freundlichen Grüßen / With kind regards


    Manfred K.

  • Hallo,


    der Eindruck der Baugleichheit hat sich vermutlich wegen der frappierenden Ähnlichkeit der Bilder eingestellt. Die technischen Unterschiede sind aber in der Tat nur gering: Beide nutzen sehr ähnliche LiFePO4-Rundzellen (ggf. sogar gleiche?), die allerdings verschiedenen angeordnet sind. Auch die BMS sind unterschiedlich, leisten aber das gleiche. Ich gehe davon aus, dass der bei weitem größte Unterschied im Preis liegt.


    Ultimatron-LiFePO4-Batterie


    Liontron LiFePO4-Batterie


    Die Garantiezeiten sind ab Hersteller in der Tat unterschiedlich lang, aber man sollte die Garantie als das sehen, was sie ist, nämlich eine freiwillig ausgesprochene Bereitschaft des Herstellers, für bei Lieferung bereits vorliegende Qualitätsmängel auch dann noch zu haften, wenn sich - innerhalb der Garantiefrist - daraus echte Funktionsstörungen entwickeln. Insofern unterscheiden sich die Garantiebedingungen zwischen Liontron und Ultimatron nur sehr unwesentlich. Die häufig bei Konsumenten vorherrschende Meinung, dass eine "Garantie" für alle Defekte in gleicher Weise aufkommt, ist ohnehin nicht zu halten. Denn in der Praxis schauen alle Garantiegeber natürlich sehr genau, was ihren Produkten denn "zugestoßen" ist, weshalb es zum Defekt kam und weisen unberechtigte Ansprüche, meist wegen Falschbehandlung der Batterie durch den Kunden, ab. Schließlich zahlt niemand ohne Not für Schäden, die er nicht zu verantworten hat. Von daher erwarte ich auch nicht, dass die Hersteller ausgerechnet bei diesen teuren Batterien nun damit anfangen würden.


    Garantiebedingungen Ultimatron


    Garantiebedingungen Liontron


    Nur am Rande sei erwähnt, dass ich für alle bei mir gekauften Ultimatron-Batterien eine ebenso lange Garantie biete wie für Liontron-Batterien, nämlich volle fünf Jahre! Einfach deshalb, weil die Ultimatron-Batterien technisch in einigen Bereichen besser aufgebaut sind, als die Liontrons, auch wenn die Liontrons rein optisch einen deutlich aufgeräumteren Eindruck machen. Nur heißt "optisch aufgeräumter" eben nicht unbedingt auch technisch besser. Weshalb Liontron nur meine zweite Wahl ist.*


    Die Liontron-Arctic ist zwar eine interessante Idee, wird m.E. aber überbewertet. Denn LiFePO4-Batterie gehen nun mal generell schnell kaputt, wenn sie kalt mit zu hohem Strom geladen werden. Die Liontron Arctic-Version heizt dementsprechend zuerst bei verfügbarem Ladestrom die Zellen bis auf 4°C auf und schaltet erst dann den Ladestrom auf die Zellen. Aber natürlich gleich den vollen Ladestrom, denn das BMS kann den Ladestrom nur ein- und ausschalten, aber leider nicht herunterregeln. Was auch genau das Problem ist, denn 4°C kalte LiFePO4-Zellen vertragen zwar schon zarte Ladeströme im Bereich deutlich kleiner als 0,1C, aber keinesfalls die normalen Ladeströme zwischen 0,5C und 1C. Nur die Kunden wissen das natürlich nicht, fühlen sich mit den Arctics auch bei Kälte sicher, geben Gas und kümmern sich nicht weiter darum. Aber da ahne ich doch jetzt schon was passieren wird! Ich glaube jedenfalls nicht, das Liontron die ganzen auf diese Weise frühzeitig geschädigten Batterien freundlicherweise kostenlos austauschen wird. Denn dafür sind die Ersatzzellen dann doch deutlich zu teuer und das Servicehandling kommt ja auch noch dazu. Aber warten wir ab, wie es sich entwickelt, denn in Zeiten des Internets spricht sich kundenfreundliches Verhalten ebenso herum wie kundenunfreundliches. Die Serviceleistungen beider Hersteller kann ich mangels tatsächlich über mich abgewickelter Reklamationen bisher jedoch nicht beurteilen.


    Einzelne Teile auszutauschen geht wegen des bei den Ultimatron-Batterien nicht zu öffnenden Gehäuses natürlich nicht, außer man fräst den Deckel auf. Aber ich halte das für keinen echten Nachteil: Die Zellen halten bei pfleglicher Behandlung sicher 10 Jahre und länger und auch die BMS sind nicht störanfällig. Und wenn wirklich mal Zellen platt sind, wird der Austausch eines defekten Zellensatzes sicherlich auch nicht nennenswert billiger als eine neue Batterie, denn ich glaube nicht, dass es sinnvoll wäre, einzelne Zellen auszutauschen. Wenn muss wohl immer der komplette Satz erneuert werden und das ist bei jeder Batterie aufgrund der hohen Kosten ein wirtschaftlicher Totalschaden.


    Ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen.


    Grüße, Tom


    * Es kamen Nachfragen, weshalb ich glaube, dass die Liontron-Batterien technisch nicht mit den Ultimatrons schritthalten können, obwohl sie offensichtlich sehr sauber verarbeitet sind, das Gehäuse leicht zu öffnen und die verschraubten Zellen leicht zu wechseln sind. Dazu nur in Kürze: Die Deckverschraubung der Liontrons ist prima, die würde ich mir bei den Ultimatrons auch wünschen. Die 5 bis 10,- Euro mehr die das bei der Herstellung kostet, machen den Kohl nicht fett. Allerdings sind schon die "schönen" Kupferstreifen, die bei den Liontrons Akkus und BMS mit den Batterieanschlüssen verbinden Mist. Die "hässlichen" Kabel der Ultimatrons kommen einer guten Lastsymmetrie bei hohen Strömen ungleich besser zugute, als die einfachen Kupferstreifen, welche zwangsläufig starke Asymmetrien zur Folge haben: Die näher an Batterieanschlüssen bzw. Akkuanschlüssen liegenden BMS-Transistoren werden erheblich stärker belastet, als die weiter weg liegenden. Gleiches gilt für die Zellenstränge. Hierfür jeweils vier einzelne Kabel zu verwenden, die alle einzeln abgelängt, abisoliert, verzinnt, verpresst, verlötet und verlegt werden wollen, ist in der Herstellung auch merklich teurer als ein einzelnes Kupferstanzteil. Zugegeben: Letzteres sieht wirklich besser aus. Aber für die Lebensdauer der Batterie und damit letztlich für die Anwender ist es die technisch schlechtere Lösung.

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