Bleibatterie mit Inverter Schweißgerät reparieren.

  • Zunächst einmal möchte ich zum Ausdruck bringen das ich gestern auf dieses Forum gestoßen bin und seitdem freudig lese. Hier in Wilhelmshaven an der Nordsee ist es seit 1 1/2 Jahren mein semiprofessionelles Hobby, Bleiakkus zu reparieren. Ich kenne und entwickelte verschiedene Möglichkeiten der Reparatur. Kommen wir also zum Thema Schweißgerät.


    Als " letzte " Möglichkeit vor der Entsorgung einer Autobatterie benutze ich mein Gleichstrom Inverter Schweißgerät. Ihr kennt folgende Situation bestimmt: Zu hohe Spannung und Strom lassen die Zellen zum blubbern / kochen. Hierbei entdeckte ich immer wieder das gelegentlich eine Zelle tot bleibt. Mit meinen Schweißgerät schaffe ich es jedoch auch totgeglaubte Zellen wieder zum leben zu erwecken. Die Prozedur ist folgende: Stopfen raus. Inverter auf niedrigster Stufe. 1 - 4 Minuten. Pause von 10 Minuten und das 5 mal. Ich erhöhe Strom und Spannung so lange bis auch die totgeglaubte Zelle wieder blubbert. Thema eröffnet. Was denkt ihr darüber ?

  • Hallo,


    meiner persönlichen Erfahrung nach lassen sich Akkuzellen im allgemeinen kaum noch reparieren, wenn sie erst mal mit der Spannung ganz unten angekommen sind. Zwar kriegt man es durchaus mit List und Tücke wieder hin, dass ihnen wieder so etwas wie Leben eingehaucht werden kann, nur ist das meist nicht von langer Dauer. Bei Bleiakkuzellen, die eine Spannung nahe Null aufweisen und zugleich an einer stark erhöhten Selbstentladerate leiden, wird sich an dem Kurzschluss bzw. an der erhöhten Selbstentladerate vermutlich auch durch gewaltsames hochprüpgeln der Zellenspannung kaum mehr etwas zu guten wenden. Durchaus interessant damit zu experimentieren, aber in der Praxis fast immer ohne nachhaltige Wirkung. Dafür hat man nicht selten handtellergroße Löcher in Hemd und Hose durch verspritze Akkumulatorensäure... :P


    Nur meine 2ct...


    Grüße, Tom

  • Moin Tom. Ich habe auch schon: nur eine Zelle von 6 zum kochen gebracht indem ich Metallstäbe direkt in die Säure tauche und " angepasste " Spannung verwende. Die Frage meinerseits wäre: Was bewirkt es ? Wird dadurch desulfatiert ? Tiefentladene Autobatterien ohne Einzelzellfehler habe ich schon erfolgreich mit der harten Methode repariert ( sofern meine weichen Methoden ) nichts brachten. Mein Batterietester zeigt dann gesunde Werte. Langzeittest habe ich jedoch nicht gemacht. Kannst du auch zu meinen Fragezeichen was schreiben ?

  • Sulfatierung ist ja nichts anderes als übergroße Bleisulfatkristalle, bei denen das Verhältnis zwischen Volumen und Oberfläche so ungünstig geworden ist, dass sie durch normale Aufladung kaum noch in Blei, Bleidioxid und Schwefelsäure aufzulösen sind. Hierzu braucht es eine erheblich erhöhte Ladespannung und Zeit, innerhalb derer diese erhöhte Spannung auf das Bleisulfat einwirkt. Das mit der hohen Spannung kriegst Du sicherlich mit dem Schweißgerätetrafo hin, nur tritt dabei das Problem auf, dass die ganze Zelle sprichwörtlich ins rotieren kommt. Dabei tritt starke Gasung auf, leider auch innerhalb des Aktivmaterials (wodurch Bleischwamm und Bleidioxidstaub aus den Gittern gedrückt und dekontaktiert wird). Zugleich werden die bei alten sulfatierten Batterien meist stark angegriffenen Bleigitter noch zusätzlich durch den hohen Ladestrom gestresst, so dass dabei Teile der Gitter elektrisch unterbrochen und damit isoliert werden. Insgesamt werden die unerwünschten Nebenwirkungen so stark und schädigend, dass bei dieser hohen Spannung ein längerer Zeitraum zur Desulfatierung gar nicht zur Verfügung steht. Und nennenswert beschleunigen lässt sich der Desulfatierungsvorgang meiner ERfahrung nach leider nicht.


    Ganz allgemein gesprochen ist es bei toten Batterien einfach zu spät, um noch besondere lebensverlängernde Maßnahmen zu ergreifen. Das ist im technischen Bereich nicht viel anders als im medizinischen, wo man auch eher zu Lebzeiten mit der Therapie beginnen sollte. Wenn man Leichen vor sich hat, muss man schon über die Macht eines Frankensteins verfügen, will man sich ein Monster basteln. ;)


    Grüße, Tom

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