Neue Batterien auf Qualität prüfen

  • Hallo.


    Ich hatte eine neue Batterie (BSA AGM Batterie 100Ah 12V 900A/EN) geliefert bekommen und habe die mit dem Prüfgerät von Ancel BA301 gemessen. Auf der Batterie meinte ich erkennen zu können, dass die Batterie von Jan. 2022 war. Auf meine Nachfrage an den Lieferanten wo denn das Herstellungsdatum stehen würde, kam die Antwort, das kein Datum drauf wäre. Ist natürlich eine einfache Antwort, um aus der Situation einfach heraus zu kommen.

    Die Messung mit dem Prüfgerät ergab: Innenwiderstand: 3,8 Milliohm, aber der SOH-Wert lag nur bei 84%. Dieser SOH-Wert empfand ich für eine neue Batterie als nicht gut.

    Habe dann noch weiter im Internet gesucht und einen Bericht von einem Hersteller und einer der Batterien verkauft gefunden. Da wurde drauf hingewiesen, dass neue Batterien nur im Labor gemessen werden können. Welche Geräte im Labor verwenden werden müssen, wurde nicht drauf eingegangen.

    Und die Messung der Spannung zwischen 12,4 und 12,9 Volt ist auch kein sicherer Hinweis auf die Qualität der neuen Batterie.

    Meine Frage deshalb: Wie kann ich bei einer neu gelieferten Batterie die Qualität messen, damit ich einigermaßen sicher bin, dass die neue Batterie wieder lange ihren Dienst macht?


    Grüsse, Alfred

  • Alfred,

    mit einer Billigbatterie der Wortmarke BSA habe ich unerwartet positive Erfahrungen gemacht. Mein Sohn sieht in Starterbatterien allgemeine Verschleißprodukte und ihm ist es auch egal ob diese nur 2 Jahre oder auch länger halten. Unter anderem lässt er nicht selten über das Wochenende Parklicht oder auch andere Verbraucher eingeschaltet. Als wieder mal eine 12V 70Ah Starterbatterie von Banner völlig am Ende war empfahl ich ihm ein Billigprodukt zu erwerben, weil bei seinem Nutzer-Verhalten auch teure Markenbatterien nicht lange halten würden. Die Entscheidung fiel dann auf diesen Brocken mit dem kostengünstigsten Versand aus einem deutschen Online-Shop.


    bsa12v80ah-2021.jpg


    Im Zeitraum vom Einbau (Frühjahr 2021) bis zu einem unverschuldeten Frontalcrash mit einem Klein LKW im Oktober 2022 hatte er damit wieder mindestens eine völlige Tiefentladung, weil sein guter alter Audi über 10 Tage in der Nähe vom Flughafen mit eingeschaltetem Parklicht stand. Auf folgendem Bild sieht man die ausgebaute Starterbatterie (neben dem linken Hinterrad) nach ihrer letzten Reise am Audi 80, vom 18. Oktober 2022.


    https://www.laumat.at/medienbericht/29261/


    Weil im vorderen Bereich (vor allem Fahrerseitig) so gut wie alles zerstört war, rechnete ich mit mechanischen Plattenbrüchen oder Kurzschlüssen. Allerdings funktionierte diese "Billigsdorfer" Starterbatterie wieder ca. 2½ Jahre problemlos im alten Skoda Oktvia 1,9 TDI meiner Tochter, bis der Anlasser viel zu hohen Strom zog und deshalb zu langsam durchdrehte. Ich verdächtigte zuerst die 12V 80Ah BSA Starterbatterie welche in ihrem noch eher kurzem Leben von ca. 3 Jahren schon viel mitmachte, aber die machte messtechnisch noch einen unerwartet gesunden Eindruck.


    Die Entladung bis zu ca. 75% Entladetiefe führte ich mit einer elektronischen Last "KP184 von Kunkin" durch, dessen Speicherkapazität ich nach der Abschaltung nur händisch notierte. Die anschließende Ladung mit bis zu 8 Ampere Ladestrom lässt noch eine längere Restlebensdauer realistisch erscheinen.


    bsa_12v80ah-8a.png


    Anschließend habe ich noch mit 1 Ampere Ladestrom weitergeladen und der Energiespeicher nahm nochmal ca 10Ah an Ladung bis der S100neo Lader automatisch abschaltete. Nach dem Austausch vom Anlasser am 27 Jahre alter Oktavia, dreht der neue Nachbaustarter wieder munter durch und die 12V 80Ah BSA Starterbatterie erfreut sich guter Gesundheit!


    PS: Schlechte Starterbatterien habe ich anders in Erinnerung, aber dieses Exemplar von BSA gehört sicher nicht dazu!

  • Aus der Batteriespannung kannst du keine qualitativen Ableitungen vornehmen, denn auch eine hervorragende Batterie kann ja leer sein, aber trotzdem wunderbar - nachdem sie wieder aufgeladen wurde. :)


    Wenn es um eine qualitative Aussage geht, helfen nur die Messung des Innenwiderstandes und der Kapazität. Die Innenwiderstandsmessung ist leider nicht ganz einfach, weil die hierfür erforderlichen Geräte nicht sehr verbreitet sind und die Bewertung der damit erhaltenen Messwerte Erfahrung benötigt. Empfehlenswert erscheint mir eine Kapazitätsmessung wie im Posting von Ewald beschrieben. Wenn die 100Ah-Batterie nach vorheriger "randvoll"-Aufladung eine Kapazität von wenigstens 90Ah erbringt, kann man zufrieden sein. Starterbatterien auf Bleibasis (Flüssig/AGM/Gel/EFB arbeiten alle auf Bleibasis) schwanken je nach Herstellung und Sulfatierungszustand recht stark in der Kapazität, deshalb sollte man in der qualitativen Bewertung nicht zu streng sein.


    Bild: Messprotokoll einer 12V/100Ah-LFP-Batterie


    Grüße, Tom

  • Diese Art von Geräten wird meiner Meinung nach stark überbewertet. Was sie ganz gut können, ist, gebrauchte Batterien auf Knopfdruck hin darauf zu beurteilen, ob sie noch etwas taugen, oder nicht. Im Grunde machen sie nur eine Messung des Innenwiderstands. Diese Art der Messung ist aber eben nur sehr begrenzt aussagefähig. Wenn man das weiß und entsprechend berücksichtigt, kann man diese Geräte durchaus erfolgreich einsetzen. Aber zur Beurteilung ungebrauchter Batterien eignen sie sich eher nicht, denn dafür sind sie nicht konstruiert.


    Ich persönlich möchte immer wissen, wie viel elektrische Energie Batterien speichern können. Für mich ist das der entscheidende Punkt bei der qualitativen Beurteilung von Batterien. Für die Art von Batterien, mit denen ich hauptsächlich zu tun habe, ist das auch der zur Einschätzung der Qualität entscheidende Faktor. Bei Starterbatterien ist aber der Innenwiderstand, besonders bei Kälte, auch sehr wichtig. Zur Messung müsste man aber auch bei entsprechend kalter Batterie messen (-18°C) - aber wer macht das schon?


    Da eine richtige Kapazitätsmessung aber sehr lange dauert - es muss wie gesagt erst randvoll geladen, dann komplett entladen und dann wieder voll aufgeladen werden - wird sie meist nur ungern durchgeführt und man drückt lieber kurz auf's Knöpchen und liest einen synthetischen Wert ab, der aber leider oft nur sehr wenig Aussagekraft hat. Eine Tendenz ist damit zwar erkennbar, aber als wirklich qualitative Aussage wäre es mir doch deutlich zu wenig.


    Grüße, Tom

  • Nicht selten bekommt man abgelagerte Bleiakkus von diversen Händlern, solange aber deren Klemmenspannung noch über 12,4 Volt liegt müssen sie noch nicht nachhaltig geschädigt sein. Man könnte einen fachgerechten Lade/Entlade und anschließenden Ladevorgang durchführen, um zu messen wie viel dieser Akku noch speichern kann. Abhängig davon hätte ich in diesem Zusammenhang eine Teilrückerstattung der Kaufpreises vom Händler verlangt oder wegen nachweislicher Überlagerung und Folgeschäden reklamiert, bzw. den Energiespeicher zurückgeschickt und Neuware aus frischer Produktion gefordert!

  • Ewald, du hast Recht. Wie Tom aber schon sagt, eine fachgerechte Entladung ist schon einigermaßem aufwendig. Die Händler würden ein schlechtest Ergebnis und dein Messverfahren sowieso nicht akzeptieren. Deswegen ist eine Rücksendung ohne Kommentar vllt. das einfachste und man eröffnet keine unnötigen Diskussionen, die man sowieso nicht gewinnt.


    Hier noch eine Erkenntnis von mir:

    Meine Batterie ist 12 Jahre alt und hat nach 2-facher Reparatur-Ladung wieder 12,6 Volt, vorher 12,19 Volt, erhalten. Aber der SOH-Wert hat nur 36% und der Innenwiderstand liegt bei ca. 8Milliohm. Also eigentlich gar und das Batterie-Management von meinem F31 sagt ca. 65%.

  • Ich bestellte mal mehrere Solarleuchten mit 14500er 3,2V 400mAh LFP Akkus für meine Frau, wo an zwei Exemplaren deren Energiespeicher schon unter 1,7 Volt Klemmenspannung abgesunken waren und einen ca. 4 Jahre alten Datecode trugen. Nach meiner Reklamation kam der Verkäufer mit Lügenmärchen wie "diese Akkus müssen mindestens 24 Stunden mit Sonnenlicht geladen werden", die alten Datecodes wollte er überhaupt nicht als solche akzeptieren. Erst nachdem ich ihn mit zahlreichen Mails und Fachliteratur über diverse Energiespeicher beinahe erdrückte, erklärte er sich endlich zu einer Teilrückerstattung von 10 Euro für die totgelagerten Akkuzellen bereit!


    Meine Schönwetterfahrzeuge und der wenig benutzte Audi 80 TDI meiner Frau stehen in zwei Garagen und werden permanent an leicht modifizierten energiesparenden Schaltnetzteilen mit 13,4 Volt Ausgangsspannung versorgt.





    Die letzte Billig Starterbatterie welche ich für den 1994er Audi im Jahr 2007 neu kaufte, startet nach über 18 Jahren noch immer problemlos. Kostenlose Altbatterien welche ander Leute entsorgen nützte ich noch überwiegend mehrere Jahre an meinen alten Passat 35i Variant, dazu müssen sie nicht viel viel mehr können als deren alte 1900er Dieselmotoren erfolgreich anzuwerfen. Solange der Innenwiderstand noch ausreichend niederohmigt ist, kann man sie erfahrungsgemäß bis ca. 10Ah Restkapazität auslutschen, erst dann werden sie endgültig als unbrauchbare Leichen entsorgt.

  • "Ordentlich" (also langsam und lange) Aufladen und nicht weiter darüber nachdenken. Dann hält das Verschleißteil auch über 10 Jahre. Die Sulfatierung bei SOC von 85% ?sollte? kein Problem sein. Sie nimmt erst mit der Entladetiefe überproportional zu. Die Messung über 12,4 V der Leerlaufspannung ist halt ein Kompromiss.


    Bei mir in der Nähe ist eine Varta Vertretung. Da wird die "vorgeladene" Batterie unmittelbar vor dem Kauf mit Säure befüllt.

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