Liontron 100Ah - BMS zeigt nur 102 Ah statt 114 Ah

  • Hallo Akku-Kenner,


    mein Liontron-Akku zeigt neuerdings statt der ursprünglichen 114 Ah nur noch 102 Ah bei Vollladung an.

    Woran liegt das - und ist das korrekt? Welche Werte sind denn bei dem Akku normal/üblich?


    Zwei Screenshots mit den Werten sind angehängt.


    Danke im Voraus


    Caravan (Ralph)

  • Hallo,

    die Batterie ist ziemlich weit entladen, was man an den Zellenspannungen erkennen kann (3,275V dürften grob geraten etwa 20% Ladezustand entsprechen. Die Angabe von Ladezustand (SoC, State of Charge) und verbleibender Kapazität werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit grob falsch sein.


    Solche Probleme kommen bei Lithium-BMS mit Ladezustandsanzeigen relativ häufig vor, wenn die Betriebsbedingungen ungünstig sind. Damit ist in erster Linie eine zu niedrige Ladeschlussspannung der Ladestromquelle gemeint, aber auch u.U. eine regelmäßig zu kurze Ladezeit. Beides kann dazu führen, dass die Batterie einerseits nicht voll aufgeladen wird und dass andererseits die Ladezustandsanzeige beginnt, zunehmend falsche Werte anzuzeigen.


    Zum Verständnis des Problems muss man wissen, dass der Ladezustand der Batterie vom BMS durch Saldierung ermittelt wird: Das BMS misst die Höhe des Ladestroms und dessen Dauer, sowie die Höhe der Entladeströme und deren Dauer und "schätzt" auf diese Weise den Ladezustand. Besonders genau arbeitet diese Saldierung bei BMS aus technischen Gründen leider nicht, so dass die Ladezustandskontrolle zur Kalibrierung auf regelmäßiges Erreichen der Vollladung angewiesen ist. Unter Vollladung versteht man bei Lithium-Batterie, dass wenigstens eine Zelle ihre maximal zulässige Ladeschlussspannung erreicht. Dieser Punkt führt dann dazu, dass die Anzeige des Ladezustands auf 100% gesetzt wird. Findet über längere Zeit keine Vollladung statt, kann auch keine Kalibrierung des SoC erfolgen und die Genauigkeit der SoC-Anzeige nimmt immer mehr ab, weil nur noch Schätzung an Schätzung gekoppelt wird.


    Zur Abhilfe empfiehlt es sich, die Ladeschlussspannung des verwendeten Ladegerätes zu überprüfen (sie sollte bei wenigstens 14,4V liegen, die natürlich bei Laden auch mal erreicht werden müssen), sie wenn nötig entsprechend zu erhöhen und ggf. auch die Ladezeit zu verlängern. Dann wird sich das Problem ganz von selbst lösen. :)


    Grüße, Tom

  • Hier hat Zelle Nr. 4 3,674V erreicht, so dass das BMS die Ladung beenden musste. "Eigentlich" sollte die Ladezustandsanzeige dann auch auch 100% springen, was sie bei deiner Liontron-Batterie aber anscheinend nicht getan hat, vermutlich weil Zelle Nr. 3 noch bei 3,359V hängen geblieben ist.


    In solchen Fällen hilft lang anhaltender Anschluss an einem Ladegerät, damit der Balancer des BMS Zeit hat, die Zellen auszugleichen. Was bei passiven Balancern wie dem in der Liontron-Batterie leider durchaus mehrere Tage dauern kann.


    Versuche am besten zuerst diesem Weg zu folgen, und das Ladegerät noch etwas länger laden zu lassen, bis die Batteriespannung die 14V deutlich überschritten hat. Ich gehe davon aus, dass das Problem dadurch verschwindet und die Ladezustandsanzeige dann brav auf 100% schaltet.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    nochmals herzlichen Dank.

    Bei welcher Spannung darf/soll ich das Victron-Gerät weiterladen lassen? Die Einstellung „Li-Ion“ macht bei 14,20V Schluss, aber man kann die Einstellung(en) manuell überschreiben.


    Wäre es sinnvoll, zusätzlich einen Shunt einzubauen, den ich mittels Bluetooth auslesen kann?


    Viele Grüße

    Caravan

  • Das spielt bei Lithium-Batterien mit BMS - also bei praktisch allen Lithium-Batterien - keine Rolle, weil das BMS die Ladung beendet. Wenn das Ladegerät das tut, hat es meistens unerwünschte Nebenwirkungen. Also stelle mindestens 14,4V ein, besser noch 14,6V.

    Grüße, Tom

  • Der Shunt muss so ausgelegt werden, dass der maximal darüber fließende Strom seinen Nennwert nicht überschreitet. Du musst dich also fragen, wie hoch der Strom denn maximal sein wird.

    Kurzzeitige Überschreitungen sind aber selbst in erheblicher Höhe kaum entscheidend. Über einen 300A-Shunt sollten aber nicht für längere Zeit 400A oder mehr fließen, sonst würde er sich übermäßig erhitzen.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    habe nun die Batterie einmal komplett bis 11,43V und Anzeige „0%“ entladen und mit dem Victron 12/25, eingestellt auf 10A und Li-Ion (14,20V) wieder geladen.

    Leider zeigt die Batterie am Ende des Ladevorgangs nur 14,02V und 99% bei 102,59Ah statt ursprünglich 114 Ah bei 14,20V

    (oder höher) an.


    Batterie defekt oder „nur“ BMS de-kalibriert?


    Viele Grüße

    Ralph

  • Hallo Ralph,

    ich empfehle, dass du dich mit dieser Frage an den Liontron-Support wendest. Die sollten sie beantworten können. Ich selbst arbeite ja nicht mit Liontron zusammen, daher fehlt mir die Erfahrung mit deren BMS im Detail. Bei den BMS mit denen ich arbeite, führt eine Abschaltung der Ladung wegen hoher Zellenspannung immer dazu, dass die Ladezustandsanzeige dann auf 100% springt.


    Das scheint bei dieser Liontron-Batterie aber gerade nicht der Fall zu sein.

    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    Antwort vom Liontron-Support:


    Sollte die Batterie unter 100 Ah gehen, dann müssten Sie sich nochmal melden.

    Unsere Batterien sollten mind. 30 Zyklen im Jahr durchlaufen. Also nicht immer nur nachladen, sondern auch mal hin und wieder ruhig bis zum unteren Drittel entladen.

    Die Batterien wollen beansprucht werden.

    Werden sie immer nur nachgeladen und nicht entladen, kann es zu einer Fehldarstellung des BMS in der App kommen.

    In dem Fall muss die Batterie 2-3 mal bis zum unteren Drittel geladen/ entladen werden, damit sich das BMS resetten kann.

  • Nun, dann bin ich sehr gespannt, ob dieser Lösungsansatz funktioniert. Sei doch so nett und berichte, wie sich die SoC-Anzeige verhält, wenn die Batterie noch ein paar Mal entladen und wieder aufgeladen wird.

    Grüße, Tom

  • Servus Ralph,

    wie gross ist die Kapazität lt. Datenblatt?
    ICH würde Beitrag #5 von Tom noch einmal lesen.

    Cycle 16 und 17 sind schon sehr ähnlich.

    Ich würde mit geringem Strom max. 1A alle Zellen auf die gleiche Spannung 3.65V bringen.

    Geht die Spannung von Zelle 4 wieder hoch, den Ladestrom weiter reduzieren. Bestenfalls mit einem Labornetzgerät. Dem BMS wird dabei Zeit gegeben, die Zellenspannung wieder anzugleichen. Der Balancer Film von Tom erklärt es ganz gut.

    Zelle 3 beendet die Entladung, Zelle 4 beendet die Ladung.


    Hier im Forum gibt es mehrere Beiträge und Bilder zum Spannungsverlauf. Wenn der Ladestrom abgeschaltet wird, geht die Spannung sehr schnell wieder auf ~3.35V zurück, und die Batterie ist immer noch nahezu voll geladen. Das ist der charakteristische Spannungsverlauf bei LiFePo Batterien.


    Ich würde mich jetzt nicht an den Prozentzahlen festmachen, die sind nur ein Schönheitsfehler und nebensächlich.

    Bestenfall geht der Prozentanzeige bei ausgeglichenen Zellen auf 100%, das macht das Daly BMS so. Das sagt nix über die tatsächleiche Ladungsmenge aus, daher werden immer die Ah mit angezeigt. Degradation ist systembedingt, die Batterie altert mit jedem Zyklus.

    Bitte zwischen LiIon mit Ladeendspannung 4.1V und LiFePo mit Ladeendspannung 3.65V lt. Datenblatt unterscheiden.

    Schaden an der Batterie wurde hier bereits vom BMS abgewendet.

    Meine Meinung

    lg

    Manfred

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