Wie lange sollte man mit einem Pulser Desulfatieren?

  • Hallo Tom,


    Gestern habe ich den bestellten Desulfatierer erhalten - Danke für den schnellen Versand.

    Ich habe dazu noch ein paar Fragen:

    Ich habe eine Reihe von Big Solar-Akkus (12V 260/290 AH), die ich aber nach der Anschaffung vor ein paar Jahren noch nicht wirklich verwendet hatte und nur sporadisch nachlud. Ein paar der Akkus mochten das anscheinend gar nicht.

    Meine Frage ist: wie lange sollte ich das Gerät an den jeweiligen Akku hängen? Beim Einschalten sehe ich die blaue LED leuchten. Ich gehe mal davon aus, dass diese lediglich anzeigt, dass sie selber mit Strom versorgt wird.

    Ich glaube, dass der Desulfatierer bis 200 AH spezifiziert ist - ich gehe mal davon aus, dass er dennoch seinen Job macht, aber länger braucht?!

    Ich habe gestern Nachmittag mit einem der Akkus begonnen, den ich neulich schon mal nachgeladen hatte, gestern aber wieder auf knapp 12V war. Heute morgen war der Akku nur druch das anhängen des Desulfatierers auf 13V hochgegangen; als ich aber ein Multimeter anschloss, sank die Spannung innerhalb von ein paar Min. auf 12.7V. Ich gehe mal davon aus, dass der Vorgang noch lange nicht abgeschlossen ist.

    Kann ich die Akkus parallel zur Desulfatierung laden, oder besser erst anschließend?

    Eignet sich das Gerät auch für den „Dauerbetrieb“, bis ich endlich die PV Anlage am Start habe und die Akkus beschäftigt werden?


    Mit freundlichen Grüßen


    Andreas

  • Hallo Andreas,


    wie lange ein Desulfatierungsprozess dauern muss, hängt von mehreren Faktoren ab. Wenn man diese kennt und sinnvoll quantifizieren kann, kann man vermutlich auch abschätzen, wie lange ein Desulfatierungsprozess dauern soll oder muss. Meistens kann man das nicht, so dass man die Entwicklung beobachten sollte, um das optimale Ergebnis zu erreichen. Aber schon hier fängt das Problem an, denn wie ist denn eine Batterie nach optimaler Desulfatierung? Nun, das hängt von der jeweiligen Batterie und ihrem vorherigen Zustand ab und da gibt es schier unendlich viele Möglichkeiten. Und, was noch schwerer wiegt: Kaum jemand hat wirklich eine Vorstellung davon, in welchem Zustand sich eine Batterie eigentlich befindet. Meistens ist es so, dass Batterien erheblich in ihrer Leistung nachgelassen haben und dann der Wunsch nach einer Verjüngungskur aufkommt. Wo genau das Problem liegt, weiß man in der Regel aber nicht.


    Daher mein Rat: Wenn man das nicht weiß, bleibt keine andere Möglichkeit, als die Batterie mit einem Ladegerät erst mal voll aufzuladen und dann den Desulfatierer wenigstens 2 Wochen arbeiten zu lassen. Desulfatierung braucht Zeit, weil die großen Bleisulfatkristalle nur noch sehr langsam Ladung aufnehmen. Nach zwei Wochen schaut man dann, ob die Desulfatierung Erfolg gebracht hat. Man misst den Erfolg am besten durch eine Kapazitätsmessung, dann weiß man, wo man steht. Ist der Erfolg nicht wie erhofft, desulfatiert man noch einmal zwei Wochen und misst dann erneut. Ergibt sich dabei ein deutlicher Gewinn an Kapazität, ist man auf dem richtigen Weg. Wenn nicht, ist die Batterie sowieso schrottreif.


    Das größte Problem ist, wenn man erst dann zu desulfatieren beginnt, wenn eine Batterie schon schrottreif ist. Denn dann hilft eine Desulfatierung allein natürlich auch nicht mehr. Man sollte also schon dann regelmäßig desulfatieren, wenn die Batterie noch gut in Schuss ist. Dann ist der Erfolg am größten und die Lebensdauer erreicht ein Maximum.


    Sechszellige Bleibatterien bleiben übrigens nicht dauerhaft bei 13V stehen, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Sie werden immer schnell wieder in der Spannung absinken. Das allein sagt also nichts aus. Außer, wenn sie schon nach kurzer Zeit wieder auf 12V und tiefer absinken, dann liegt es an einer erhöhten Selbstentladerate, was wiederum ein Kriterium für eine schrottreife Batterie ist. Denn was will man mit einer Batterie, die zwar insgesamt wieder gute Kapazitäts- und Innenwiderstandswerte erreicht, sich aber innerhalb weniger Tage von allein entlädt? Solche Batterien sind einfach tot und nichts (außer dem Recycling) holt sie wieder in einen brauchbaren Zustand zurück.


    Dauerhaftes Desulfatieren bedeutet, eine Batterie dauerhaft mit einer erhöhten Ladespannung zu versorgen. Das ist auch wieder schädlich (denn andernfalls würde man einfach dauerhaft eine hohe Ladespannung anschließen, um solche Probleme zu vermeiden). Dauerhaft hohe Ladespannungen führen zur Austrocknung der Batterie und dem Zerfall der positiven Platten (Gitterkorrosion), weshalb man bestimmte Spannungsgrenzen über längere Zeit nicht überschreiten sollte.


    Letztlich kann man problemlos ein Buch über dieses Thema schreiben, weil es wegen der Vielzahl beteiligter Vorgänge sehr komplex ist und man kommt dabei unweigerlich auch in knochentrockene Elektrochemie hinein, die nicht jedermann zugänglich ist. Also besser keine Wissenschaft daraus machen. Wenn zwei Wochen Desulfatieren eine gute Wirkung zeigen, dann sollte man sich freuen und regelmäßig wieder Desulfatieren. Nicht erst, wenn eine Batterie schon fast tot ist.


    Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.


    Grüße, Tom

  • Nicht wirklich. Besonders nicht mit Batterien, von denen das Beste schon länger runter ist. Aber es gibt doch noch eine Menge Leute, die sich mit der Aufarbeitung von sulfatierten Bleibatterien beschäftigen. Ich glaube, das wird auch noch lange so weitergehen. Eine Art Männerhobby. So wie der Bau von Balkonkraftwerken.

    Bei Lithium-Batterien ist es dagegen einfach: Wenn die erst mal kaputt sind, dann bleiben sie auch kaputt. -|-

    Aber dafür leben sie - als LiFePO4-Batterien - immerhin rund 20 Jahre. Und das im laufenden Betrieb und sogar bei harten zyklischen Solaranwendungen! Wenn man das erst mal erlebt hat, fragt man sich, weshalb man sich überhaupt so lange mit Bleibatterien herumgeärgert hat. 8)


    Grüße, Tom

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