Haben diese Ladestrategie alle modernen Euro 5/6 Vertreter oder nur die, die sich Mildhybrid nennen?
Soweit ich das bisher wusste, Laden die modernen Regelungen nur im Schubbetrieb. Dass sie extra Platz lassen, war mir nicht bewusst.
Andreas
Normale Verbrenner, nur mit Start/Stop, haben schlicht keine Leistungselektronik mit E-Motor, um eine Bremswirkung/Schub rückwärts in elektrische Energie umzuwandeln. Zwischen Motor und Schaltgetriebe sitzt nur die Kupplung und die Automatikfahrzeuge haben auch keine weiteren Bauteile zwischen Motor und Wandler. Und diese Leistungselektronik mit integriertem E-Motor ist ein sauschweres Bauteil, größer als ein Drehmomentwandler mit dicken Kabeln außen. Das hat kein reiner Verbrenner mit Start/Stop.
Im Schubbetrieb wird die Batterie erst richtig vollgeladen. Das regeln Lima/Steuergerät und das kleine BMS. Da fließen dann kleine Ströme, um die Batterie komplett zu füllen. Ist sie komplett voll, wird dann auch nichts reingeladen.
Je nach Fahrmodalitäten und Geographie fehlt allerdings manchmal das letzte Quentchen und Start/Stop funktioniert dann nicht.
Auch ein leicht erhöhter Innenwiderstand der Batterie verhindert die komplette Füllung und damit die Funktion von Start/Stop.
Es funktioniert auch nicht, wenn die Ausschlußkriterien greifen, die sind aber je nach Hersteller und Fahrzeugmodell unterschiedlich.
Und bei diesem System werden die meisten Batterien erneuert: Der Kunde reklamiert, daß Start/Stop nicht funktioniert. Messen, neue Batterie rein und alles ist Takko. Ca. 70% der Batterien lassen sich wieder dauerhaft auffrischen.
Der dann gegebene leicht erhöhte Innenwiderstand macht sich weder beim normalen Starten, noch beim Speichern in PV-Systemen bemerkbar.
Ich habe immer 15-20 Stück davon im Einsatz. Oft 8-9 Jahre.
Ja doch, das geht ja nicht anders. Wenn man bei einer Starterbatterie auf Bleibasis immer die Möglichkeit haben möchte, beim Bremsen "rekuperierten" Strom einzuladen, muss sie zwangsläufig dauerhaft im mittleren Ladungsbereich gehalten werden. Dass Bleibatterien das nicht lange aushalten, weil dann ja ebenso zwangsläufig ungeladenes Aktivmaterial dauerhaft ungeladen bleiben muss und dadurch natürlich sulfatiert, braucht nicht zu verwundern. Das ist der Grund, weshalb die Starterbatterien bei Euro5/6/6D/6Dtemp-Fahrzeugen sterben wie die Fliegen.
Tun sie nicht, weil die Rekuperation nur in Li-Ion-Zellen läd. Weil nur diejenigen Fahrzeuge rekuperieren können, die auch ganz oder zusätzlich zum Verbrennungsmotor elektrisch fahren können.
Das entsprechende Bauteil, Leistungselektronik mit E-Motor, ist schwer und teuer und sitzt zwischen Motor und Getriebe. Wie sollte sonst ein Hybrid den Strom der Batterie in Antrieb umwandeln?
Und dort- und natürlich bei reinen E-Autos, wird auch rekuperiert. Da läuft der Antriebsprozeß quasi nur andersrum.
Und das läßt sich beim Fahren auch in der Anzeige beobachten: Im Schub wird in den Fahrakku geladen und das Display zeigt das auch an.
Und die Bleibatterien, die diese Fahrzeuge trotzdem verbaut haben, sind nur für das 12V Bordnetz und das Starten des Verbrennungsmotors beim Hybrid.
Bei etlichen dieser E-Fahrzeuge, zB beim älteren E-Smart, muß diese 12V Batterie oft gewechselt werden. Und die sind dann auch nicht mehr aufzufrischen. Das versuche ich nach Dutzenden Versuchen gar nicht mehr. Ist aber keine AGM, eine relativ billige 60Ah.
Ein "Mild-Hybrid", jedenfalls so wie ich ihn verstehe, wäre ein Hybrid mit einer sehr kleinen Batterie, der auf Strom nur eine sehr kleine Reichweite besitzt, dessen "Fahrbatterie" aber immer eine Batterie auf Lithiumbasis ist. Hier besteht das Problem mit der Rekuperation nicht, weil Lithiumbatterien anders als Bleibatterien ohne besondere Alterung langzeitlich im mittleren Ladungsbereich gehalten werden können. Hier funktioniert das Prinzip sehr gut.
Richtig.
Ein "Mild Hybrid" fährt überhaupt nicht alleine elektrisch, nur in Kombi mit dem antreibenden Verbrennungsmotor. Er ist also eigentlich gar kein Hybrid.
Ein "Hybrid", fährt elektrisch kürzere Strecken, ein paar Dutzend Kilometer, mit einer Li-Ion Batterie wie ein reines E-Fahrzeug.
Und sie haben somit keine Probleme mit der Rekuperation (außer erhöhten Kosten wegen verrosteten oder einseitig ziehenden Bremsen...).
Die Fahrzeuge davor, nur mit Verbrenner, hatten aber halt auch keine Probleme mit der Rekuperation, weil eben nur E-Autos oder Hybrids rekuperieren.
Start/Stop Fahrzeuge: Siehe oben.
Diese drücken zwar -auch im Schub- das letzte Quentchen in die Batterie, nehmen diese Energie aber ganz normal aus der Lima, nicht von einer Rückgewinnung über das Rollen der Räder und nur das wäre eine Rekuperation. Die nötigen Bauteile haben sie nicht und ich habe diese, ebenso wie die Hybrids, schon viele dutzendmal beruflich zerlegt.