Du mußt Dir mal merken: In einer Batterie arbeiten immer 2 Pferde, ein langsames Arbeitspferd (chemische Elektrolyse) und ein Rennpferd (elektrischer Strom). Zwischen beiden mußt Du nun einen Spagat machen, um beiden gerecht zu werden.
Oder so:
Chemie ist zumeist langsam, Elektrizität dagegen blitzschnell – eine Diskrepanz, die ganz besonders auf die Bleibatterie zutrifft. Deshalb darf eine Batterie auch nur langsam geladen werden, der Ladestrom sollte 5-10 % ihrer Kapazität betragen. Nur so kann sich das Blei in der Batterie effektiv umwandeln. Umgekehrt gilt: Je höher der aus der Batterie entnommene Strom ist, um so schneller macht sie schlapp, weil einfach die Chemie, die Umwandlung des Bleis in Strom in der Batterie nicht mehr hinterher kommt. (Müßtest Du von mir schon gelesen haben).
Ich will damit sagen, ein langsames Vorgehen bei der Batterie ist immer besser. Du kannst die Batterie mit 5 % der Kapazität Konstantladestrom laden und ab Gasung jede Stunde die Spannung messen. Steigt die Spannung innerhalb einer Stunde nicht mehr an, ist die Batterie voll. Aber niemals der Batterie 17 - 17,5 V aufzwingen. Bei einer Spannungsladung mit diesen Werten kann der Ladestrom so stark ansteigen, daß Du Schaden anrichtest! Bei einer älteren Batterie sinkt nämlich die Gasungsspannung und auch die Ladeschlußspannung ab, deshalb können sich, bei Beaufschlagung mit 17 V, hohe Ströme einstellen. Diese 17 - 17,5 V gelten immer als gemessene Spannung bei Konstantstrombeaufschlagung.
Eine 10 - 5 % (ab Gasung) Stromladung ist eine schnelle Ladung, die innerhalb von ca. 12 - 15 Stunden die Batterie vollständig aufladet, Säureschichtung beseitigt und alles wieder auffrischt. Bei einer alten Batterie mußt Du damit rechnen, daß sich eventuell gebildete Durchwachsungen im Scheider verfestigen und eine oder mehrere Zellen ausfallen. Das ist aber nicht schlimm, denn dann weißt Du gleich ganz genau, daß die Batterie nicht mehr viel Wert war.
Wenn Du Zeit hast, ist eine langsame Ladung immer besser, weil sich das träge Arbeitspferd in Ruhe regenerieren kann. Etwa 50 % der 2 - 5 Jahre alten Batterien fallen auf Grund ungenügender Ladung aus und sind wieder herstellbar. Ich lade diese Batterien mit 14,8 V über 4 - 8 Wochen. Nach 3 Wochen hat sich die Säureschichtung erledigt. Nach 4 Wochen ist die Batterie wieder frisch.
Schon zu DDR-Zeiten - ich komme aus Dunkeldeutschland - als Batterien noch knapp waren, haben manche Autofahrer sulfatierte Batterien mit einem geringen Konstantstrom 4 Wochen lang geladen und beste Ergebnisse erzielt. Da Batterien wie Menschen sind, hier mal eine kleine identische Geschichte aus meiner Arbeit als Ortschronist:
1950 kam einer aus russischer Kriegsgefangenschaft, ausgehungert und ausgemergelt. Mutter hat ihm sogleich einen schönen Gänsebraten serviert, damit er sich schön stärken kann... Ein paar Tage später war er tot! Er hätte langsam die kalorienreiche Nahrungskette wieder aufbauen müssen, genauso wie er abgebaut hat. Die Batterie ist nicht anders: In mehreren Jahren hat sie langsam abgebaut. Gib ihr Zeit, sich wieder langsam zu erholen und sie wird es Dir danken.
Tut es ihnen gut, zwischendurch, in den Ruhephasen, ein bisschen Strom zu entnehmen, z.B. mit einer 11 W-Stableuchte? oder lieber in Ruhe lassen?
Entladungen können Bleibatterien nicht ausstehen. Das bei einer Entladung entstehende Bleisulfat ist etwa 1,5 x größer als Bleidioxyd. Dabei kommt es zu einer mechanischen Beanspruchung in der Platte, wo sich die Stromspeichermasse lockern kann.
Wenn die Batterie richtig voll ist, kannst Du sie permanent mit 13 V beaufschlagen, wodurch die ohnehin schon sehr langsam ablaufende Selbstentladung verhindert wird.
Die Ladeerhaltungsspannung einer Starterbatterie liegt, je nach Anwendung, bei 13 - 14,8 V. Die Betriebsspannung, je nach Anwendung, 14,8 - 15,4 V. Unterhalb von 15 V kann man eine Starterbatterie nicht überladen.
Das ist übrigens eine "Eurostart" von "Batcars".
Alles nur Handelsmarken. Die ehemalige Firma Varta verkaufte früher ihre Batterien unter 28 Handelsmarken (erkennbar am Code). Es gibt nur wenige Batteriehersteller in Europa: Exide, Banner (Österreich), ein Konsortium aus kanadischen Finanzinvestoren hält die ehemalige Varta, das einzige noch bestehende deutsche Familienunternehmen MOLL soll durch Carola pleite sein.
Rainer