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Torsten

Akku-Meister

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1

13.11.2019, 18:48

"Mumpitz" im Netz zum Thema Autobatterien, Laden, prüfen

Das im Netz sehr viel gefährliches Halbwissen rumgeistert, ist schon lange bekannt. Und zwar zieht sich das durch praktische alle Themengebiete.

Daher bin ich sehr froh, nach langer Suche mit diesem Forum hier endlich eine Wissensquelle gefunden zu haben, die meinen Wissenshunger an allem rund um das Thema im Titel zufriedenstellend stillt :thumbsup:


Je mehr ich hinter der Materie "durchblicke" umso öfter muss ich mich über solche Seiten amüsieren. Wenn ich mal viel Zeit haben sollte, werde ich vielleicht auch unter diesen - auf den ersten Blick gut gemachten und auch für den Laien gut recherchierten Artikel - mal einen Kommentar setzen. Aber so viel auch richtig sein mag - mindestens genauso viel fehlt, ist falsch oder zumindest nur halbrichtig (zum Beispiel diese Aussage: "Ein weiterer Vorteil der AGM-Batterie ist ihr geringer Innenwiderstand. Dadurch wird auch die Selbstentladung bei längeren Stillstandzeiten auf ein Minimum begrenzt." :rolleyes: )

Kapazität und Spannung einer Autobatterie messen und prüfen
Gibts noch mehr solche Seiten, worüber sich der geneigte Akku-Versteher amüsieren kann? Könnt ihr ja mal hier posten :D

Tom

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2

13.11.2019, 20:20

Gerade mal angeschaut und, man glaubt es kaum, sofort fündig geworden:

So sollten die Batteriepole immer sauber gehalten und mit einem Polfett komplett eingeschmiert werden. Auf diese Weise vermeidet man, dass der Akku, besonders bei längeren Stillstandszeiten, durch Kriechströme langsam entladen wird.

Naja, damit kann man wenigstens nicht viel kaputt machen, außer dass man alles schmutzig macht. Polfett kommt noch aus der Zeit, als Autobatterien im Hartgummigehäuse oben zur Abdichtung mit Teer vergossen wurden. Da auch die Gasung wegen der damaligen Ladetechnik gegenüber heute überdurchschnittlich stark war, kam es bei älteren Batterien, wenn der Teer rissig wurde, vor, dass Schwefelsäure an den durchgeführten Plattenverbindern (von denen es früher ja noch reichlich viel mehr gab) austrat und an den Polklemmen und Kabeln zu Korrosion führte. Heute ist das nun aber kein Thema mehr, weil die einzigen beiden verbliebenen Kontaktierungen für lange Zeit sicher und dicht im Polypropylen-Kunststoffgehäuse verspritzt sind. Aber wenn man nicht hinterfragt was man tut, schmiert man die heutigen Batteriepole immer noch mit Polfett ein. Achso: Die Batteriepole haben schon damals keines Fettes bedurft, denn das Blei der Batteriepole korrodierte ja nicht, sondern nur die Kupferbestandteile von Klemmen und Kabeln. Im übrigen ging es bei der Verwendung von Polfett natürlich nicht um eine Verminderung der Selbstentladerate durch "Kriechströme", sondern um Reduzierung der Korrosion an den Kabeln.

Der Rest passt aber gar nicht so schlecht, mit Ausnahme des von Dir zitierten Unfugs mit dem geringeren Innenwiderstand von AGM-Batterien (der Innenwiderstand hängt nicht von der Art der Elektrolytaufbewahrung ab, sondern von der Plattengeometrie (wenige dicke (hoher Widerstand) oder viele dünne Platten (niedriger Widerstand))).

Grüße, Tom

Torsten

Akku-Meister

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3

13.11.2019, 20:59

Danke, wieder so eine Auffüllung an Wissen. Der - historische - Hintergrund zur Verwendung von Polfett war mir auch noch nicht bekannt.
Dennoch ist die Aussage an sich - so wie sie geschrieben ist - selbst dann verkehrt, wenn man den historischen Hintergrund einfach mal "wegdenkt", denn: Nicht die Batteriepole sollten reichlich mit Polfett eingeschmiert werden, sondern das Polfett soll auf die an die Batteriepole angeklemmten Batteriekabel über die Pole aufgebracht werden. So wie man es liest, könnte man meinen man müsse die Batteriepole noch vor dem Einbau reichlich einschmieren (vielleicht dass die Batterieklemmen dann besser "draufflutschen" :P ) und erst dann anschließen! Dieses Verhalten wäre aber kontraproduktiv, da durch auf den Polen aufgebrachtes Polfett zwangsläufig unnötig der Widerstand erhöht wird.


Hmm und nun kommen wir zum "weglassen": So wie es geschrieben ist, könnte man meinen es gäbe keine Ruhestromaufnahme (bei modernen Fahrzeugen, und modern heißt in diesem Falle bereits alle Fahrzeuge mit elektronischem Steuergerät sind 50mAh Verbrauch auch bei abgezogenem Zündschlüssel eher die Regel als die Ausnahme), sondern die Entladung einer Batterie bei längeren Standzeiten geschieht ausschließlich durch Kriechströme :motz:


Die angegebenen Voltzahlen zum Ladezustand sind auch nicht so ganz richtig. Mit 12,85 Volt wäre sie bei 100% Ladezustand schon ein bissl älter, weil Elektrolyt verdampft ist. Bei 12,00 Volt hätte sie noch 20%, bei < 12,00 Volt (also auch 11,99 Volt zählen dazu) auf einmal 0%?!

Dann geht's weiter: Wo bitte kann man denn heutzutage noch eine Starterbatterie mit C/100 kaufen?
"Ein gutes Ladegerät mit Anschluss an die eigene Steckdose ist schon unter 100 Euro zu haben". Stimmt, aber weshalb wird in der Anzeige darunter kein gutes, sondern stattdessen so ein ungeregelter Uralt-Netzteil-Trümmer für (aktuell) 26,30€ angeboten ?(

"Ein leistungsfähiges KFZ-Ladegerät kann die Ladeleistung variieren und passt diese kontinuierlich an den jeweiligen Ladezustand des Akkus an" - Jaja, diese Werbeaussage ist nicht totzukriegen. Sicherlich kann man die Ladeleistung mitunter einstellen, aber dass eigentlich eine Ladespannung angelegt wird und der Akku selbst entscheidet, wieviel er vom dargebotenen Strom zu sich nimmt, steht nirgends...Zum Thema Entsulfatisierung schreibe ich an dieser Stelle besser nichts.

P.S.: Mir ist schon klar, dass der Forenbetreiber all dies wass ich hier oben zusammengetragen habe auch weiß. Aber vielleicht nicht der zufällige Besucher, der sich durch die überaus nützliche Funktion in diesem Forum - nämlich ganz unten auf der Seite - eine zufälligen Artikel anzeigen lässt und sich hierher verirrt :sleeping:

Tom

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4

13.11.2019, 22:30

Ich hab das Thema mal zur Rubrik Bleiakkus verschoben, da es hier eindeutig besser passt.

Grüße, Tom

Torsten

Akku-Meister

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5

15.11.2019, 23:18

Na dann werde ich das Thema hier mal noch etwas weiter "füttern" :P

Dazu habe ich nichts spezielles herausgesucht, sondern bin wieder mal darüber gestolpert. Heute geht es um einen der bekanntesten "guten" Automatiklader (immerhin ist er mit Einschränkungen brauchbar):

CTEK MXS 5.0 Test 2019

"...das dank automatischer Temperaturkompensation auch in kalten Umgebungen bis zu -20 Grad Celsius beste Ladeleistung liefert"
Muss gestehen, diese Werbeaussage kapiere ich nicht, habe ich noch nie verstanden. Kann mir jemand mal sagen was die damit meinen?

"Im Vergleich zu vielen anderen Ladegeräten besitzt das MXS 5.0 eine Diagnose-Funktion, die die Batterie dahingehend analysiert, ob sie die Ladung überhaupt noch aufnehmen und auch halten kann."
Aha, in ein paar Sekunden stellt diese lächerliche Funktion also fest, ob eine Batterie die Ladung halten kann - lächerlich :motz:

Hier könnte man noch viele weitere Stellten zitieren - mein "Best-Of-Mumpitz" im Artikel ist aber zweifellos diese Aussage des Schreiberlings:

"Schade ist, dass es keine Anzeige oder Auskunft über die noch verbleibende Dauer des Vorgangs gibt."

Ja klar, "Gerät XY" hat ja diese Funktion, die auch soooo sinnvoll ist :cursing: Wie wir hier wissen, kann es eine solche Anzeige bei Bleibatterien gar nicht geben, da kein Ladegerät das Nutzungsschema der Batterie kennt. Und sich die Aufladedauer sehr stark danach richtet, ob die zu ladende Batterie schnell oder sehr langsam (Selbstentladung) entladen wurde....

Reiner106

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6

22.11.2019, 15:13

Heute schreibt mir die Elektor im Newsletter, dass es eine Bastelanleitung und einen Artikel zum Akkurefreshen gibt...
https://www.elektormagazine.de/magazine/elektor-201703/40183

Seufz... Elektor ist auch nicht mehr das, was es mal war...

Reiner106

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7

22.11.2019, 15:26

CTEK MXS 5.0 Test 2019
"...das dank automatischer Temperaturkompensation auch in kalten Umgebungen bis zu -20 Grad Celsius beste Ladeleistung liefert"
Muss gestehen, diese Werbeaussage kapiere ich nicht, habe ich noch nie verstanden. Kann mir jemand mal sagen was die damit meinen?
Je nach Akkutemperatur sollte man die Ladespannungen angleichen - das macht das CTEK (ob gut oder nicht hab ich nicht geprüft, es wirbt damit). Sofern Ladegerät und Akku die gleiche Temp haben, ist das besser als NIX, aber klar ist ein Ladegerät, dass von der Heizung geholt in der prallen wintersonne einen tiefgefrorenen Akku laden soll mit seiner Messung erst mal eine ganze Weile "daneben"... Ich lege meines immer auf den Akku und lasse es erst mal (wenn nötig) aklimatisieren...
"Im Vergleich zu vielen anderen Ladegeräten besitzt das MXS 5.0 eine Diagnose-Funktion, die die Batterie dahingehend analysiert, ob sie die Ladung überhaupt noch aufnehmen und auch halten kann."
Aha, in ein paar Sekunden stellt diese lächerliche Funktion also fest, ob eine Batterie die Ladung halten kann - lächerlich :motz:
3 Minuten warten, ob die Batterie unter 12V fällt.. Besser als nix.
Hier könnte man noch viele weitere Stellten zitieren - mein "Best-Of-Mumpitz" im Artikel ist aber zweifellos diese Aussage des Schreiberlings:
"Schade ist, dass es keine Anzeige oder Auskunft über die noch verbleibende Dauer des Vorgangs gibt."
Ja klar, "Gerät XY" hat ja diese Funktion, die auch soooo sinnvoll ist :cursing: Wie wir hier wissen, kann es eine solche Anzeige bei Bleibatterien gar nicht geben, da kein Ladegerät das Nutzungsschema der Batterie kennt. Und sich die Aufladedauer sehr stark danach richtet, ob die zu ladende Batterie schnell oder sehr langsam (Selbstentladung) entladen wurde....
Stimmt :)
Wahrscheinlich hat sich der Autor gedacht, dass die im Handbuch angegebenen maximalzeiten für jede "Phase" ja mit einem timer runtergezählt werden könnten... Sinnvoll is das aber natürlich auch nich.

Von Fachkenntnis zeigen auch diese Absätze:

  • patentiertes Entsulfatisierungsprogramm (nix Patent - und nix Desulfat - nur "aktivierungsanfangsphase" für einige Minuten..
  • AGM-Option zur Steigerung der Batterie-Lebensdauer (Ach so, AGM steht für mehr Lebensdauer - wieder was gelernt, gleich mal die Nassbatterie mit AGM..)
  • Ausgangsleistung 14,4 V/14,7 V/15,8 V (Verdammt, Leistung ist Volt? Schon wieder hab ich was falsch verstanden)
  • Startspannung 2,0 V (hätte er das Ding benutzt, wüsste er, dass bei 2V das Gerät schlicht gar nix macht, sondern einen defekten Akku annimmt).
usw... das geht durchweg so weiter, da werden Phrasen gedroschen...
Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass nur, weil etwas im Internet als "Vergleichstest" oder "Test" betitelt wird, dass eben nicht heisst, dass dort ein fachkundiger Mensch sein Wissen teilen möchte und mit vollem Marktüberblick eine Einschätzung zu Gunsten des Verbrauchers abliefert. Nur, weil man 1000 positive Bewertungen eines Produktes hat, heisst das nicht, dass es gut ist, wenn alle "tester" jugendliche Erstkäufer sind, die noch nie in ihrem Leben was anderes gesehen haben, sich jetzt tierisch über Ihren Kauf freuen und natürlich nicht zugeben könnten, dass es Müll ist, was sie erstanden haben... Und oben verlinkte Portale leben vom Affiliate Bonus, wenn sie die Produkte verlinken - jeder "Test" ist ein Kaufanreiz....
Ich weiche etwas ab - aber "Medienkompetenz" sollte eigentlich in der Schule gelehrt werden... aber lassen wir das... Bald Wochenende...

Tom

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8

22.11.2019, 17:37

Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass nur, weil etwas im Internet als "Vergleichstest" oder "Test" betitelt wird, dass eben nicht heisst, dass dort ein fachkundiger Mensch sein Wissen teilen möchte und mit vollem Marktüberblick eine Einschätzung zu Gunsten des Verbrauchers abliefert. Nur, weil man 1000 positive Bewertungen eines Produktes hat, heisst das nicht, dass es gut ist, wenn alle "tester" jugendliche Erstkäufer sind, die noch nie in ihrem Leben was anderes gesehen haben, sich jetzt tierisch über Ihren Kauf freuen und natürlich nicht zugeben könnten, dass es Müll ist, was sie erstanden haben... Und oben verlinkte Portale leben vom Affiliate Bonus, wenn sie die Produkte verlinken - jeder "Test" ist ein Kaufanreiz....
Ich weiche etwas ab - aber "Medienkompetenz" sollte eigentlich in der Schule gelehrt werden... aber lassen wir das... Bald Wochenende...

Danke!

Und danke auch noch mal, danke, danke. Und übrigens: DANKE! :D Und sowas in einem Elektrokram-Fachforum. :whistling: :thumbsup:

Ich würde das auch keinesfalls allein auf Amazon, Google und Co beziehen. Gelogen und betrogen wurde schließlich immer schon und zu allen Zeiten, aber das was mir seit einigen Jahren an "werbenden Anpreisungen" vor die Füße rollte, lässt ja Petitessen wie den allseits beliebten OMO-Knotentest nur noch als eher zum Schmunzeln geeignet erscheinen.

Übrigens stammt die Grundkonstruktion des Power-Pulsar ursprünglich aus "dem" Elektor.


Grüße, Tom

Der Elektor-Verlag hat sich nicht viel nach der Veröffentlichung dieses Artikels (bei dem ich leider gar nicht mehr so genau weiß, wann der erschienen ist) zunehmend auf den Vertrieb fernöstlicher Elektronikprodukte verlegt. (Wenn ich die Entwicklung meines eigenen kleinen Produktsortiments anschaue, scheint das bei mir irgendwie ähnlich zu sein... :| )
»Tom« hat folgende Datei angehängt:

Reiner106

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26.11.2019, 10:20

Hallo Tom,

vielen Dank für "Danke" :) Ich seh das genau so wie Du, es gab schon immer Quellen der Desinformation und nicht jeder "Experte" ist auch wirklich einer - aber das Internet hat da noch mal einen oben drauf gepackt - und wir als Konsumenten haben noch einiges nachzuholen an Aufklärung. Und da hapert es meiner Meinung nach extrem - im privaten Umfeld sind einige aus dem "Lehrkörper" und ich habe Kontakte in und zu Schulen... Mir würden spontan einige neue Fächer einfallen, die "uns" vom Konsumvieh weg zum wieder mündigen Bürger bringen würden.. Für jeden Mist sind Milliarden übrig, aber Bildung ist und bleibt ein Sparprogramm. Hoffentlich fliegt uns das nicht all zu sehr um die Ohren in Zukunft (und deswegen blubber ich wenigstens meine Kinder am laufenden Band mit solchen Themen zu.. Mal sehen, wie viel hängenbleibt...)

Ein entfernter Bekannter von mir sitzt bei Elektor (in Holland in dem Fall) und das ist noch einer vom alten Schlag, der an allem rumbaut, der auch noch in der Lage ist eine defekte Schaltung auseinander zu nehmen und mit Bauteilen für 50 Cent zu reparieren, statt das gesamte Gerät in die Tonne zu kloppen oder sich vom "Fachhändler/Werkstatt" eine Ersatzteil einbauen zu lassen, dass den Gebrauchtwert des Gerätes um das Doppelte übersteigt.. Der berichtet ähnliches (und die sinkenden Verkaufszahlen von Printmedien machen es da nicht einfacher...). Wenn ich mir anschaue, wie viel Elektromüll produziert wird und wie die Hersteller in den letzten Jahrzehnten zu "Einwegartikeln" geschwenkt sind, die oft gar nicht mehr reparierbar sind - kann ich nur hoffen, dass die momentane "Bewegung" in Richtung Umweltschutz, Nachhaltigkeit, etc... noch viel mehr Fahrt aufnimmt. Aber wenn (fast) die ganze Welt in diesem Modus ("nur Wachstum (von Geld und Konsum) bringt uns weiter") unterwegs ist - puh... harte Nuss..... (wer sich für so was interessiert: "Right to repair" ist ein großes Thema in den USA aktuell - Louis Rossman Videos könnte man sich anschauen...)

Beruflich hab ich hin und wieder mit Herstellern aus China zu tun (Audio gedöns, nix Akkus) - die haben dort noch nicht mal eine Idee von dem, worüber wir hier gerade sprechen - und China ist längst nicht mehr das ultraniedriglohnland, in dem das täglich Brot jedem näher ist als die Umweltverschmutzung durch Industrie... Und wenn die das nicht mal wirklich interessiert - wie will man diesen "Wahnsinn" den anderen Milliarden auf dem Planeten beibringen (Vorbildrolle der Industriestaaten wäre eine Möglichkeit - aber die muss man sich leisten können - ob wir das noch hinkriegen... hm...)

Oh, ich schweife noch mehr ab, sorry.. ....

Danke jedenfalls an Dich, dass Du hier eine Bastion des fachkundigen Wissensaustausches aufrecht erhältst und für Deine Art, Geschäfte zu machen. Mögen genug Kunden das zu schätzen wissen und Dir Dein Auskommen sichern !

Ach, den Elektro Artikel gabs übrigens als Aufguss noch mal in 2001
https://www.elektormagazine.de/magazine/elektor-200109/1262

Für mich liest es sich ein bischen so, als ob die bei Megapulse (oder andresrum) abgeschaut haben - aber auch egal - Dein Pulser ist so wie er ist einzigartig und super (Ich mach jetzt kein Bild von meiner Akkusammlung, sonst unterstellt man mir gleich an Sammelwahn zu leiden... hihi..)

Grüße
Reiner


Ach ja, einen Beitrag zum eigentlichen Thema hab ich noch anzubieten: Von Diamex (oder wars tremex?) gibts den "Sweepy", der als aktives "Akkuaufrischding" sich von den passiven Entladepulsern abhebt... Als das Ding rauskam, dachte ich: "Na, mal sehen was das kann".... Und hab es zwei Wochen später nach "kann nix" wieder mit einer ausführlichen Mail zurückgeschickt... Das Ding lädt an sich mit schwachem Strom (erst mal ok), pulst dann und variiert diese Pulse (klingt auch erst mal gut) . Man kann zwischen drei Stärken Umschalten (klingt auch super).... Jetzt misst das Ding irgendwas (Innenwiderstand vielleicht?) und überlegt sich dann, wann es fertig ist und dank des schönen Displays zeigt es das dann auch an... Wow (dachte ich).. Also uraltanalogoszi rausgekramt, eine garantiert sulfatierte Batterie dran (starterbatterie zum Aufschrauben - man sah es förmlich.. Die stand aber einfach nur zu lange rum, war ansonsten noch nicht alt oder erfroreren, Rettung erschien mir möglich).. Natürlich vorher aufgeladen mit irgend einem dieser KFZ Lader und mit Labornetzteil noch mal nachgeladen...

Zu Anfangs sah man am Oszi auch schöne Pulse... Die Variierten in der Frequenz (in der BA wurde was davon behauptet, dass das Oszilieren das eigentliche Gehemnis sei - oder so..) und die Spannung ging auch schön nach oben (irgendwas 15 Volt) innerhalb ein paar Stunden - und am nächsten Morgen war dann Schluss. "Habe fertig" meldet das Gerät... Ich kürz das ab hier jetzt ab - egal mit welchem Akku, welche Einstellung, ob vorher regulär Aufladen oder nicht - das Gerät meinte einfach immer viiiel zu schnell fertig zu sein und die Pulse wurden auch so schnell so schwach (die Kabel waren sowieso fraglich lang und dünn)... Da passierte schlicht NIX....

Also zurückgeschickt und Deinen Pulser als "Vergleich" an die Testkandidaten gehangen... Dauerte eine Weile, aber da tat sich dann nach Tagen sogar optisch was (Färbung der Bleiplatten), Säuredichten stiegen langsam.... Die Akkus waren also nicht der Grund, warum der Sweepy nich so machte wie er sollte.. Allen Testkandidaten konnte irgend eine Besserung bescheinigt werden, wo der Sweepy nach wenigen Stunden schon aufgab.

Nachdem das Ding zurück war, hat wohl jemand meinen Kommentar ernst genommen:

https://www.ebay.de/i/282274832342?chn=p…asaAuz0EALw_wcB

:)

Inzwischen taucht das Ding aber wieder (unverändert, vermute ich) überall auf. ELV und Co verkaufen es..... Der Glaube versetzt Berge (oder Geld... aber kein Bleisulfat)..

Uff, Schreibflash..

Torsten

Akku-Meister

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10

26.11.2019, 19:54

Hallo Tom,

vielen Dank für "Danke" :) Ich seh das genau so wie Du, es gab schon immer Quellen der Desinformation und nicht jeder "Experte" ist auch wirklich einer - aber das Internet hat da noch mal einen oben drauf gepackt - und wir als Konsumenten haben noch einiges nachzuholen an Aufklärung. Und da hapert es meiner Meinung nach extrem - im privaten Umfeld sind einige aus dem "Lehrkörper" und ich habe Kontakte in und zu Schulen... Mir würden spontan einige neue Fächer einfallen, die "uns" vom Konsumvieh weg zum wieder mündigen Bürger bringen würden.. Für jeden Mist sind Milliarden übrig, aber Bildung ist und bleibt ein Sparprogramm. Hoffentlich fliegt uns das nicht all zu sehr um die Ohren in Zukunft (und deswegen blubber ich wenigstens meine Kinder am laufenden Band mit solchen Themen zu.. Mal sehen, wie viel hängenbleibt...)

Ein entfernter Bekannter von mir sitzt bei Elektor (in Holland in dem Fall) und das ist noch einer vom alten Schlag, der an allem rumbaut, der auch noch in der Lage ist eine defekte Schaltung auseinander zu nehmen und mit Bauteilen für 50 Cent zu reparieren, statt das gesamte Gerät in die Tonne zu kloppen oder sich vom "Fachhändler/Werkstatt" eine Ersatzteil einbauen zu lassen, dass den Gebrauchtwert des Gerätes um das Doppelte übersteigt.. Der berichtet ähnliches (und die sinkenden Verkaufszahlen von Printmedien machen es da nicht einfacher...). Wenn ich mir anschaue, wie viel Elektromüll produziert wird und wie die Hersteller in den letzten Jahrzehnten zu "Einwegartikeln" geschwenkt sind, die oft gar nicht mehr reparierbar sind - kann ich nur hoffen, dass die momentane "Bewegung" in Richtung Umweltschutz, Nachhaltigkeit, etc... noch viel mehr Fahrt aufnimmt. Aber wenn (fast) die ganze Welt in diesem Modus ("nur Wachstum (von Geld und Konsum) bringt uns weiter") unterwegs ist - puh... harte Nuss..... (wer sich für so was interessiert: "Right to repair" ist ein großes Thema in den USA aktuell - Louis Rossman Videos könnte man sich anschauen...)

Beruflich hab ich hin und wieder mit Herstellern aus China zu tun (Audio gedöns, nix Akkus) - die haben dort noch nicht mal eine Idee von dem, worüber wir hier gerade sprechen - und China ist längst nicht mehr das ultraniedriglohnland, in dem das täglich Brot jedem näher ist als die Umweltverschmutzung durch Industrie... Und wenn die das nicht mal wirklich interessiert - wie will man diesen "Wahnsinn" den anderen Milliarden auf dem Planeten beibringen (Vorbildrolle der Industriestaaten wäre eine Möglichkeit - aber die muss man sich leisten können - ob wir das noch hinkriegen... hm...)

Oh, ich schweife noch mehr ab, sorry.. ....

Danke jedenfalls an Dich, dass Du hier eine Bastion des fachkundigen Wissensaustausches aufrecht erhältst und für Deine Art, Geschäfte zu machen. Mögen genug Kunden das zu schätzen wissen und Dir Dein Auskommen sichern !
Sehr, sehr interessant dein Erguss zum Thema der Nachhaltigkeit! Hatte das Thema erst wieder und mache - zurzeit nur bei Starterbatterien, später vielleicht mehr - im Prinzip auch nichts anderes: Dinge die andere Leute wegschmeißen (würden) einsammeln, regenerieren und (hoffentlich) wieder einer sinnvollen Verwendung zuführen! :thumbsup:

Ach ja, einen Beitrag zum eigentlichen Thema hab ich noch anzubieten: Von Diamex (oder wars tremex?) gibts den "Sweepy", der als aktives "Akkuaufrischding" sich von den passiven Entladepulsern abhebt... Als das Ding rauskam, dachte ich: "Na, mal sehen was das kann".... Und hab es zwei Wochen später nach "kann nix" wieder mit einer ausführlichen Mail zurückgeschickt... Das Ding lädt an sich mit schwachem Strom (erst mal ok), pulst dann und variiert diese Pulse (klingt auch erst mal gut) . Man kann zwischen drei Stärken Umschalten (klingt auch super).... Jetzt misst das Ding irgendwas (Innenwiderstand vielleicht?) und überlegt sich dann, wann es fertig ist und dank des schönen Displays zeigt es das dann auch an
Auf das Ding bin ich auch reingefallen! Musste damals extra bei Diamex paar Tage warten, da es angeblicht erst hergestellt werden musste. Jedenfalls hatte ich damals noch nicht so Ahnung von der Materie und die Frist fürs zurücksenden auch verpasst. Jetzt liegt es nur noch rum. :|

Reiner106

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11

27.11.2019, 09:21

Ja, schon komisch, wie die Welt so tickt... Ich glaube den Sweepy hat NIE irgendjemand wirklich auf Tauglichkeit getestet... Dass man so Produkte auf den Markt bringen kann und sie auch noch gekauft werden - bitter.