Servus Tom,
ja, die chinesischen KI Übersetzungen sind manchmal ungewohnt,
ich lege nicht jeden Ausdruck auf die Waagschale, oder auf english umschalten.
Das freut mich, aber viele, wenn nicht die meisten Batterie-Anwender, kommen bei solchen "alarmistischen" Formulierungen schnell ins Schwitzen. Was ich verstehen kann, denn wenn man gerade für teures Geld eine Batterie gekauft oder gebaut hat, dann möchte man nicht lesen, dass eine Spannung "zu hoch" sei. Man geht einfach davon aus, dass das BMS der Batterie schon dafür sorgt, dass genau das eben nicht eintritt.
Zitat
240mV sind für mich eine grosse Imbalance, Dali schaltet ab wegen 3.59V Spannung hoch, und die 3.3V Zelle verhungert, bei jeden Ladevorgang etwas mehr. Da gibt es eine gute Animation von microcharge.
Beim 140A hilft ein 8A Balancer nicht wirklich. Wobei Balancen wegen dem flachen Spannungsverlauf nur bedingt hilft. Wenn dann bei nahe 100% SOC, aber da macht das Dali eine Level 2 Notabschaltung, um weiteren Schaden zu vermeiden.
Es ist wieder die Sache mit dem Verständnis der Zusammenhänge: Wenn das nicht gegeben ist, dann kommt man auf unzutreffende Spekulationen.
Weil wir genau mit diesen Fragen
A. bis zu welcher Grenze Unbalancen zwischen Zellen normal sind und
B. ob untereinander abweichende Zellenspannungen tatsächlich immer Unbalancen anzeigen
jeden Tag zu tun haben, möchte ich gern noch einmal zu einer Erklärung ausholen.
Diese Grafik kennen sicher die meisten hier:

Bild 1: Spannungsverlauf einer LiFePO4-Zellen über den Ladezustandsbereich 0-100% (SoC).
Man sieht oben, dass 240mV Spannungsunterschied am Ladeschluss nur wenige Prozent SoC-Unterschied ausmachen, während derselbe Spannungsunterschied im mittleren Ladungsbereich durchaus über 90% SoC-Unterschied ausmachen können. Die Kennlinie ist eben nicht gerade. Besonders nicht an den Enden.

Bild 2: Spannungsverläufe von vier etwas unterschiedlichen Zellen in einer 4S-Reihenschaltung
In Bild 2 sind die Spannungsverläufe der vier Einzelzellen einer vierzelligen 12,8V LiFePO4-Batterie über den Ladezustand (SoC) übereinandergelegt eingezeichnet. Schaut man sich den rot umrandeten Bereich des Ladeschlusses rechts an, bemerkt man, dass die (rote) Zelle Nr. 4 schon auf 3,6V in der Spannung angestiegen und damit voll ist, während die (blaue) Zelle Nr. 1 zur selben Zeit noch immer auf etwa 3,4V liegt (das ist jetzt nicht 100% maßstabsgetreu gezeichnet, so genau habe ich es nicht hinbekommen).
Das ist aber keine Unbalance, sondern die Zelle Nr. 4 mit der geringsten Kapazität aller vier Zellen ist einfach etwas früher voll als die stärkste Zelle Nr. 1 mit der größten Kapazität. 
Wir erinnern uns: In einer Reihenschaltung ist der Strom an jeder Stelle zu jeder Zeit gleich groß!
Wenn also alle vier etwas verschieden großen Zellen exakt denselben Ladestrom über exakt dieselbe Zeit bekommen, ist es natürlich unvermeidlich, dass die schwächste Zelle auch zuerst voll ist. 
Entsprechend ist das auch kein Fehler, sondern ganz genau das, was man jeden Tag im Bereich des Ladeschlusses von LiFePO4-Reihenschaltungen sehen kann: Die Zellenspannungen spreizen sich zum Ende der Ladung sehr schnell und überraschend stark auseinander.
Genau dasselbe sehen wir auch bei der Entladung: Immer ist eine einzelne Zelle die erste, die in der Spannung gegenüber den anderen Zellen absackt. Sie ist einfach früher leer, weil ihre Kapazität etwas geringer ist als die der anderen Zellen. Und das ist schon das ganze Geheimnis.
Es ist auch sinnlos, diesem alltäglichen Phänomen mit einem Balancer oder Equalizer entgegenwirken zu wollen. Zwar würde man mit einem starken Equalizer bei geringen Lade- und Entladeströmen dieses auffällige Verhalten etwas abmindern können. Aber was würde das wirklich bringen? Man würde doch nur ständig hin-und-her umladen. 
Wenn bei Daly-BMS bei Erreichen der Level 2 Zellenspannung abgeschaltet wird, würde ich auch nicht das Wort "Notabschaltung" verwenden wollen, weil das nur signalisiert, dass diese Abschaltung möglichst nicht jeden Tag 17 Mal vorkommen sollte - wegen der "Not". Zumindest ich assoziiere mit "Notabschaltung" immer die Notabschaltung eines Kernreaktors, damit der nicht in den Super-GAU einer Kernschmelze läuft. 
Ich dagegen empfehlen meinen Kunden immer, genau dieses zuzulassen! Lasst doch das BMS entscheiden, wann die Batterie (oder die erste Zelle...) voll ist. Das BMS kann das ja viel besser, weil ihm alle Daten zu den Zellen vorliegen - die Ladestromquelle "sieht" dagegen nur die Gesamtspannung der Batterie. Die einzelnen Zellenspannungen kann es sich allein aus der Gesamtspannung aber nicht zusammenreimen.
Das BMS die Abschaltung wegen Erreichen des Ladeschlusses vornehmen zu lassen, hat auch noch einen ganz entscheidenden Vorteil:
Die Ladezustandsanzeige (SoC) wird dabei garantiert immer auf 100% gesetzt!
Genau das passiert aber oft leider nicht, wenn man die Ladeschlussspannung der Ladestromquelle niedriger legt, als die Abschaltspannung der BMS: Dann wird der Ladestrom zum Ende der Ladung langsam immer kleiner, die volle Aufladung dauert also immer deutlich länger, als wenn bis zur Abschaltung durch das BMS komplett durchgeladen wird. Und der Ladestrom kommt dann irgendwann mal komplett zum Stehen, weil der Potentialunterschied zwischen Ladestromquelle und Batterien Null geworden ist. Ab hier fließt dann nix mehr. Wenn man Glück hat, ist dann der SoC vom BMS schon auf 100% gesetzt worden. Wenn man Pech hat, ist das aber nicht passiert. Das hängt von der Ladeschlussspannung der Ladestromquelle ab, sowie von den Konfigurationseinstellungen des BMS.
Viele Kunden haben genau dieses Problem, dass das BMS am Ende der Vollladung den SoC nicht auf 100% setzt und die habe ich dann am Telefon. Immer ist es genau dieses Problem. 
Tut mir echt leid, dass meine Postings Euch immer die Zeit stehlen, aber ich versuche immer möglichst genau zu erklären, was ich vermitteln möchte. Und das braucht dann immer Platz und Zeit.
Grüße, Tom