Liontron 100AH nach Winter tiefentladen.
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Einfach ganz normal aufladen, da passiert überhaupt nix negatives. Die Zellen sollten möglichst schnell aus dem Tiefentladebereich herauskommen, damit die Lebensdauer nicht leidet.
Es ist ein Problem, wenn das BMS sich nicht bei Unterschreitung einer gewissen Zellen-Mindestspannung abschaltet, sondern lustig Bluetooth weiterfunkt, weil es dabei natürlich auch weiterhin Strom verbraucht. Besser wäre es, das BMS schaltet allerspätestens bei einer Zellenspannung von 2,2V ab. Das wäre schließlich auch eine Aussage.
Übrigens ist die Aussage "mit ca. 80% Restkapazität eingelagert" schwierig, weil die vom BMS angezeigte Restkapazität (auch Ladezustand oder SOC genannt) unter gewissen Betriebsbedingungen oft grob falsch ist. Besser ist es, sich an der Batteriespannung zu orientieren:
So ganz grob gilt:
>13,4V: 95% und mehr SOC
13,3V: 40 bis 90% SOC
13,2V: Etwa 30% SOC
<12,8V: 10% oder weniger SOC
Grüße, Tom
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Vielen Dank.
Ich werde gleich Mal laden.
Die Aussage die Kapazität über die Spannung zu ermitteln ist super interessant...
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Akku geladen und eine Woche im Camper getestet.
Alles super.
Nochmals vielen Dank!
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Hallo an alle.
Ich habe mich gerade registriert und natürlich auch eine Frage, die zu dem obigen Abhandlung in etwa passt.
Ich möchte in meinem Wohnmobil LMC Cruisser 662 T Bj. 2018 die Gel-Batterie durch eine Lithium LifPro 4 mit BMS 100 Ah ersetzen.
Verbaut ist auch der Elektroblock EBL 630 B.
LMC teilt mir mit, dass das Elektroniksystem im Reisemobil nicht für Lithium Batterien ausgelegt ist und rät mir von einer Montage ab.
Eine Rückfrage beim Hersteller des EBL, Fa. Schaudt gibt nachstehende Antwort:
Zitat" mit dem EBL 630 können Sie nur Lithium Batterien betreiben, wenn diese ein BMS (Batterie Management System) besitzen.
Zudem muss der Batteriewahlschalter auf Blei Gel stehen.
Sollten Sie einen Austausch der Batterien vornehmen wollen, kontaktieren Sie bezüglich einer Empfehlung den Fahrzeughersteller.
Alternativ können Sie unter der Vorlage der Ladekennlinie des EBL beim Batteriehersteller die Freigabe einholen, ob und welche Schalterstellung am EBL für die Ladung geeignet ist.
Bei Lithium-Batterien mit BMS (Batteriemanagementsystem) kann meisten die Einstellung Blei/Gel verwendet werden." Zitat Ende.Ich bin nun leider überfordert. Kann ich nun austauschen oder sollte ich es bleiben lassen?
Vielleicht gibt es eine Antwort für mich. Vielen herzlichen Dank.
fips
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Hallo,
da macht der Mensch schon alles richtig und fragt ganz explizit den Womo-Hersteller und bekommt dann so eine Antwort. Und damit bist Du nun so schlau als wie zuvor.
Eine typische Antwort von jemandem, der nicht weiß, was er darauf antworten soll...Also ganz zuerst mal: Um die heilige "Ladekennlinie" wird wirklich ein unglaublich lächerliches Bohau gemacht. Das konnten schon die Ladegerätehersteller ganz vorzüglich und haben sich ihre Kunden damit untertan gemacht, indem sie ihre Ladegeräte mit "Ladekennlinien" für Blei, Blei-Gel, AGM und Rundzellenbatterien ausgestattet haben. So kann nun jeder Benutzer von Bleibatterien immer die genau zu seiner Batterien passende "Ladekennlinie" einstellen.
Heißa! Blöd nur, dass es die gar nicht gibt.
Außerdem sind es keine "Kennlinien", sondern Spannungswerte. Mit der Auswahl legt man die Ladeschlussspannung fest, also die Spannung, bis zu der eine Batterie aufgeladen wird. Erstaunlicherweise haben aber alle Bleibatterien im Großen und Ganzen dieselben Ansprüche an die Ladeschlussspannung. 
HÄH?

Tja, so ist das aber:
- Eine Starterbatterie mit flüssigem ("flooded") Elektrolyten ist eine Bleibatterie.
- Eine Bleibatterie mit Scheidern aus Glasflies (AGM, Absorbed Glas Mat) ist eine Bleibatterie.
- Eine Gel-Batterie ist eine Bleibatterie (das "Gel" ist nichts anderes als verdünnte Schwefelsäure, die durch Zugabe von Kieselgur eingedickt wurde).
- Eine (Blei-)Rundzellenbatterie ist auch eine Bleibatterie, halt eine AGM-Batterie mit aufgewickelten Elektroden.
Aber: Wenn das alles Bleibatterien sind, wieso sollten sie denn dann unterschiedliche "Ladekennlinien" - Entschuldigung: Ladeschlussspannungen -brauchen

Ja, nee, sie brauchen wegen ihrer baulichen Unterschiede gar keine unterschiedlichen Ladeschlussspannungen, sondern Bleibatterien brauchen abhängig von den Betriebsbedingungen denen sie unterliegen verschiedene Ladeschlussspannungen! Aber das sagt Ihnen natürlich keiner...
Aber wenn den verschiedenen Batterietypen schon ganz simpel nur verschiedene Ladeschlussspannungen zugeordnet werden, warum schreibt man dann nicht gleich 14V, 14,2V, 14,4V oder 14,6V drauf, sondern zählt verschiedene Batterietypen auf? Ebensogut kann man von "Ladekennlinien" für rote, blaue, gelbe und schwarze Batterien schwafeln. Was natürlich Unsinn wäre. Oder eben von den jeweiligen Betriebsbedingungen, die jeweils besondere Ladeschlussspannungen erforderlich machen. Aber das ist den Herstellern wohl zu kompliziert.Entschuldigung wegen der etwas launischen Darstellung und den vielen Smilies - aber herrjeh! Irgendwann hat man es als Batteriemann echt über, immer diesen grauenhaften Bullshit lesen zu müssen. Ich hatte dazu schon mal vor ein paar Wochen etwas geschrieben:
Und nun - endlich - komme ich zu LiFePO4-Batterien.
Aaaalso: LiFePO4-Batterien kommen immer mit einem BMS daher, einem "battery management system" und dieses soll die Batterie überwachen und abschalten, sobald irgendwelche Betriebsdaten drohen, den Bereich der zulässigen Kenndaten zu verlassen: Überladung, Tiefentladung, Ladung und Entladung mit zu hohem Strom und bei zu hoher oder zu niedriger Temperatur. Sie brauchen das, damit sie nicht schon binnern kurzer Zeit kaputtgehen. Was den Vorteil hat, dass LiFePO4-Batterien sich recht brauchbar selbst vor Falschbehandlung schützen können.

Aber welche Ladeschlussspannung brauchen (12V) LiFePO4-Batterien denn nun? Die LiFePO4-Batterie selbst irgendwas zwischen 13,8 und 14,6V.

Aber die im BMS enthaltene Ladezustandsanzeige will eine ganz bestimmte Mindest-Ladeschlussspannung "sehen", damit der von der Smartfon-App oder der integrierten SOC-Anzeige angezeigte Ladezustand bei Vollladung wieder auf 100% gesetzt wird. Bei den meisten (12V-) LiFePO4-Batterien sind hierfür 14,0 bis 14,6V erforderlich. Werden diese Spannungen erreicht, schaltet die Ladezustandsanzeige pflichtschuldigst auf 100% und der Anwender weiß, dass seine Batterie nun voll aufgeladen ist. Das ist sie zwar bei jeder Ladeschlussspannung zwischen 13,8V und 14,6V, aber die Ladezustandsanzeige will eben eine ganz bestimmte Spannung sehen. Und so hat die Ladeschlussspannung bei LiFePO4-Batterien praktisch ausschließlich für die Ladezustandsanzeige der Batterie eine Bedeutung, für die Batterie an sich aber eher nicht.
Lustig wa? "Ladekennlinie" - dass ich nicht lache... Klingt aber nach was. Sie werde nicht glauben, wie gut man mit solchen hochtechnisch klingenden Worten Ladegeräte verkaufen kann.

Zurück zur Frage: Kannst Du die Bleibatterie einfach gegen eine LiFePO4-Batterie austauschen?
Ja natürlich!

Es kann allerdings zu Problemen kommen:
Der Ladestrom für LiFePO4-Batterien darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten, andernfalls schaltet das BMS die Batterie ab und sie wird nicht aufgeladen. Aus diesem Grund empfehle ich meinen Batteriekunden ganz pauschal, einen Ladewandler, auch Ladebooster genannt, zu verwenden. Dieser hebt die Ladespannung auf einen auch unter Last optimalen Wert an und begrenzt zugleich den Ladestrom, so dass es nicht zu Problemen kommen kann. Es ist aber auch gut möglich, dass der maximale Ladestrom bei einer gegebenen Wohnmobilinstallation und einer leeren LiFePO4-Batterie wegen der individuell verwendeten Kabel (Länge, Querschnitt) gar nicht so besonders hoch ansteigt. In diesem Fall wäre zumindest wegen der empfohlenen Ladestrombegrenzung kein Ladewandler erforderlich.
Wie kriegt man nun aber raus, ob man einen Ladewandler braucht oder nicht?
Man kann so vorgehen, dass man versuchsweise einfach eine LiFePO4-Batterie einbaut, diese ein Stück weit entlädt und sich dann den Ladestromverlauf bei gestartetem und auf etwa 2.500U/min hochgedrehtem Motor anschaut. Das geht ja sehr bequem über die Smartfon-App, die es für jede LiFePO4-Batterie gibt: Steigt der Ladestrom nicht über den Wert des maximal zulässigen Ladestroms einer Batterie an (der Wert steht in der Anleitung der Batterie und liegt meistens zwischen 70 und 150A), hat man kein Problem. Wird der Wert aber überschritten, oder die Batterie wird wegen Überstroms sogar vom BMS abgeschaltet, dann braucht man einen Ladewandler, um den Ladestrom zu begrenzen! Andernfalls schaltet sich beim Laden über die Lichtmaschine regelmäßig die Batterie ab und damit würde man (und die neue Batterie) wohl kaum glücklich werden.
Um mehr geht es aber im Grunde nicht!
Grüße, Tom
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Hallo Tom,
erst einmal herzlichen Dank für die doch sehr ausführlichen Erklärungen und das alles ohne Fremdwörter
und dann noch so erläutert, dass auch ich als Laie das verstehe. Ich bin meiner Entscheidung nun ein paar Schritte näher.Im WoMo ist ein EBL 630 verbaut, der die Spannung zur Batterieladung kontrolliert abgibt. Würde ja den Ladewandler ersetzen, richtig?
Wenn das so korrekt ist, dann steht meinem Kauf nix mehr im Wege und ich habe eine enorme Gewichtseinsparung im WoMo.
Viele Grüße
Karl-Heinz
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M.W. enthalten die Schaudts nur Trennrelais, können Spannung und Strom von der Lichtmaschine also nicht regeln, sondern nur ein und ausschalten. Allerdings ist da noch ein Netzladegerät verbaut, das regelt seine Spannung natürlich. Aber das ist wieder eine andere Geschichte...
Grüße, Tom
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