USV - AGM gegen LiFePo4 tauschen

  • Moin,


    ich hab hier eine 4500 VA Online-USV. Die funktioniert soweit auch, auch bei schwankender Eingangsspannung kommt hinten 230V raus.


    Nur wenn der Strom weg ist, dann schaltet sich die USV aus, Fehlermeldung Batterien tiefentladen/fehlerhaft.


    In der USV sind 20 Stück 12V/5Ah AGM Batterien in Serie. Die Ladespannung beträgt 274V.


    Kann man die jetzt gegen LiFePo4 tauschen? Aber wie funktioniert das mit der Balancierung? Wie funktioniert das eigentlich bei den AGMs mit der Balancierung? Ich hab was gelesen vom zyklischen Überladen um die Batterien zu balancieren?

    LiFePo4 mit BMS sollen die Batterie evtl. abschalten, wenn voll? Dann geht das mit der Reihenschaltung natürlich nicht.


    Ich hab jetzt schon einiges darüber gelesen, aber so richtig schlau geworden bin ich noch nicht.


    Gruß,
    Martin

  • Das wird schwierig, da für eine Ladespannung von 274V 75 Stück LFP-Akkuzellen (je Zelle gilt eine Ladeschlussspannung von 3,65V) in Reihe geschaltet werden müssen. Das wäre nun an sich natürlich kein Problem. Jedoch wird für alle Lithium-Systeme immer ein BMS benötigt, welche die Zellen gegen zu hohe oder zu niedrige Spannungen absichert. Und das wäre dann eben ein 75S-BMS. Mir ist kein Hersteller eines solchen BMS bekannt, so dass ich fürchte, dass sich hier ein Beschaffungsproblem ergibt. -|-


    Selbstverständlich lässt sich auch in einer Reihenschaltung von 75 Zellen der Ladestrom vom BMS abschalten, wenn die erste Zelle am Ladeschluss ankommt. Das wird normalerweise nicht zu Problemen führen, weil die Entladestromrichtung dabei selbstverständlich immer aktiv bleibt. Die "Abschaltung" bei Erreichen des Vollladezustands erfolgt also immer nur in Richtung des Ladestroms. Ein Entladestrom kann dennoch jederzeit fließen. Jedenfalls wenigstens so lange, bis die erste Zelle am Entladeschluss ankommt. Dann würde die Batterie in Entladestromrichtung abgeschaltet werden, während die Ladestromrichtung natürlich eingeschaltet bliebe, um einen eventuell angebotenen Ladestrom aufnehmen zu können.


    Bei Bleiakkus ist normalerweise kein BMS notwendig, weil Bleiakkus bei Überladung natürlich zu gasen beginnen und auf diese Weise elektrisch weiter zugeführte Leistung in Knallgas und Wärme umsetzen. Lithium-Zellen können das nicht und würden bei Überladung in der Spannung immer weiter ansteigen, bis sie beschädigt werden.


    Bei der Entladung "verzeihen" Bleiakkus Tiefentladungen besser als Lithium-Systeme, weshalb auch hier nicht unbedingt BMS für Bleiakkus erforderlich sind, Lithium-Systeme bei Tiefentladungen aber sehr schnell defekt werden.


    Grüße, Tom

  • da für eine Ladespannung von 274V 75 Stück LFP-Akkuzellen (je Zelle gilt eine Ladeschlussspannung von 3,65V) in Reihe geschaltet werden müssen. Das wäre nun an sich natürlich kein Problem. Jedoch wird für alle Lithium-Systeme immer ein BMS benötigt, welche die Zellen gegen zu hohe oder zu niedrige Spannungen absichert. Und das wäre dann eben ein 75S-BMS. Mir ist kein Hersteller eines solchen BMS bekannt, so dass ich fürchte, dass sich hier ein Beschaffungsproblem ergibt. -|-

    Ich dachte ja auch eher an so 12V Drop-in Replacement LiFePo's für die 12V 5Ah AGM Batterien. Aber die sind dann vermutlich nicht geeignet, um 20 davon hintereinander zu schalten...



    Selbstverständlich lässt sich auch in einer Reihenschaltung von 75 Zellen der Ladestrom vom BMS abschalten, wenn die erste Zelle am Ladeschluss ankommt.

    Ja was ich meine - soweit ich gelesen habe - wenn man so einen direkten Ersatz 12V LifePo-Akku nimmt, dann schaltet der den Ladestrom aus, sobald der Block voll ist. Wenn nun da die nächsten 19 Blöcke in Reihe hinterhängen, die noch nicht voll sind, dann funktioniert das natürlich nicht, weil kein Strom mehr fliesst...


    Bei der Entladung "verzeihen" Bleiakkus Tiefentladungen besser als Lithium-Systeme, weshalb auch hier nicht unbedingt BMS für Bleiakkus erforderlich sind, Lithium-Systeme bei Tiefentladungen aber sehr schnell defekt werden.

    Ich dachte die LiFePo's vertragen die Tiefentladung besser?


    Aber darum gehts mir eigentlich gar nicht. Ich hab nur irgendwie was dagegen, daß alle paar Jahre die Batterien in der USV defekt sind, obwohl man sie praktisch nicht benutzt hat.


    Eine LiFePo-USV scheint mir da eine Alternative zu sein, aber ist praktisch nicht am Markt verfügbar und Umrüsten einer AGM-USV scheidet anscheinend auch aus...

  • 12V-LFP-Batterien kann man zwar auch in Reihe schalten, nur muss man bedenken, dass in jeder dieser Batterien ein eigenes BMS drinsteckt. Das führt in einer Installation mit 274V-Gesamtspannung natürlich dazu, dass diese 274V bei Abschaltung des ersten BMS dann an diesem anliegen. Nun sind aber die Schaltendstufen von 4S/12V-BMS nicht für eine zu schaltende Spannung von bis zu 274V ausgelegt, so dass es sehr wahrscheinlich wäre, dass das betreffende BMS sogleich den Heldentod stirbt. Also dieser Weg dürfte nicht sinnvoll zu beschreiten sein.


    Hinzu kommt, dass die in den vierzelligen 12V-Batterien enthaltenen BMS natürlich die Zellen einwandfrei ausgleichen, aber natürlich immer nur die vier Zellen, die sie auch unter ihren Fittichen haben. Also muss man die 19 Blöcke auch noch untereinander balancieren, was zwar technisch möglich ist, aber vom Aufwand her klar ausufert. Weshalb ich den Weg mit den 19 Stück 12V-Batterien in Reihe auch für nicht wirklich gangbar halte.


    LFP-Zellen mögen Tiefentladungen von tiefer als 2V überhaupt und gar nicht. Ich habe bei mehreren tausend verkauften LFP-Zellen genau drei defekte in der Akku-Schrottkiste: Zwei davon wurden von einem Kunden durch Falschanschluss tiefentladen, weshalb diese einen internen Kurzschluss erlitten haben. Und eine Zelle habe ich mutwillig bei Kaltladungsversuchen so stark beschädigt, dass ich sie danach weggeschmissen habe. Sprich: Diese Dinger sind unglaublich haltbar und frei von Mängeln, aber Tiefentladungen und Ladung bei sehr tiefen Temperaturen und zugleich hohem Strom mögen sie gar nicht.


    Grüße, Tom

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