Kaltstartstrom bei neuer VARTA Batterie

  • Hallo zusammen,

    da ich mit meinen geschätzt 15-20 Fahrzeugen (PKW, Traktoren, Quad, Mopeds, Rasentraktor, Bagger....) immer wieder Probleme mit den Batterien habe, bin ich gerade dabei, mich zu diesem Thema einzulesen.

    Größte Sorgen macht mir mein Oldtimer, der mittlerweile rote Lämpchen anmacht, vermutlich weil die Batteriespannung zu niedrig ist (und der TÜV seinen Stempel verweigert).

    Ich hatte mir im Frühjahr eine neue Batterie gekauft, auf Anraten des Händlers keine Markenbatterie, da diese eh wieder wegen der seltenen Nutzung kaputt geht. Ich habe diese Eingebaut und bin erst 4 Wochen danach gefahren, leider war diese da Leer (tiefentladen, die vorherige Batterie war hat bis zum Schluss eigentlich immer funktioniert, im Winter immer mal wieder das CTEk dran, das hatte für den Sommer ausgereicht).

    Ruhestrom habe ich mit dem Zangen- Amperemeter gemessen, der ist um die 10mA. Laut TOPDON war die Batterie grade noch gut, allerdings gingen die Lämpchen mit dem Ladegerät aus, was für mich bedeutet, dass die Spannung zu gering ist (glaub das waren 12,4, es geht ja jetzt um die neue Batterie). Da die Batterie nun insgesamt 3 Monate alt und tiefentladen war brauche ich damit leider nicht mehr zum Händler.

    Also für viel Geld wieder eine neue, dieses mal Markenbatterie gekauft. Varta H3 100Ah mit 830 Kaltstartstrom. Vor dem Einbau habe ich das TOPDON dran gehängt. Danach zeigte sie eine "Gesundheit" von 80% (744A anstatt die angegebenen 830A). Die Ladespannung war 100% (12,62V). Also über Nacht das CTEK dran, heute morgen abgemacht, ne halbe Stunde gewartet und wieder gemessen. Siehe da, 88% "Gesundheit" mit 780A, Ladespannung von 13,08V, alles im Ausgebauten, jungfräulichen Zustand

    Jetzt zu meiner simplen Frage nach dem langen Text, ist die nagelneue Batterie mit dem Kaltstartstrom von 780A anstatt den angegebenen 830A so i.O.?

    Ich weiß, das TOPDON ist eher zum schätzen, allerdings habe ich mal einiges an Batterien getestet bei mir, da kommen die Werte hin (habe relativ neue Batterien im Maschinen, die öfters laufen, da war der Kaltstartstrom 100%, und schon sehr ausgelutschte, da passte der Wert um Zustand der Batterie in etwa. Der Wert lässt sich nicht so einfach messen, aber bei 20° müsste doch zumindest der angegebene Wert erreicht werden?


    Viele Grüße aus der Pfalz,

    Carsten

  • Hallo Carsten,

    der Kaltstartstrom ist bei der Frage, ob die Batterie "noch" gut ist oder nicht, eher irrelevant, denn so kalt ist es ja gar nicht. Eigentlich wird dabei ja auch nur der Innenwiderstand der Batterie gemessen und gar nicht der Strom bei -18°C Batterie-Temperatur. Und dann wird ein Stromwert ausgegeben und kein Widerstandswert. Also alles in allem ist der Sinn dieser "Kaltstartstrom-Messung" schon sehr zu hinterfragen. :rolleyes: Es hat sich allerdings herausgestellt, dass merklich sinkende Messwerte gut mit einer ebenso merklich schwächer werdenden Batterie korrelieren. Die Messung kann in der Praxis also durchaus Sinn machen, nur hat sie eben mit dem möglichen Startstrom bei einer Batterietemperatur von -18°C nicht viel zu tun.


    Ich erkläre das deshalb, damit man die ermittelten Werte nicht zu ernst nimmt, denn sie lassen keine absolute Beurteilung im Vergleich mit dem Aufdruck auf dem Typenschild einer Batterie zu, weil sie eben nicht dem entsprechen, was da genannt wird, sondern das Ergebnis einer ganz andere Messung sind, nämlich einer Innenwiderstandsmessung bei Zimmer- bzw. Außentemperatur. Daher braucht es nicht zu verwundern, wenn der Messwert etwas ganz anderes ergibt, als auf der Batterie draufsteht. Es wundert mich im Gegenteil immer wieder, dass die gemessenen Werte sich oft wenigstens in etwa im Bereich dessen aufhalten, was die Hersteller auf ihre Batterien schreiben. Aber egal...


    Ich nehme an, dass deine Batterie auch gar nicht das Problem ist, sondern die Ladespannung bzw. die Leistung deiner Lichtmaschine. Du schriebst oben von 13,08V Ladespannung. 13,08V ist aber keine Ladespannung, sondern irgendwas zwischen der Leerlaufspannung einer Bleibatterie und einer Ladespannung. Geladen werden kann nur mit Spannungen von mindestens 13,6V. Und selbst damit nur schlecht. Selbst 13,8V wären recht wenig und führen oft zu Unterladeerscheinungen wie Sulfatierung. Optimal wären etwa 14,4V. Mit dieser Spannung fließt einerseits ein ausreichend hoher Ladestrom, so dass die Batterie einigermaßen zügig wieder aufgeladen wird und andererseits ist sie nicht so hoch, dass unerwünschte Nebenwirkungen wie Gasung auftreten würden. Weshalb ich der Ursache nachkriechen würde, warum die Ladespannung bei deinem Auto nur 13,08V beträgt.


    Eine mögliche Ursache könnte sein, dass die Lichtmaschinenleistung nicht ausreicht, die Batterie auf eine höhere Spannung "zu heben", weil die Batterie z.B. ein ganzes Stück weit entladen ist und der Motor bei der Messung nur im Leerlauf läuft. Bei Leerlaufdrehzahl stehen, bei einer Drehstromlichtmaschine, nur etwa 30% der Nennleistung der Lichtmaschine zur Verfügung. Also während der Messung die Motordrehzahl auch mal auf rund 2.500 U/min anheben und schauen, ob dann die "Ladespannung" ansteigt. Falls sie das nicht tut, oder nur in geringem Maße, sind vermutlich die Kohlebürsten des Lichtmaschinenreglers verschlissen, so dass die Lichtmaschine nicht mehr ihre volle Leistung erreicht. Ein Austausch von Kohlebürsten oder Regler behebt solche Probleme und dann in der Folge meist auch die Probleme, die man bisher - zu Unrecht - der Batterie angelastet hat.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,

    danke für die ausführliche Antwort.

    Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Mit Ladespannung habe ich die Spannung gemeint, die die Batterie im ausgebauten Zustand hatte, nachdem ich diese geladen habe (und 30 Min gewartet habe). Die eigentlich Ladespannung hatte der Meister, bei dem ich war, gemessen und er meinte die wäre ok (das werde ich auch prüfen, wenn ich die neue eingebaut habe). Ladeleistung sollte also passen.

    Die Frage ist eigentlich, ob die neue, noch nicht verbaute Batterie mit einem von mir gemessenem Kaltstartstrom mit TOPDON mit 88% so ok ist, oder ob ich diese reklamieren soll. Wie die Messungen/Werte zustande kommen, kann ich einigermaßen nachvollziehen (elektrisches Verständnis/Ausbildung vorhanden, allerdings nicht wirklich in der Chemie der Autobatterie... :-).

    Dennoch vielen Dank für die ausführliche Antwort.


    Grüße,

    Carsten

  • Nach DIN (Deutsche Industrie-Norm) wird die vollgeladene 12V Batterie bei -18 °C auf bis zu 6V entladen, sollte nach 30 Sekunden jedoch noch mindestens 9V haben und die Grenze von 6V erst nach 150 Sekunden erreichen. (Quelle: https://batterie24.de/lexikon/kaltstartstrom/)


    Eine Reklamation würde daher erst dann Sinn ergeben, wenn die Batterie die o.g. Forderung nicht erfüllt. Um das zu belegen reicht die "Messung" mit einem Batterietester bei Zimmertemperatur aber - natürlich - nicht aus.


    Grüße, Tom

  • Wobei sich zwei Fragen stellen, nämlich 1. ob sich dieser "Mangel" überhaupt jemals wirklich bemerkbar macht und 2. ob hier überhaupt ein reklamierbarer Mangel im Sinne der gesetzlichen Sachmängelhaftung vorliegt, soweit die Angabe Deines Messgerätes dem tatsächlichen Kaltstartstrom nach DIN (oder CCA oder nach was Dein Messgerät gemessen hat) wirklich entspricht.

    Andererseits kannst Du natürlich eine Messung nach Definition der Norm vornehmen und dann ggf. eine entsprechende Mängelrüge beim Händler vorbringen. Dem steht ja nichts Wesentliches entgegen. Außer dem Messaufwand natürlich.

    Wenn der Händler was taugt, dann wird er selbst eine Messung des Kaltstartstroms vornehmen und kann dann entscheiden, ob die Reklamation berechtigt ist, oder nicht. Wenn ja, wird er eine mangelhafte Batterie bei seinem Großhändler selbst reklamieren können und von dort kostenlosen Ersatz erhalten, den er Dir dann entsprechend im Austausch zur Verfügung stellen wird. :)


    Grüße, Tom

  • Erfahrungsgemäß erhält man sehr selten mangelhafte Bleiakkus als Neuware, außer sie lagerten schon 2 Jahre (ohne nachladen) beim Händler und haben dann beim Kauf bestenfalls noch 12,3 Volt Leerlaufspannung.


    In meiner Garage steht unter anderem ein AUDI 80 B4 TDI von 1994, welchen meine Frau maximal 2000 Kilometer pro Jahr bewegt. Deshalb habe ich auch bei letzten Tausch der "Billig Starterbatterie" im Frühjahr 2007 ein energiesparendes Netzladegerät mit 13,4 Volt Ausgangsspannung dauerhaft parallelgeschaltet. Diese mittlerweile übere 18 Jahre alte Starterbatterie startet den guten alten TDI noch immer einwandfrei und der Audi hat in den vielen Jahren nur ungefähr 30000 Kilometer zurückgelegt!


    Auch meine Motorräder werden selten bewegt und deshalb auch alle mit max. 13,4 Volt Erhaltungsladespannung versorgt, dort hatte ich in den vergangenen 20 Jahren keine einzige AGM Starterbatterie welche nicht mindestens 10 Jahre hielt!

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