Bepulsung von Bleibatterien und Ermittlung des Desulfatierungserfolges danach

  • Hallo Tom,


    ich habe viele Stunden wissbegierig in deinem Forum verbracht, vor allem hinsichtlich der Möglichkeiten zur Auffrischung von Bleiakkus.

    Neben einem Labornetzeil habe ich mir auch den Desulfatierer gegönnt, nachdem der Pulsar leider nicht mehr verfügbar ist (klang nach einem schönen Kistchen ausgetüftelter Elektronik).


    Nun zu meinen Fragen: der vereinfachte Desulfatierer hat ja keinerlei Statusanzeige, lediglich eine Betriebs LED. Wie weiß ich denn, wann ich damit mit dem Bepulsen aufhören soll?

    Ich habe schon mit meinem Messequipment Zuhause probiert etwas schlauer zu werden, was der Desulfatierer eigentlich genau tut, konnte allerdings keine Pulse in dem Sinne messen (habe aber leider auch kein Oszilloskop). Hast du hier mal detaillierter analysiert, was die kleine Platine tut? Falls ja, wäre ich begeistert über mehr Details.

    Einzig dass die Spannung bei einer 12Ah Motorradbatterie, meinem ersten Testkandidaten, relativ schnell auf 16+ V ansteigt, konnte ich messen, was mich etwas verunsichert. Hier gast die Batterie natürlich bereits, bisher aber nur sehr minimal Wasserverlust (gewogen), ebenfalls ist die Gitterkorosion hier vermutlich in vollem Gange.

    Habe nun etwa drei Tage bepulst, woher weiß ich, wann es ausreicht bzw wann es nicht mehr besser wird? Der Innenwiderstand der Batterie hat sich auf jeden Fall bereits reduziert, ebenfalls der Kaltstartstrom.


    Viele Grüße

    Fabian

  • Hallo Fabian,


    ja stimmt: Es ist immer blöd, dass man beim bepulsen den Erfolg der Maßnahme nicht so ohne weiteres irgendwo ablesen kann. So einfach ist das leider nicht, dass ein Pulser eine entsprechende Diagnose-Messeinrichtung zum Erfolg der Bepulsung gleich mitbringen würde. Ich empfehle daher folgende Möglichkeiten, den Erfolg solcher Kuren zu überprüfen.


    1. Kapazitätsmessung durchführen.


    Man lädt die Batterie randvoll und entlädt dann die in ihr gespeicherte Energie. Diese Energiemenge misst man während der Entladung und bekommt auf diese Weise eine bezifferte Energiemenge ausgewiesen, welche die Batterie abgeben kann und die man sehr gut zu Vergleichszwecken verwenden kann. Ergibt sich nach wiederholter Bepulsung kein weiterer Kapazitätsgewinn mehr, wird alles Bleisulfat wieder in Blei und Bleidioxid umgewandelt sein, so dass weitere Bepulsung keinen Vorteil mehr erbringt. Nachteil: Wenn man vor der Bepulsung keine Kapazitätsmessung gemacht hat, kann man mangels Vergleichsmöglichkeit den Erfolg der Bepulsung kaum sinnvoll quantisieren.


    2. Batterie-Schnelltester verwenden.


    Es gibt Batterie-Schnelltester speziell für Starterbatterien (z.B. meine Artikel-Nr. 2110 und 2121), welche einen sehr schnellen Messwert für den Gesundheitszustand einer Bleibatterie ermitteln und ausgeben. Solche Geräte kann man natürlich auch zur Ermittlung des Desulfatierungserfolges verwenden. Allerdings beziehen sich die qualitativen Aussagen solcher Tester hauptsächlich auf die Stromlieferfähigkeit von Batterien, also deren Innenwiderstand und es ist nicht immer klar, ob sich der Innenwiderstand von zuvor ansulfatierten Batterien durch eine Bepulsung oder Hochspannungsladung wirklich signifikant vermindert.


    Das waren im Prinzip schon die beiden Messmöglichkeiten, die zur Quantisierung eines Desulfatierungsdurchgangs zur Verfügung stehen. Es gibt auch Abwandlungen davon, wie z.B. einen Kapazitätstest durch Entladung der betreffenden Batterie mit einer Glühlampe, um die für die Entladung benötigte Zeit zu messen und so einen Amperestunden-Wert zu ermitteln. Diese Methode hat den Vorteil, dass kein Messgerät benötigt wird, aber den Nachteil, dass es dabei schnell zur schädlichen Tiefentladung einer Batterie kommt, weil man meist nicht rechtzeitig bemerkt, wenn die Lampe beginnt dunkler zu leuchten. Als weiterer Nachteil muss aber gesagt werden, dass zyklische Ladungen/Entladungen bei Bleibatterien immer zu Lasten der Lebensdauer gehen. Man verschlechtert also durch die Messung selbst die Gesundheit zumindest bei angeschlagenen Bleibatterien zusätzlich.


    Bleibt daher in der Praxis meist nur der Schnelltest mit einem der oben unter 2. genannten Schnelltester, um sich einen Überblick zu verschaffen. Aber man sollte eben auch vor dem Desulfatieren messen, damit man einen Vergleich hat.


    Achso: Wie lange sollte man eigentlich bepulsen?

    Da grobe Bleisulfat-Klumpen ein ungünstiges Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen aufweisen und deshalb entsprechend hochohmig sind (das ist ja gerade das Problem damit), dauert es zwangsläufig eine längere Zeit, bis solche Klumpen aufgelöst und so wieder zu aktivem Blei und Bleidioxid zurückgebildet wurden. Als erstes muss die betreffende Batterie so voll wie möglich „voraufgeladen“ werden, denn das, was ein normales Ladegerät oder Netzteil in die Batterie einlädt, muss der Pulser nicht mehr mühsam und zeitaufwändig einladen. Danach würde ich eine Bepulsungszeit von mindestens einer Woche empfehlen. Bei großen Batterien dauert es naturgemäß länger, denn wenn nicht gerade in einem sehr frühem Stadium der Sulfatierung bepulst wird, wird sich darin viel grobes Bleisulfat befinden, was entsprechend länger dauert. Also mehrere Wochen bis zu einem Monat bepulsen. Wenn man jedoch feststellt, dass die Spannung durch die Bepulsung über 15,5V hinaus ansteigt, sollte man die weitere Bepulsungszeit begrenzen, um der Batterie nicht zu schaden (Gasung, Elektrolytverlust, Gitterkorrosion). Also auch hin und wieder mal die Spannung an den Polklemmen messen, damit man erkennen kann, ob die Batterie sich schon im schädlichen Spannungsbereich befindet.


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    super danke dir für die super schnelle Antwort (und das auch noch am Wochenende!) :)

    Genau, das war mir so weit bereits aus deinem Forum bekannt. Auch einen Schnelltester hab ich bereits, mir geht es auch hauptsächlich um eine mögliche Erhöhung des Kaltstartstroms, um die Saisonfahrzeuge etwas aufzupeppeln.

    Bei der Motorradbatterie war der Pulser bereits einige Zeit bei über 16 Volt am werkeln, der Innenwiderstand ging dadurch tatsächlich nach unten und der CCA entsprechend hoch. Ich habe die Batterie gewogen und lediglich 5g Wasserverlust dadurch gehabt, also wenig tragisch.


    Meine eigentliche Frage bleibt aber noch: hast du die Funktionsweise der Elektronik mal überprüft? Aus deiner Anleitung zum Power Pulsar ist mir das relativ klar geworden, bei dem kleinen Desulfator konnte ich persönlich mit dem Multimeter bzw dem Lichtmaschinentest des Testers aber kein Pulsen messen. Da du sicher ein Oszilloskop hast, habe ich die Hoffnung, dass du das als neugieriger Elektroniker mal gemacht hast und offensichtlich für gut befunden, wenn du das Teilchen vertreibst :)

    Vielleicht hast du es aber auch über vorher nachher Vergleiche verifiziert? Dann merk ich mir entsprechend, dass ich bei max 16V dann aufhöre (bzw ab hier nur noch 24 Stunden, wie ich in nem Forenbeitrag gelesen hab).


    Viele Grüße

    Fabian

  • Einen der Desulfatierer habe ich gerade in Form einer Kundenraklamation zurückbekommen und überprüft und dabei einen Schaden festgestellt, der die Funktion des Desulfatierers gelähmt hat. Der Hersteller scheint entweder gar keine Endkontrolle durchzuführen, oder sie ist qualitativ mangelhaft. =O Falls Du Zweifel an der Funktion des Gerätes hast, kannst Du es mir gern zur Überprüfung zurückschicken. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% könnte auch dieser tatsächlich einen Schaden aufweisen. Soweit die Geräte normal arbeiten, sind mit dem Oszilloskop deutliche Impulse feststellbar. Es handelt sich also nicht um Placebos, nur ist die Qualität leider nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Das war bei meinen Power-Pulsaren natürlich anders und dort konnte man die korrekte Funktion schon an der dort eingebauten „Ampel“ erkennen, aber solch eine Kontrolle fehlt bei den aktuellen Geräten ja leider.


    Ab sofort wird aber jede Charge der Ladestrom-Desulfatierer vor der Auslieferung mit dem Oszilloskop auf korrekte Funktion überprüft. :saint:


    Grüße, Tom

  • Hi Tom,


    Ich bin tatsächlich zufällig über das Thema zu deinem Forum gekommen und hatte das Teilchen schon davor direkt in Fernost gekauft. Von dem her fällt das Zusenden vermutlich flach (außer natürlich du bietest es netterweise trotzdem an).

    Aber die Info ist natürlich sehr interessant. Ansonsten würde ich selber mal schauen, wo ich an ein Oszi ran komme. Misst du das im angeschlossenen Zustand oder mit offenen Klemmen direkt am Oszilloskop?

    Hättest du mir zufällig eine Vergleichsmessung, wie es im korrekten Zustand aussieht?


    Viele Grüße

    Fabian

  • Man kann beide Methoden nutzen, wobei die mit angeschlossener Batterie natürlich aussagekräftiger ist.


    Da die Kosten für Hin- und Rückversand, Versuchsaufbau und Messung deutlich über dem Neupreis des Pulsers liegen, empfehle ich in diesem Fall, entweder beim Händler zu reklamieren, oder einen neuen Pulser zu kaufen.



    So muss es aussehen.


    Grüße, Tom

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!