LiFePo4 Akku mit älterem Ladegerät laden

  • Hallo in die Runde,


    ich bin gerade beim Ausbau eines Toyota Landcruisers und habe mir dafür eine 100 Ah Batterie von Renogy zugelegt. In der Anleitung steht, dass man diese nur mit einem für LiFePo4 geeigneten Ladegerät laden darf.


    Ich habe aktuell noch ein Victron Blue Power 12/10 verbaut und mich würde interessieren, ob irgendetwas dagegen spricht, einfach dieses zu verwenden?

    Das Ladegerät lädt mit max. 10 A nach folgender Spannungskurve:


    Die Batterie hat folgende Daten laut Datenblatt:


    Da der Ladestrom auch 14,4 V beträgt, müsste das doch eigentlich gehen? Oder spricht aus Eurer Sicht da etwas dagegen?



    Ich würde das Ladegerät nur ungern tauschen und zwar aus zwei Gründen:

    1. es ist bereits komplett verbaut und ich hätte extra Arbeit und Kosten
    2. die nächste Reise geht nach Südamerika und dort gibt es 110V und 220V Spannung - bisher habe ich hier kein Ladegerät gefunden, was so wie das verbaut bei beiden Spannungen funktioniert.

    Vielen Dank schonmal!


    Raffael

  • Hallo,


    Formulierungen wie "Batterie darf nur mit einem für LiFePO4-Batterien geeigneten Ladegerät geladen werden" in Betriebsanleitungen und Garantiebedingungen haben weniger einen erklärenden Zweck für die Anwender, als mehr einen juristisch entlastenden für Hersteller und Verkäufer. Denn was genau zeichnet denn ein "für LiFePO4-Batterien geeignetes" Ladegerät eigentlich aus? DAS schreibt der Hersteller naturgemäß nicht, denn so hält er sich den kompletten Interpretationsspielraum dessen, was er für "geeignet" hält, offen und kann dann bei fast jeder Mängelrüge tiefenentspannt erst mal behaupten, der gerügte Mangel wäre durch die von der Anleitung abweichende Verwendung eines nicht "für LiFePO4-Batterien geeigneten" Ladegerätes entstanden und deshalb nicht von der Garantie abgedeckt. 8o


    OK, das war jetzt etwas boshaft formuliert, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass Juristen beim Verfassen von Betriebsanleitungen immer mit am Tisch sitzen. Obwohl die ja überhaupt nichts zur Frage der korrekten Behandlung von Batterien beitrgen können. Nicht umsonst enthalten die allermeisten Betriebsanleitungen heute nur noch sinnloses Geschwafel über Katzen, die nicht in Mikrowellen getrocknet werden sollen und derartige Binsenweisheiten mehr und deshalb gibt es kaum noch Anleitungen mit weniger als 200 Seiten Umfang. Und darwegen barum liest sie ja auch niemand mehr...


    Um aber Deine eigentliche Frage zu beantworten: oO)


    Ja! Selbstverständlich kannst Du mit einem für 12V Bleibatterie geeigneten Ladegerät auch Deine 12,8V LiFePO4-Batterie aufladen, ohne dass diese gleich abbrennt. Einfach schon deshalb, als dass LiFePO4-Batterien ja extra deshalb entwickelt wurden, um elektrisch mit (12V) Bleibatterien möglichst kompatibel zu sein. Sie lassen sich deshalb auch genauso aufladen. :)


    Grüße, Tom

  • Hallo Tom,


    wieder eine gut gelungene Ausführung zu diesem Thema von dir. :thumbup:
    Vielleicht wäre noch der Hinweis angebracht, dass das Laden der LiFePO4 immer über ein gut konfiguriertes BMS erfolgen sollte.
    Ohne das BMS kann die 4er Block mit einem normalen Bleisäure/Gel Ladegerät Schaden nehmen (Aufblähen).


    Man kann ja nicht oft genug darauf hinweisen, und ein beschädigter Block wird brandgefährlich :evil:.

    Schöne Grüße

  • Richtig.


    Die Einzelzellen-Überwachung eines Lithium-Batterieblocks ist deshalb so wichtig, weil man allein durch die Überwachung der Batterie-Gesamtspannung nicht sicherstellen kann, dass einzelne Zellen nicht eventuell über die max. zulässige Spannung hinaus aufgeladen werden, was Lithium-Zellen - im Gegensatz zu Bleizellen - überhaupt nicht vertragen. Bleizellen beginnen in solchen Fällen einfach zu gasen und verhindern so einen ungebührlich hohen Anstieg der Zellenspannung, weil die Gasung Energie benötigt und so einer weiteren Spannungserhöhung entgegenwirkt. Lithium-Zellen verfügen nicht über einen solchen, sozusagen von Natur eingebauten, Schutzmechanismus, weshalb sie durch ein BMS extern überwacht werden müssen.


    Allerdings setzte ich voraus, dass zu einer LiFePO4-Batterie IMMER ein BMS gehört. Das jedes Mal zu erwähnen wäre ja wie Eulen nach Athen zu tragen. ;)


    Grüße, Tom

  • Klasse, danke euch vielmals. Das heißt ich muss noch herausfinden, ob das eingebaute BMS auch jede Zelle einzeln überwacht. Da schreibe ich Mal dem Hersteller, in der Hoffnung, dass er mir die Info rausgibt. Einfluss auf das Ladegerät hat das aber sowieso nicht, oder? Einfach nur, ob das BMS gut oder gefährlich ist?


    Tom , ich habe jetzt gesehen, dass du auch eine Shop hast. Was davon würdest du mir denn als möglichst kompakten DC-DC-Lader zum Laden der LiFePo4 Batterie bei Motorlauf empfehlen?

  • Da brauchst Du den Hersteller nicht zu fragen: BMS für mehrzellige Batterien überwachen immer die Einzelzellenspannungen. Denn sonst hätten die ja nicht viel zu tun.


    Als möglichst kompakten DC/DC-Lader im Kfz? Dafür gibt es Ladewandler, auch Ladebooster genannt, die genau für diese Aufgabe konstruiert wurden: Sie transformieren die Spannung der Lichtmaschine in den zur Batterieladung optimalen Bereich und lösen auch gleich noch das Problem, die Ladung nur bei laufendem Motor zu ermöglichen und den Ladestrom auf verträgliche Werte zu begrenzen. Das ist wichtig, wenn man LiFePO4-Batterien aus dem primären Bordnetz eines Kfz laden möchte.


    Grüße, Tom

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