Probleme mit 6 Stück Dyness Tower T21

  • Guten Tag,


    ich habe einen Dyness Tower T21 mit insgesamt sechs HV9637 LiFePO₄-Batteriemodulen à 3,55 kWh.

    Bei dem Speicher kam es mehrfach zu starken Einbrüchen des Ladezustands, zum Beispiel von ca. 90 % auf etwa 20 %.

    Bei der Fehlersuche habe ich festgestellt:


    • Mit vier der sechs Module läuft der Tower.

    • Sobald ich eines der beiden übrigen Module zusätzlich einsetze, funktioniert der Tower nicht mehr korrekt.

    • Das gleiche Verhalten tritt auch mit dem zweiten dieser beiden Module auf.

    • Die vier anderen Module funktionieren zusammen problemlos.


    Daher vermute ich einen Fehler in den beiden auffälligen HV9637-Modulen, eventuell an einzelnen Zellen, am internen BMS oder an der Kommunikation.


    Können Sie solche Dyness HV9637 Hochvolt-Batteriemodule prüfen und gegebenenfalls reparieren?

    Interessant wäre insbesondere eine Prüfung von Einzelzellspannungen, Zellabweichungen, BMS, interner Kommunikation, Steckverbindungen und Kapazität der einzelnen Zellen.

    Falls eine oder mehrere Zellen defekt sind, wäre auch wichtig zu wissen, ob ein Austausch einzelner Zellen möglich ist.

    Die beiden auffälligen Module könnte ich Ihnen zur Prüfung vorbeibringen.


    Bitte teilen Sie mir kurz mit, ob Sie solche Module bearbeiten können und mit welchen ungefähren Prüf- bzw. Reparaturkosten ich rechnen müsste.


    Mit freundlichen Grüßen


    Jan P.

  • Hallo Herr P.,


    Reparaturen an Batterien nehme ich nicht vor, sondern liefere nur Ersatzteile und Messgeräte zur Prüfung von Batterien.


    Zu Ihren Fall scheint es mir mit Blick auf die Statistik kaum so zu sein, dass einzelne Zellen defekt sind. Meiner Erfahrung nach kommen gehäuft zwei Problemfälle vor:


    1. Leitungsprobleme:

    Prüfen Sie die Zellenverbinder, deren guten Kontakt zu den Zellenpolen, die Anschlusskabel mit Kabelschuhverpressungen und die Balancerkabel auf guten und stabilen Kontakt. Besonders häufig finden sich an Zellenverbindern und Balancerkabeln erhebliche elektrische Mängel, die dann ihrerseits zu Problemen im Betrieb führen. Hilfreich sind hierbei zur Ermittlung von erhöhten Übergangswiderständen hohe Lastströme in Verbindung mit einer Begutachtung der Temperatur aller Anschlüsse, z.B. mittels Infrarot-Kamera (superpraktisch!).


    2. Bilanzierungsprobleme von BMS durch niedrige Ströme:

    Wenn sich die vom BMS angezeigte Momentankapazität einer Batterie plötzlich ändert, liegt das in praktisch allen Fällen daran, dass die Bilanzierung de Momentankapazität durch das BMS mit den Ergebnissen der Zellenspannungsmessung kollidiert. Da die Zellenspannungen nur in der Nähe von Lade- bzw. Entladeschluss wirklich verwertbare Ergebnisse zulassen, weil sie sich im mittleren Ladungsbereich über weite Strecken kaum verändern, fallen Unterschiede zwischen dem durch Bilanzierung gewonnenen SoC und dem durch die Zellenspannungen erkennbaren SoC auch nur in den Endbereichen auf. In diesen Fällen „springt“ die Anzeige des SoC dann naturgemäß plötzlich. Dieses Phänomen hat aber nichts mit defekten Zellen zu tun, sondern damit, dass BMS meist keine kleinen Ströme unter 1A messen können. Sie sind zu kleinen Strömen hin sozusagen blind. Bei mehreren parallel geschalteten Batterien verschärfen sich diese Probleme noch dadurch, dass sich alle Ströme zwischen den einzelnen Batterien zu kleineren Einzelströmen hin aufteilen. Es kommt daher sehr oft vor, dass die BMS in solchen Batterie-Konfigurationen oft völlig falsche SoCs anzeigen. Je nachdem ob überwiegend kleine Ladeströme oder kleine Entladeströme fließen, schwankt die SoC-Falschanzeige zwischen "viel zu niedrig" und "viel zu hoch". All diesen Fehler gemein ist, dass sie "systemisch" sind, also meist nicht durch Defekte hervorgerufen werden.

    Wenn solche kleinen Ströme dann über längere Dauer fließen, was durch geringe Ruheentladeströme bzw. Solaranlagen bei Dämmerung oder schlechtem Wetter für heutige Anlagen typisch ist, dann verändert sich der Ladezustand von Batterien, ohne dass die SoC-Bilanzierung der BMS das bemerken kann. Das ist aber kein Defekt, sondern das ganz normale systembedingte Verhalten.


    Übrigens ist auch die Symmetrierung der einzelnen parallelgeschalteten Batterien, also dass sich die Ströme zwischen den Batterien möglichst gleichmäßig verteilen, nicht immer ganz einfach zu erreichen. Mit einer gewissen Asymmetrie wird man leben müssen und sicher auch können. Aber wenn ein gewisses Maß an Asymmetrie überschritten wird, sollte man einschreiten und nach den Ursachen forschen.


    Natürlich können auch noch andere Gründe die Ursache der von Ihnen geschilderten Probleme sein, wie z.B. verschiedene BMS-Typen bei den zusammengeschalteten Batterien, oder auch unterschiedliche Firmware-Versionen der verwendeten BMS. Hierdurch können die genannten Probleme auch hervorgerufen werden.
    In seltenen Fällen können auch unentdeckte Defekte von BMS solche Fehler verursachen. Meist liegt es aber an den o.g. Punkten 1. Und 2.


    Btw: Was sagt denn der Dyness-Support zu diesem Problem? Die sollten Ihre Systeme doch kennen…


    Grüße, Tom

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