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Kundenanfrage

Akku-Gott

  • »Kundenanfrage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 348

Registrierungsdatum: 15.04.2010

Über mich: Unter diesem Konto werden viele technischen Kundenanfragen und gegebenen Antworten zu Akkus, Installationen und MicroCharge-Produkten, die mich per eMail erreichen, in (anonymisierter) Kopie gepostet. So ist es möglich, einerseits die per eMail ankommenden Kundenanfragen direkt per eMail zu beantworten und andererseits die Forenuser an dem gegebenen Lösungsvorschlägen teilhaben zu lassen.

Thomas Rücker

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1

15.12.2010, 14:51

Gel-Akkus als Starterbatterie? Welche Ladegeräte für große Dual-Installationen (12V/24V)

Sehr geehrter Herr Rücker,

mit Interesse habe ich in Ihrem Forum gelesen.

Ich baue große Weltreise-Wohnmobile auf LKW Chassis mit 24V Fahrzeug-Spannung und 12V Spannung im Aufbau.

Im Fahrgestell sind in der Regel 2 12V/120Ah (in Reihe) und im Aufbau 4 12V/120Ah Gelbatterien (parallel) verbaut.

Die Fahrzeuge verfügen über eine 24V und eine 12V Serien-Lichtmaschine. Die Laderegler sind geändert (14,2V bzw. 28,5V).

Nun meine Fragen:

Ist eine Gellbatterrie grundsätzlich als Starterbatterie geeignet (Exide sagt: "Ja, unbedingt!")?

Welchen Ladegeräte würden Sie mir für beide Zwecke empfehlen? Wie Sie wissen, gibt es sehr viele Angebote zu sehr unterschiedlichen Preisen. Können Sie geeignete Ladegeräte liefern?

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüssen

T.S.

Tom

Moderator

Beiträge: 2 143

Registrierungsdatum: 27.02.2010

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2

15.12.2010, 14:53

Hallo,

vielen Dank für Ihre Anfrage, für deren Beantwortung ich mir gern ein paar Minuten Zeit nehme.

Ob sich ein Bleiakku als Starterakku eignet, hängt hauptsächlich von seiner Stromlieferfähigkeit - in umgekehrter Form auch Innenwiderstand genannt - ab. Ist der Innenwiderstand eines Akkus niedrig, resultiert daraus eine hohe Stromlieferfähigkeit, da dann im Innern des Akkus bei Entnahme großer Ströme nur wenig Spannung verloren geht und dadurch auch unter Belastung noch eine hohe Klemmenspannung zur Verfügung steht.

Abweichend von der von Ihnen vorgetragenen Aussage der Firma Exide ("Ja, unbedingt"), kann ich eine generelle Eignung von Gel-Akkus (unter diesem etwas vereinfachenden Sammelbegriff möchte ich jetzt einmal alle handelsüblichen Gel- bzw. AGM-Akkus zusammenfassen) als Starterbatterie jedoch nicht bestätigen, weil viele Gel- oder AGM-Akkus eben doch einen signifikant höheren Innenwiderstand als vergleichbare Starterbatterien aufweisen und dadurch bei der Last des Anlassers unzulässig stark in der Spannung einbrechen. Die Folge ist ein zu langsam oder gar nicht mehr drehender Anlasser. Es gibt eben ganz bestimmte Unterschiede im Aufbau von Starterbatterien und Gel- bzw. AGM-Akkus, wobei Starterbatterien besonders auf hohe Stromlieferfähigkeit hin konstruiert wurden, während Gel- und AGM-Akkus in der Regel ganz anders aufgebaut sind und ihre starken Seiten bei Zyklenfestigkeit und Tiefentladefähigkeit liegen. Schon mit Blick auf diese konzeptionellen Unterschiede wird klar, dass sich Starterbatterien nicht ohne weiteres gegen allgemeine Gel- oder AGM-Akkus austauschen lassen. Umgekehrt übrigens auch nicht, denn eine z.B. als Rollstuhlantrieb "missbrauchte" Starterbatterie würde wegen der zyklischen Belastung nur eine kurze Lebensdauer aufweisen.

Nun gibt es dennoch gewisse Akkutypen, die eine Überschneidungen der Eigenschaften der drei oben genannten Akkutypen und einen etwas vom alltäglichen abweichenden Aufbau aufweisen. Da wären in erster Linie die (AGM-)Rundzellenakkus der Marke "Optima" zu nennen, die im Gegensatz zum zuvor gesagten ausdrücklich für Anwendungen als Starterbatterie geeignet sind und auch direkt für diesen Anwendungszweck konstruiert wurden. Hier kann ich voll und ganz zur Verwendung dieser Typen raten, denn selbst die kleine Optima "Red-Top" mit nur 50Ah vermag locker einen Lastwagen- oder gern auch Panzermotor zu starten, ist aber gleichzeitig auch in Grenzen als zyklisch belasteter Versorgungsakku für Kleinverbraucher geeignet. Andere Hersteller haben ähnliche Typen von Bleiakkus in Rundzellentechnologie im Programm, daher möchte ich die Optima-Typen nur als bekannteste Vertreter dieser Bauform nennen.

Würde man jedoch irgendwelche "herkömmlichen" (tolles Wort... :D ) Gel oder AGM-Akkus als Ersatz der Starterbatterien einbauen, wäre das Ergebnis mindestens unbefriedigend, wenn nicht niederschmetternd. Nun habe ich in den letzten Jahren zwar nur wenige der vielen am Markt verfügbaren Akkutypen auf Ihre Eignung als Starterbatterie untersucht, aber ich kann es kurz machen: Ich fand keine anderen, als die oben genannten. Weshalb ich auch zu nichts anderem raten möchte. Allerdings gibt es auch spezielle AGM-Akkus in der Bauform von Starterbatterien, die von ihren Herstellern ausdrücklich als Starterbatterien angeboten werden. Diese sind natürlich ohne Bedenken entsprechend nutzbar, aber in der Regel leider auch sehr teuer.

Zu Ihrer Frage eines für AGM-Akkus geeigneten Ladegerätes kann ich Sie beruhigen: Fast alle heute am Markt erhältlichen "richtigen" Bleiakku-Ladegeräte sind auch zur Ladung von Gel- oder AGM-Akkus geeignet, sofern sie über eine vernünftige Regelelektronik verfügen, welche die Ladespannung nicht über eine bestimmte Schwelle hin ansteigen lässt. Die seit Urzeiten bekannten Baumarkt-Autobatterielader für rundweg 20 bis 30,- Euro im roten Blechgehäuse mit billigem Amperemeter gehören aber ausdrücklich nicht dieser Gattung an und eignen sich heute nur noch zur zeitbegrenzten Aufladung leergelutscher Starterbatterien. Für alles andere gibt es besseres.

Bei Installationen mit zwei unterschiedlichen Bordspannungen sind natürlich zwei unterschiedliche Ladegeräte erforderlich, um 24V-Starterbatterie und 12V-Versorgungsakku gleichzeitig aufzuladen. Mir ist kein Ladegerät am Markt bekannt, das beides gleichzeitig könnte. Im Prinzip kann jedes Bleiakku-Ladegerät mit passender Ausgangsspannung und für den Anwendungszweck ausreichendem Maximalstrom zur Aufladung verwendet werden. Vielleicht sollte man noch zwischen normalen "Tischladegeräten" und speziellen Typen, die sich besonders zum Festeinbau in Fahrzeuge oder Boote eignen, unterscheiden. Hier aufzuzählen was es alles gibt, würde aber den Rahmen sprengen.

Ein Beispiel für Ihre Anfrage kann ich natürlich geben:

Bei einer Anlage mit 12V/480Ah-Zweitakkus wird man zur Aufladung aber schon ordentliche Kaliber vorsehen müssen, um kurze Aufladezeiten und sorgsame Pflege der teuren Akkus zu gewährleisten. Ein 230V-Einbau-Netzladegerät, welches diese Anforderungen problemlos erfüllt, wäre z.B. das Meanwell PB1000-12 (14,4V/60A/1000W), das ich Ihnen bei Einzelbestellung für knapp EUR 300,- anbieten kann. Für die beiden in Reihe geschalteten 12V/120Ah-Akkus würde ich das Meanwell PB300P-24 (28,8V/10,5A/300W) zum Preis von EUR 90,- empfehlen. (Alle Preise netto bei Abnahme von jeweils 1 Stück, Stand Dezember 2010)

Viele Grüße!

Thomas Rücker